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Wie VW die Rohstoff-Lieferkette bei E-Autos sozialer gestalten will

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

"Wir sind ein Automobilhersteller und kein Bergbauunternehmen. Wir haben derzeit kein originäres Interesse, uns in die Rohstoff-Minen einzukaufen", sagt VW-Beschaffungsvorstand Dr. Francisco Javier Garcia Sanz.
"Wir sind ein Automobilhersteller und kein Bergbauunternehmen. Wir haben derzeit kein originäres Interesse, uns in die Rohstoff-Minen einzukaufen", sagt VW-Beschaffungsvorstand Dr. Francisco Javier Garcia Sanz. (Bild: VW)

Das Herz eines E-Autos ist die Batterie. Ein wichtiger Bestandteil ist der Rohstoff Kobalt, der zu 60 Prozent aus dem Kongo kommt und wegen der teils katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Kleinbergbauminen aktuell im Fokus von Menschenrechtsorganisationen und Öffentlichkeit steht. Im Interview erklärt Beschaffungsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz, wie VW mit dem Thema Rohstoffe umgeht.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem radikalen Wandel. Die E-Mobilität wird eine der dominierenden Antriebsformen in der Zukunft sein. Das stellt die Hersteller vor gewaltige technologische und infrastrukturelle Herausforderungen. Gleichzeitig benötigt dieser Wandel auch zusätzliche Anstrengungen von allen Beteiligten um Menschenrechte, soziale Standards und damit eine nachhaltige Rohstoffkette zu gewährleisten.

Der Volkswagen Konzern hat nun einem weiteren Schritt die Unternehmensleitlinie zum Rohstoffbezug erweitert, um seinen weltweiten Lieferanten noch präzisere und strengere Regeln zu geben. Diese verlangen zu den bereits bestehenden Vorgaben wie Einhaltung von klar definierten Arbeits-, Umwelt- und Sicherheitsstandards sowie Menschenrechten, nun noch einmal explizit das strikte Verbot jeglicher Form von Kinder und Zwangsarbeit bei der Gewinnung der Rohstoffe wie zum Beispiel Kobalt und Glimmer. VW-Beschaffungsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz erklärt im Interview die Einzelheiten.

In der Diskussion über die E-Mobilität stehen Rohstoffe wie Kobalt in der Kritik. Was tut der Volkswagen Konzern, um eine nachhaltige und saubere Lieferkette zu gewährleisten?

Der Volkswagen Konzern arbeitet mit rund 40.000 Lieferanten weltweit zusammen und legt dabei großen Wert auf Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Umweltstandards. Diese Forderungen sind Bestandteil unserer Verträge - Hinweisen über Verstöße gehen wir unverzüglich auf den Grund. Gerade deshalb schärfen wir beim Thema Rohstoffbeschaffung nach und schließen speziell die Sublieferanten wie Minenbetreiber mit ein. Wir haben im ersten Schritt gerade unsere Unternehmensleitlinie zum Rohstoffbezug erweitert und uns - wie auch unseren Lieferanten - weltweit noch präzisere und strengere Regeln gegeben.

Was besagen die neuen Regeln?

Die neuen Regeln sind auf das Thema Rohstoffe zugeschnitten und verschärft worden. Wir wollen maximale Transparenz bei Herkunft und Abbaubedingungen. Und sie verlangen, dass wir auch hier jegliche Form von Kinder- oder Zwangsarbeit strikt ablehnen und jedem Verdachtsfall nachgehen. Wir erwarten von unseren Lieferanten maximale Transparenz und Information in allen Verdachtsfällen und wir werden die Aufarbeitung auch konsequent mitverfolgen.

Um es ganz klar zu sagen: Wenn sich ein Lieferant oder sein Sublieferant nicht an diese Vorgaben hält und keine notwendigen Maßnahmen einleitet, müssen wir uns im Zweifelsfall auch von einem Partner trennen. Im Übrigen sind die neuen Regeln nur ein Ausschnitt unserer Bemühungen für eine nachhaltige und sozial verantwortungsvolle Rohstoffversorgung.

Was tun Sie noch?

Das Konzept der Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen ist essentieller Bestandteil unseres Handelns. Dabei geht es um Menschen- und Arbeitsrechte, um Umweltschutz, transparente Geschäftsbeziehungen und faires Marktverhalten. Wir achten darauf, dass unsere Lieferanten diese Standards einhalten und auch von ihren Sub-Lieferanten einfordern. Dazu führen wir regelmäßig Lieferantenaudits durch. Außerdem bieten wir unseren Lieferanten Online- und Präsenzschulungen zu Nachhaltigkeitsstandards an. Bereits 2016 haben wir darüber hinaus spezielle Regeln für Mineralien aus Konfliktgebieten eingeführt.

Wie sehen diese Vorgaben aus?

Wir wissen um die Problematik der Sublieferanten im Rohstoffbereich. Unsere Vorgaben legen deshalb ganz klar fest, dass unsere Lieferanten keine Produkte aus so genannten konfliktbehafteten Schmelzen beziehen dürfen. Dabei ging es bis dato vor allem um die Mineralien Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Jetzt kommen aufgrund der sich verändernden Rahmenbedingungen noch Rohstoffe wie Kobalt oder Glimmer dazu, deren Abbau teilweise in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen gebracht wird.

Ist die direkte Beteiligung an Minen eine Option für Volkswagen?

Zunächst einmal sind wir sind ein Automobilhersteller und kein Bergbauunternehmen. Wir haben derzeit kein originäres Interesse, uns in die Rohstoff-Minen einzukaufen. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Fahrzeugen und Mobilitätsangeboten, die für unsere Kunden möglichst attraktiv sind.

Kürzlich hat der Volkswagen Konzern Gespräche mit Rohstoff-Lieferanten für Elektrofahrzeuge geführt. Worum ging es konkret?

Ziel war es, ein gemeinsames Forum für Volkswagen und die vorgelagerte Lieferkette zu schaffen, um einen effizienten Austausch auf Augenhöhe zu führen. Nur wenn alle Partner in der Wertschöpfungskette dasselbe Verständnis haben, können wir etwas bewegen. Mit der Roadmap E haben wir die umfassendste Elektrifizierungsoffensive der Automobilindustrie ausgerufen.

Das Beschaffungsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro bringt eine große gesellschaftliche Verantwortung mit sich. Dem wollen wir gerecht werden. Einer der Schwerpunkte war daher die Transparenz der Rohstoffkette. Wir haben deutlich gesagt, dass wir eine klare Verantwortung für Nachhaltigkeit direkt bei den Minenbetreibern sehen und fordern.

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Volkswagen redet, BMW handelt...  lesen
posted am 12.07.2018 um 11:35 von Unregistriert


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