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Wie die vernetzte Logistik neue Geschäftsmodelle kreiert

| Autor/ Redakteur: Dietmar Schnepp / Benjamin Kirchbeck

Die Reihe „Vernetzte Logistik“ dreht sich um die Möglichkeiten, die im Rahmen zunehmender Vernetzung in der Logistik entstehen. Der dritte und letzte Abschnitt widmet sich der Zukunft der vernetzten Logistik und zeigt neue Geschäftsmodelle auf, die daraus entstehen können.

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Die Logistikbranche steht erst am Anfang der smarten und vernetzten Lieferkette. Laut einer aktuellen Hermes-Umfrage unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen, haben erst zwei von zehn Befragten mit der Digitalisierung ihrer Lieferkette begonnen.
Die Logistikbranche steht erst am Anfang der smarten und vernetzten Lieferkette. Laut einer aktuellen Hermes-Umfrage unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen, haben erst zwei von zehn Befragten mit der Digitalisierung ihrer Lieferkette begonnen.
(Bild: Clipdealer)

Die Wertschöpfungskette in der Logistik ist bereits heute mehr als komplex. Um den noch höheren Anforderungen der Industrie 4.0 gerecht zu werden, braucht es eine flexible Vernetzungslösung. Nur so können Logistikunternehmen sowohl schon vorhandene als auch neuangeschaffte Kommunikationslösungen miteinander verbinden.

Um den Ansprüchen einer vernetzten Logistik gerecht zu werden, sollten Unternehmen auf eine offene Plattform im Fahrzeug setzen. Sie garantiert eine flexible, sichere und verlässliche Vernetzung mit einer kurzen Time-to-Market. Dabei muss die Plattform für Kunden bzw. Partner offene und flexible Software- und Hardware-Komponenten zur Verfügung stellen, damit sich Applikationsentwickler voll und ganz auf die Anforderungen komplexer Use Cases konzentrieren können. Währenddessen löst die Plattform Integrationsprobleme im Fahrzeug und stellt die Kommunikation mit der Umwelt sicher.

Diese Kommunikation mit der Außenwelt ist vor allem in der Logistik wichtig, da verschiedenste Akteure mit unterschiedlichsten Anforderungen miteinander agieren: der Lagermitarbeiter, der die Waren effizient liefern muss; der Transportfahrer, der umweltfreundlich und schnell Ware ausliefern soll und schließlich der Kunde selbst, der innerhalb kürzester Zeit seine Ware erhalten will. Die zunehmende Vernetzung der Logistik hilft dabei, die Abläufe noch effizienter und umweltfreundlicher zu planen und durchzuführen.

Um eine komplexe Vernetzung garantieren zu können, braucht es eine sichere und robuste Konnektivität. Eine im Fahrzeug eingebettete Connectivity-Plattform vernetzt das Fahrzeug dabei nach innen und außen. Sie sollte skalierbar sein, damit unterschiedlichste Fahrzeuge wie Gabelstapler, Roboter, Lkws und Pkws effektiv miteinander kommunizieren können. Auch, wenn kein Internet verfügbar ist. Deswegen müssen für den optimierten Logistikprozess Echtzeitdaten und eine schnelle Datenanalyse, aber auch eine netzunabhängige und permanente Verbindung zu anderen, teilweise auch autonomen, Fahrzeuge gewährleistet sein. Diese Konnektivitätslösungen sollten alle Technologien, inklusive Mobilfunk (von 2G bis zum LTE-A, in Zukunft 5G), WLAN und Bluetooth (z.B. BLE – Bluetooth Low Energy) beinhalten und die fahrzeuginterne Kommunikation eine hohe Datenbandbreite sicherstellen.

Künftige Geschäftsmodelle in der Logistik

Neben der zunehmenden Vernetzung der Logistikprozesse, ändert sich auch zunehmend die Bedeutung der Fahrzeuge. Sie wandelt sich vom Statussymbol hin zum „Mittel-zum-Zweck“ und Servicegerät. Immer weniger Menschen werden in Zukunft ein eigenes Auto haben und „Car as a Service“ wird an Bedeutung zunehmen. Das heißt für Autohersteller aber auch für Logistikunternehmen, dass sie neue Geschäfts- und Marketingkonzepte entwickeln müssen, wollen sie auch künftig ihre Zielgruppe erreichen. Dank der Vernetzung kann das Auto in Zukunft mehr sein als ein bloßes Transportmittel.

Während Autohersteller das Automobil als Komfortzone, das autonom agiert und z.B. an Tankstellen und in Parkhäusern selbstständig tankt bzw. parkt, sehen, konzentrieren sich Transportunternehmen auf das Fahrzeug als Ablageort für Paketzustellungen. Dabei müssen aber zuerst zwei Hürden genommen werden: Erstens muss der zu beliefernde Kofferraum genau lokalisiert werden, um beispielsweise die Paketlieferung auch während der Arbeitszeit auf dem Firmenparkplatz abzuwickeln. Zweites müssen die Sicherheitskonzepte so ausgeklügelt sein, dass kein Missbrauch durch das Öffnen des Fahrzeugs entsteht.

Die umfassende Vernetzung beginnt

Trotz zahlreicher Vorteile, steht die Logistikbranche noch am Anfang der smarten und vernetzten Lieferkette. Laut einer aktuellen Befragung von Hermes unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen, haben erst zwei von zehn Befragten mit der Digitalisierung ihrer Lieferkette begonnen. Zwar sind sich 42 Prozent bewusst, dass es notwendig ist, digitalisierte Prozesse in der Lieferkette zu schaffen, allerdings haben erst 27 Prozent der Logistikentscheider eine Strategie. Deswegen haben wohl auch erst 8 Prozent den Transformationsprozess erfolgreich abgeschlossen.

Die aktuelle Trendstudie „IoT in Produktion und Logistik“ des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens PAC im Auftrag der Deutschen Telekom und ihrer Großkundentochter T-Systems bescheinigt sogar, dass erst vier Prozent der Betriebe „eine vollkommen vernetze Umgebung geschaffen“ haben. Für die Befragung wurden 150 IT- und Business-Entscheider aus der Fertigungs- und Logistikbranche befragt. Die Befragung zeigt zudem, dass Effizienzdruck (77 Prozent), die notwendige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (73 Prozent) sowie die Erhöhung der Agilität und Flexibilität (71 Prozent) für Unternehmen wichtige Motivationsfaktoren sind, um nun verstärkt in IoT-Projekte zu investieren. Wie die Studie aber auch zeigt, sind Logistiker heute bereits deutlich besser vernetzt als Unternehmen anderer Branchen, wie zum Beispiel aus der Produktion. Einerseits haben sie großes Interesse daran, Logistikprozesse mit IoT-Technologien transparenter und effizienter zu gestalten; andererseits müssen sie angesichts des Innovationsdrucks durch den Online-Handel neue Lieferkonzepte entwickeln.

Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass Logistiker zwar wissen, dass die Digitalisierung ihrer Supply-Chain-Prozesse wichtig ist, ihnen bisher jedoch Erfahrungswerte und Best-Practice-Beispiele fehlen. Ohne Orientierungshilfe fühlen sich viele Unternehmen zu unsicher, um diesen Prozess zu starten. Außerdem können sich nur einzelne Logistikunternehmen diese große Investition in die neue Prozessvernetzung leisten. Deswegen wird der weitere Fortschritt stark von den großen Konzernen der Automobilindustrie abhängen. Sie haben ein großes Interesse an vernetzten Fahrzeugen – auch auf dem Logistik-Markt. Schließlich wollen die Automobilunternehmen ihre vernetzten Fahrzeuge und Konzepte künftig auch in dieser Branche einsetzen und verkaufen.

* Dietmar Schnepp ist Produkt Direktor Vehicle Communication Devices (VCD) bei Laird.

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