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Worauf es beim Cockpit der Zukunft wirklich ankommt

| Autor / Redakteur: Marques McCammon* / Benjamin Kirchbeck

Das Auto der Zukunft assoziiert man spontan mit Begriffen wie „autonom“ und „vernetzt“. Der Innenraum scheint einem Science-Fiction-Film entsprungen.
Das Auto der Zukunft assoziiert man spontan mit Begriffen wie „autonom“ und „vernetzt“. Der Innenraum scheint einem Science-Fiction-Film entsprungen. (Bild: Pininfarina)

Der Innenraum der Zukunft wird sich extrem wandeln. Mit Flatscreens und intuitiver Beleuchtung, abgestimmt auf die Befindlichkeiten des Fahrers. Zudem eine Reihe an Funktionen, die den täglichen Arbeitsweg erträglicher gestalten. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst sind etliche Aspekte zu adressieren, die für eine Umsetzung unerlässlich sind.

Die meisten Neufahrzeuge bieten bereits irgendeine Art der Konnektivität, unabhängig vom Segment oder der Preisklasse. Bestimmte Funktionen waren bislang an hochpreisige Luxusfahrzeuge gekoppelt, doch nun halten sie auch Einzug in günstigere Modelle. Der Suzuki Ignis kostet beispielsweise knapp 12.000 Euro und ist mit umfassender Technik ausgestattet. Mit einem kleinen Touchscreen im Cockpit kann man navigieren, Digitalradio hören und Musik streamen – und dazu noch beim Rückwärtsfahren Bilder aus der Rückfahrkamera sehen.

Die Industrie widmet sich schon seit mehreren Jahren der Einführung solcher Infotainment-Systeme für den Innenraum. Nun gilt es, sich mit den Erfahrungen zu beschäftigen, die den Insassen geboten werden sollen, und die User Interfaces zu optimieren. Letztlich werden immer mehr vernetzte Fahrzeugtechnologien und immer umfangreichere Fahrerassistenzsysteme (ADAS) zum Einsatz kommen. Bei der Entwicklung von Funktionen für optimierte Anwendererlebnisse richten Unternehmen ihr Augenmerk heute auf einen weiteren wichtigen Aspekt - die Künstliche Intelligenz (KI).

Gehirnarbeit

Die Unternehmen, deren User Interfaces sich durchgesetzt haben, haben etwas gemeinsam – sie verwenden zu einem gewissen Grad KI oder Machine Learning. Dank der zugrunde liegenden Algorithmen kommen Verbraucher in den Genuss umfassenderer und interessanterer Erfahrungen.

Nehmen wir den PageRank (PR) Algorithmus von Google als Beispiel: Er zählt die Anzahl der Verlinkungen auf eine Webseite und überschlägt so, wie relevant und hilfreich diese für den Suchenden ist. Google verwendet auch andere Algorithmen, hat diesen jedoch zuerst eingeführt.

Die Industrie widmet sich seit mehreren Jahren der Einführung solcher Infotainment-Systeme für den Innenraum. Nun richtet sich der Fokus auf die Erfahrungen, die den Insassen geboten werden sollen, sowie auf die Optimierung der Benutzerschnittstellen. Wenn Funktionen für den Fahrzeuginnenraum entsprechende Algorithmen verwenden, könnte dies die User Experience maßgeblich verändern.

Wählt der Fahrer z.B. eine Funktion für Musik oder Radio aus, ließe sich mithilfe von Algorithmen und KI sicherstellen, dass das Fahrzeug dazulernt und später relevante Empfehlungen anbietet - ein eher einfaches Beispiel. Dahinter steht jedoch das Konzept eines Innenraums, der intuitiv eine einzigartige und genau auf den Anwender abgestimmte Umgebung erzeugt. Für die Fahrzeugindustrie gilt es, einen solchen Mehrwert möglich zu machen.

Auch andere Anwendungsbereiche bieten sich für KI an. So ließe sich beispielsweise feststellen, wer aktuell am Steuer sitzt und die Sitzposition entsprechend einstellen. Neue vernetzte Fahrzeugfunktionen, ADAS, autonome Fahrtechnologien und KI können für den Verbraucher einen enormen Mehrwert bedeuten, beanspruchen aber auch ein Vielfaches an Rechenleistung.

Rechenleistung – eine Herausforderung

Moderne Rechner müssen in der Lage sein, Informationen und Daten zu verarbeiten, die nicht nur innerhalb des Fahrzeugs, sondern auch in der Cloud liegen. Mit der Einführung von 5G wird es möglich, Daten in beiden Richtungen zwischen Fahrzeug und Cloud zu verarbeiten und so eine flexiblere Computing-Umgebung zu schaffen.

Dies könnte die Einführung vieler neuer Funktionen stützen. Blickt man weiter in die Zukunft, wird aber auch ein neuer Ansatz zum Organisieren dieser Rechenleistung vonnöten sein. Virtualisiertes Computing ist zu thematisieren, denn aus wirtschaftlicher Sicht ist es kaum tragbar, viele sehr leistungsfähige Computing-Plattformen in ein Fahrzeug zu integrieren und diese um immer mehr Funktionen zu erweitern. OEMs können mithilfe virtueller Computing-Plattformen Funktionen konsolidieren und diese als Pakete anbieten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Einführung vernetzter Fahrzeugtechnologien ist die Cyber-Security. Doch kann eher nicht zugestimmt werden, wenn es heißt, dass die „Invasion“ autonomer Fahrsysteme oder ADAS-Technologien die eigentliche Sicherheitsbedrohung darstellt. Es ist wahrscheinlicher, dass verbraucherorientierte Funktionen der Angriffspunkt sein werden, über die Hacker in ein ADAS oder autonome Fahrsysteme eindringen.

Schon jetzt setzt die Fahrzeugindustrie Maßnahmen zum Schutz herkömmlicher Steuersysteme, wie elektronischer Lenkung, Bremsen oder Gaspedal, vor Hackerangriffen um. Anlass zur Sorge bereitet jedoch die Konnektivität zwischen Infotainment-Systemen und mobilen Geräten.

Immer wenn ein neuer Passagier mit einem mobilen Gerät in ein Fahrzeug einsteigt, stellt dies eine neue Bedrohung dar. Wenn die Interaktion zwischen dem Fahrzeug und mobilen Geräten möglich sein soll – was nur logisch ist – sind die potentiellen Bedrohungen zu berücksichtigen, die über USB, Bluetooth, WiFi und Satellit ihren Weg ins Fahrzeug finden. In nächster Zeit sollten also effiziente Schutzvorkehrungen zum Schutz des Innenraums getroffen werden.

Längere Lebensdauer

Auch die Fahrzeuglebensdauer ist ein wesentlicher Faktor, und auch hier spielt der Innenraum eine wichtige Rolle. Laut einer Studie von Michael Sivak, Forscher am Transportation Research Institute der University of Michigan, ist in den USA die Anzahl der Fahrzeugbesitzer gesunken, und die Fahrstrecken werden im Schnitt immer kürzer. Am höchsten waren diese Werte 2006; inzwischen gibt es 4,4% weniger Fahrzeugbesitzer, und die Fahrstrecken sind um 7,8% kürzer. Die Studie ergab zudem einen Anstieg der durchschnittlichen Fahrzeuglebensdauer von etwa neun Jahren (2008) auf elf Jahre (2017). Mit der Einführung von 5G wird es möglich, Daten in beiden Richtungen zwischen Fahrzeug und Cloud zu verarbeiten und so eine flexiblere Computing-Umgebung zu schaffen.

Fazit

Das Cockpit der Zukunft lässt sich anpassen und erweitern und wird dazu beitragen, dass Verbraucher ihre Autos länger fahren. Umsetzen ließe sich dies über OTA-Softwareupdates (over the air bzw. drahtlos). Beispiel: Ein 10 Jahre altes iPad kann auch heute noch auf fast alle Apps im Apple Store zugreifen. Im Vergleich zum modernen iPadPro hat es zwar weniger Funktionen, bietet aber dennoch eine angemessene User Experience.

Das wäre auch bei Fahrzeugen denkbar. Dank OTA-Updates würden sie letztlich länger gefahren – ein interessanter Gedanke und sinnvoller Nebeneffekt der vernetzten Fahrzeugtechnologie.

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* Marques McCammon arbeitet bei Wind River als General Manager im Bereich Connected Vehicle Solutions

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