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Wie sich das Fahrzeug vor Hackerangriffen schützen lässt

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Mit zunehmender Vernetzung und Schnittstellen in Fahrzeugen wächst die Gefahr eines Hackerangriffs. Continental wappnet das Fahrzeug nun mit einem ganzheitlichen Angebot an Cyber-Security-Lösungen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Absicherung sicherheitskritischer Produkte, wie des Bremssystems.

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Cyber Security-Technologien schützen vor möglichen Hackerangriffen im Fahrzeug.
Cyber Security-Technologien schützen vor möglichen Hackerangriffen im Fahrzeug.
(Bild: Milano Medien)

Die Trends Digitalisierung, Vernetzung und automatisiertes Fahren führen dazu, dass Autos Teil des Internet of Everythings werden. Doch Fahrzeuge sind bereits jetzt ein potenzielles Ziel von Hackerangriffen. Die Sicherheit von Daten und sicherheitsrelevanten Komponenten ist daher ein entscheidendes Thema in der gesamten Automobilindustrie.

Um die Vision des unfallfreien Fahrens – die Vision Zero – zu erreichen, müssen Fahrzeuge und Infrastruktur miteinander kommunizieren, indem sie sich unter anderem digital vernetzen. Dies jedoch eröffnet Angriffsmöglichkeiten für Hacker. Digitale Systeme müssen deshalb nicht nur funktionssicher, sondern auch sicher gegenüber solchen Angriffen von außen sein. Continental nutzt Cyber-Security-Technologien einerseits zur Absicherung sicherheitsrelevanter Fahrzeugkomponenten und andererseits in der Produktion.

„Unsere Experten arbeiten daran, dass Thema Security auf das nächste Level zu heben und unsere Systeme gegen Hackerangriffe abzusichern. Dies setzt die Produktionssicherheit in unseren Werken voraus, an der wir ebenfalls arbeiten. Erste Produktionslinien sind bereits dafür ausgerüstet, Cyber-Security-Funktionen in die Produkte einzubringen“, sagte Felix Bietenbeck, Leiter Vehicle Dynamics bei Continental. „Sicherheit betrifft alle Komponenten eines Fahrzeugs, daher müssen neben den Kommunikationsschnittstellen besonders auch Sicherheitskomponenten wie Bremssysteme abgesichert werden.“

Vier Absicherungsebenen

Erstmals wurden kryptografische Verfahren für ein sicherheitsrelevantes System in dem neuesten Bremssystem, der MK C1, realisiert. Bei der MK C1 sind die Funktionen der Bremsbetätigung, des Bremskraftverstärkers sowie des Regelsystems in einem Bremsmodul kombiniert. Die MK C1 ist leichter und kompakter als konventionelle Bremssysteme und wurde speziell für Fahrzeuge mit umfangreichen Fahrerassistenzsystemen, Rekuperation und das automatisierte Fahren entwickelt.

Mit zunehmender Vernetzung und den dazu notwendigen Schnittstellen in Fahrzeugen wächst die Gefahr eines Hackerangriffs. Motivationsfaktoren dafür gibt es viele: Datendiebstahl, finanzielle Interessen oder Reputation sind nur drei mögliche Gründe. Continental arbeitet deshalb an der Absicherung aller potenziellen Schwachstellen und betrachtet Cyber Security auf mehreren Ebenen. Auf der ersten Ebene werden die elektronischen Einzelkomponenten der Systeme abgesichert. Auf der zweiten Ebene wird die Kommunikation zwischen den Systemen im Fahrzeug gesichert. Auf der dritten Ebene stehen die zahlreichen Schnittstellen des Fahrzeugs nach außen im Fokus. Und schließlich, auf der vierten Ebene, wird die Datenverarbeitung außerhalb des Fahrzeugs vor Diebstahl und Manipulation geschützt. Dies schließt auch Cloud- und Backendlösungen ein.

Individuelle Sicherheitsschlüssel

Zukünftige Produkte von Continental verfügen über Kryptographie-Funktionen, mit deren Hilfe Sicherheitsschlüssel eingebracht werden können. Diese Schlüssel werden für jedes Produkt individuell erzeugt und sorgen somit für höchste Sicherheit, da selbst im Falle eines Fahrzeughacks kein zweites Fahrzeug damit manipuliert werden kann. „Die Schlüssel können für diverse Operationen genutzt werden und sind von extern nicht auslesbar. Ähnlich wie bei einer Smartphone-PIN, welche ebenfalls extern nicht auslesbar ist“, erklärte Dennis Kutschke, Programm Manager Cyber Security bei Continental.

Bei dem Thema Cyber Security greift Continental auch auf die Erfahrungen und Technologien anderer Branchen zurück. Das Thema betrifft jedoch nicht nur in Fahrzeuge eingebaute Systeme, sondern auch das Laden von Software und digitalen Schlüsseln. Deshalb wird ein weltweit für alle Standorte gültiges Konzept der Produktionssicherheit eingeführt. Dem Konzept geht eine Risikoanalyse voraus, um Schwachstellen zu identifizieren. Davon profitieren auch die Automobilhersteller, die eigene Schlüssel über das sichere Netzwerk in das System einpflegen können.

„Ein ständiger Wettlauf“

Das Thema Cyber Security ist eine asymmetrische Herausforderung. Während Anbieter von Cyber-Security-Technologien dutzende Systeme im Blick behalten müssen, reicht Hackern eine einzige Schwachstelle. „Es ist ein ständiger Wettlauf zwischen denen, die die Systeme absichern und denen, die sie versuchen zu hacken. Umso wichtiger ist es, bei Bekanntwerden einer Schwachstelle möglichst schnell reagieren zu können“, so Kutschke.

Aus diesem Grund hat Continental ein Sicherheitsvorfall- und Reaktionsmanagement als weitere Sicherheitsebene eingeführt, welches sofort reagieren kann, falls tatsächlich ein Angriff erfolgen sollte. Hier fließt die Expertise des israelischen Start-ups Argus Cyber Security ein, welches Continental im vergangenen Herbst erworben hat und Teil des Tochterunternehmens Elektrobit geworden ist. Gemeinsam mit Elektrobit stellten die Security Experten bereits eine Komplettlösung für Over-the-Air-Softwareupdates vor. Sie bildet die Voraussetzung dafür, Millionen Fahrzeuge ohne Werkstattbesuch in kürzester Zeit auf den neuesten sicherheitstechnischen Stand zu bringen. Ein wichtiger Baustein für die Vision Zero – eine Zukunft ohne Verkehrstote, Verletzte und Unfälle.

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