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Wie Kommunen die urbane Logistik erfolgreich gestalten können

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Den Kommunen kommt bei der Neugestaltung der urbanen Logistik eine zentrale Rolle zu. Bereits im Rahmen der bestehenden Handlungsmöglichkeiten können sie wichtige Impulse für die Verkehrswende im städtischen Güterverkehr setzen. Doch der wirkungsvollste Hebel liegt in der Neuordnung des öffentlichen Raums.

Bund und Ländern legt die Denkfabrik nahe, die Kommunen bei der nachhaltigen Gestaltung des städtischen Güterverkehrs zu stärken und einen regulatorischen Flickenteppich zu verhindern.
Bund und Ländern legt die Denkfabrik nahe, die Kommunen bei der nachhaltigen Gestaltung des städtischen Güterverkehrs zu stärken und einen regulatorischen Flickenteppich zu verhindern.
(Bild: Clipdealer)

Ohne eine gezielte Steuerung des urbanen Güterverkehrs drohen Städten und Gemeinden mehr Verkehrsaufkommen und Emissionen, mehr Konflikte um Stadtraum, steigende Unfallgefahr und höhere Kosten. „Es ist Zeit, dass Städte und Gemeinden den urbanen Güterverkehr in den Blick nehmen“, sagt Christian Hochfeld, Direktor der Denkfabrik Agora Verkehrswende. „Die Corona-Erfahrung hat gezeigt, wie wichtig die Versorgung der Städte mit Waren und Dienstleistungen ist. Wenn Kommunen dies nicht als Gestaltungsaufgabe angehen, werden die Konflikte zunehmen.

Ein nun entwickelter Leitfaden skizziert mehrere Trends, die den städtischen Güterverkehr in den kommenden Jahren prägen werden. So wird die Flächenkonkurrenz in Städten mit wachsender Bevölkerung zunehmen und der Güterverkehr mehr Menschen auf gleicher Fläche versorgen müssen, von Handel und Gastronomie über Handwerks- und Kundendienste bis zur Abfallentsorgung. Digital gestützte Vertriebsformen werden zudem an Bedeutung gewinnen und die Zusammenarbeit von Handel und Logistik erleichtern. Paketzusteller werden stärker auf Paketstationen setzen, um Zustellungen an die Haustür zu reduzieren. Fahrzeugflotten werden auf elektrische Lkw und Lastenräder umgestellt. Das Potenzial von Zustellungen mit vollautonomen Fahrzeugen wird in dichten Stadträumen hingegen als begrenzt eingeschätzt. Wie auf diese Trends reagiert werden kann, zeigen dabei fünf zentrale Erkenntnisse.

Kommunale Steuerung: Nur so kann die Verkehrswende gelingen – und die Logistikbranche weiter wachsen. Da auf städtischen Straßen privater Autoverkehr überwiegt, ist der urbane Güterverkehr in vielen Kommunen aus dem Blick geraten. Doch die heute eingesetzten Lieferfahrzeuge tragen überproportional zu Lärmbelastung, Feinstaub, Stickoxiden und Treibhausgasen bei. Auch an tödlichen Verkehrsunfällen sind sie viel zu oft beteiligt. Weiteres Fahrleistungswachstum der Logistikbranche ist absehbar, was das Verkehrssystem belastet und Flächenkonflikte verschärft. Daher wird das aktive Steuern der urbanen Logistik wieder zu einer zentralen kommunalen Aufgabe.

Neuausrichtung mit eigenen Konzepten und Ressourcen: Das gelingt im Zusammenspiel von Kommunen und der Logistikwirtschaft. Der städtische Güterverkehr unterliegt anderen Anforderungen als der Personenverkehr: Paketdienste, Speditionen, Gastronomie, Handwerk sowie Bau- und Abfallwirtschaft haben jeweils eigene Abläufe und Handlungsoptionen. Um im Dialog wirkungsvolle Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, müssen Kommunen über aussagefähige Daten, Kenntnisse und Zuständigkeiten verfügen. In Städten über 200.000 Einwohner ist für diese Aufgaben mindestens eine Vollzeitstelle nötig.

Städtischer Güterverkehr benötigt zentral gelegene Flächen: Ladezonen und Umschlagpunkte erlauben störungsfreies Be- und Entladen. Für die effiziente Ver- und Entsorgung sollten Kommunen Ladezonen einrichten und sie von falsch geparkten Fahrzeugen freihalten. Regelwidriges Be- und Entladen in zweiter Reihe ist im Gegenzug konsequent mit einem Bußgeld von mindestens 55 Euro zu ahnden. Städte und Gemeinden sollten darüber hinaus für Umschlagpunkte sorgen – vom Mikrodepot über Cityterminals bis hin zum regionalen Verteilzentrum.

Nullemissionszonen: Unternehmen brauchen klare Zeitpläne für den Umstieg auf lokal emissionsfreie Fahrzeuge. Treibhausgase und Luftschadstoffe zu reduzieren gelingt, wenn Umweltzonen zu Nullemissionszonen weiterentwickelt werden. Ein gemeinsam mit der Logistikwirtschaft erarbeiteter Fahrplan macht die Umstellung von Unternehmensflotten planbar und unterstützt Innovationen. Die Verfügbarkeit von leichten elektrischen Lieferwagen und Lastenrädern wächst rasch. Aktive Steuerung wirkt wirtschaftlichen Unsicherheiten entgegen.

Bündelung sorgt für effizientere Straßeninfrastruktur: Preisinstrumente sind dabei ein wirkungsvoller Anreiz. Eine Bepreisung der knappen Infrastruktur in den Kernstädten reduziert Autoverkehr und ermöglicht den effizienteren Einsatz von Lieferfahrzeugen. Zudem werden Anreize für die Bündelung von Fahrten und den Umstieg auf Lastenräder geschaffen, indem Dienstleistern dadurch Kostenvorteile entstehen. Auch der Lieferverkehr wird reduziert, wenn Kommunen ihre eigenen Bestellungen auf der letzten Meile bündeln lassen.

Der Leitfaden „Liefern ohne Lasten. Wie Kommunen und Logistikwirtschaft den städtischen Güterverkehr zukunftsfähig gestalten können“ umfasst 134 Seiten und steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

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