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Wie Ansmann die elektrische Mobilität von morgen gestaltet

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Ansmann AG bewegt sich mit ihren Akku-Packs nicht nur im Mobilitätsektor, sondern auch in den Bereichen Powertools und Medizin bis hin zu Beleuchtungssystemen und Konsumerelektronik (Symbolbild).
Die Ansmann AG bewegt sich mit ihren Akku-Packs nicht nur im Mobilitätsektor, sondern auch in den Bereichen Powertools und Medizin bis hin zu Beleuchtungssystemen und Konsumerelektronik (Symbolbild). (Bild: AdobeStock)

Von der Garagenfirma zum Global Player - das Unternehmen Ansmann kann auf eine beachtliche Entwicklung verweisen. Im Interview blickt Thilo Hack, Director Sales Industrial Solution, auf die Messe "Eurobike" zurück, spricht über Innovationen und Herausforderungen und erklärt, warum er mögliche Brexit-Einflüsse für überschaubar hält.

Vergangene Woche fand die „Eurobike“ in Friedrichshafen statt und Ansmann präsentierte dort mehrere Neuheiten. Eine davon ist der Integral-Akku. Welche Besonderheiten zeichnen diesen aus?

Thilo Hack: Wir stellten zwei unterschiedliche Integral-Akku-Systeme vor. Beide Varianten sind ein komplett im Rahmen integrierter Akku. Diese liegen im Trend bei den E-Bikes wegen der unauffälligen Integration in das Design. Hinzu kommt der Vorteil des IP-Schutzes bei in Rahmen integrierten Akkus. Der Akku wird weniger Wasser und Schmutz ausgesetzt. Die Version Integral-Akku 20 Zellen (254 Wh) bieten die Möglichkeit E-Bikes zu bauen, bei denen optisch kaum wahrnehmbar ist, dass es sich um einen Akku im Rahmen handelt. Design und geringes Gewicht setzten hier Maßstäbe. Der 40 Zellen Akku ist fokussiert auf MTB und Lastenräder. Da er mit X mal 504 Wh kaskadierbar ist, können hiermit auch hoher Leistungsbedarf sowie lange Laufzeiten realisiert werden.

Sie haben noch weitere Besonderheiten präsentiert…

Thilo Hack: Richtig, einen neuen Motor für E-Scooter, dieser wurde speziell hierfür entwickelt und ist auch im Set mit passendem Akku erhältlich. Hinzu kommt unsere „Battery Intelligence“. Damit ermöglicht Ansmann die Vernetzung des Akkus in E-Bike oder E-Scooter mit digitalen Endgeräten. Der Kunde hat die Möglichkeit über IoT, WLAN, aber auch über Bluetooth, den Akku zu kontaktieren und kann sowohl Daten rein als auch raus transferieren. Ein Anwendungsbereich sind Sharing-Systeme. Ein Kunde steht vor 20 E-Bikes und er möchte eines davon für zwei Stunden leihen. Er bekommt in seiner App sofort dank intelligenter Reichweitenberechnung angezeigt: Welches Fahrrad bietet sich da an, das noch ausreichend Leistung bringt? Weitere Möglichkeiten sind die Ortung des E-Bikes, zum Beispiel für die Fuhrparkplanung im Kurierflottenbereich. Eine weitere wichtige Innovation ist die neue Multiladesäule, in der bis zu zehn Ladegeräte gleichzeitig betrieben und gesteuert werden können.

Die Automobilindustrie hadert aktuell etwas mit den Absatzzahlen, während die E-Bikes einen wahren Boom (2019: Prognose bis zu 1. Mio E-Bikes in Deutschland) erleben. Sind Ihre Ressourcen auf Sicht noch ausreichend – sowohl was die Fertigungskapazität betrifft, als auch hinsichtlich dem Personalbestand?

Thilo Hack: Aktuell wird die Fertigung vielfach automatisiert durchgeführt. Das heißt, hier können wir flexibel auf zusätzliche Mengen reagieren und bis zu einem Drei-Schichtbetrieb hochfahren. Der entscheidendere Flaschenhals ist der Bereich der Entwicklung. Wenn ein Kunde eine komplette Neuentwicklung im Bereich individueller Akku-Packs anfragt, wird es spannend. Wobei die Problematik nicht die Gesamtmenge an Projekten ist, sondern der Zeitpunkt, an dem die Projekte eintreffen und sofern dies verdichtet der Fall ist, stellt sich der Frage: Wer steuert die Projekte und hat das Unternehmen derzeit genügend freie Mitarbeiter dafür. Der Markt in Deutschland benötigt Ingenieure in den Bereichen Software, Hardware und Mechanik. Und die sind damit nach wie vor branchenübergreifend rar gesät.

Wie differenziert sich die Ansmann AG, sodass sie die idealen Bewerber schlussendlich auch für sich gewinnen kann?

Thilo Hack: Wir haben einen großen Vorteil mit unseren Akku-Packs. Wir bewegen uns nicht nur in einem Bereich, sondern in diversen Feldern, angefangen von Mobilität über Powertools und Medizin bis hin zu Beleuchtungssystemen und Konsumerelektronik. Von der kleinsten Zelle bis hin zum großen Akku-Pack decken wir bei Ansmann alles ab. Der Mitarbeiter ist folglich mit diversen Applikation befasst. Das lässt sein Aufgabengebiet nie eintönig, sondern sehr abwechslungsreich werden.

Aktuell produziert Ansmann in Deutschland und China. Müssen Sie in Anbetracht des Handelsstreits zwischen den USA und China nachjustieren?

Thilo Hack: In China produzieren wir möglichst viel "Local to Local" Business bei Akku-Packs. Das heißt, dass wir uns auf Kunden konzentrieren, die ihre Fertigung in Asien haben und dort unsere Akku-Packs integrieren. Das Thema beginnt aber eigentlich schon, wenn wir für die Asienfertigung Zellen beschaffen. Wir kaufen bei koreanischen Herstellern ein. Diese haben zum einen Fertigungsstätten in Korea, zumeist rund um Seoul, und andererseits in China. Hierbei ist es extrem wichtig, dass wir die identische Zelle nicht aus Korea sondern aus China beziehen und dadurch die Einfuhrzölle vermeiden. Der zweite Punkt wäre die Verschiffung aus China nach Europa. Die Kosten sind besonders bei Akku-Packs über 100Wh, also Gefahrgutklasse 9, recht hoch, da kein Zug- und Lufttransport möglich ist und einzig und allein verschifft werden kann. Die Anforderungen und Gebühren sind deutlich höher, sodass es sich am Ende, wenn eine finanzielle Gesamtbetrachtung des Produktes erfolgt, kaum noch lohnt, nach Europa zu exportieren. Für den europäischen Markt ist es daher deutlich sinnvoller, auch direkt in Europa zu produzieren und dann das vollständige Akku-Pack an den Endkunden zu liefern. Was den US-amerikanischen Markt betrifft: Wir bekommen aktuell viele Anfragen, da wir eben auch in Deutschland produzieren und die Packs somit ohne die Strafzölle im Vergleich zu Produktion China in die USA liefern können.

Thilo Hack ist seit 2010 für die Ansmann AG tätig und seit 2012 in der Position des Director Sales Industrial Solution. Hack ist weltweit für den Vertrieb und die Betreuung und Auswahl der Zellenhersteller in Asien zuständig.
Thilo Hack ist seit 2010 für die Ansmann AG tätig und seit 2012 in der Position des Director Sales Industrial Solution. Hack ist weltweit für den Vertrieb und die Betreuung und Auswahl der Zellenhersteller in Asien zuständig. (Bild: Ansmann)

Es existiert nicht nur den Handelskonflikt zwischen den USA und China, sondern mit dem Brexit ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Was erwarten Sie in den nächsten zwei Jahren an Auswirkungen für Ansmann?

Thilo Hack: Im Großen und Ganzen keine dramatischen – aber das große Fragezeichen betrifft natürlich unsere Niederlassung in Großbritannien. Die Kollegen dort arbeiten relativ autark, inklusive eigenem Lager. Die Suche nach der passenden Strategie für den Worst Case, wobei es natürlich diverse Worst-Case-Betrachtungen gibt, ist bereits in vollem Gange. Allgemein betrachtet, hat die Ansmann AG den Vorteil, dass wir keine Direktkunden in UK haben, sondern diese durch die Niederlassung bedient werden. Grundsätzlich ist die Problematik aber allgemeiner: Wie entwickelt sich der Markt in UK? Wie entwickelt sich die Kaufkraft? Steigt der Bedarf? Sinkt der Bedarf? Wir bewegen uns vielfach in einem Bereich, in dem Akkus und Batterien ein Verbrauchsgut und somit nicht den ganz großen Schwankungen unterworfen sind. Die UK-Kollegen sind in ihrem Produktportfolio deutlich konsumorientierter und nicht so intensiv im Industriefokus, den wir bei der Ansmann AG aufweisen. Der Einfluss hält sich in der Gesamtbetrachtung somit stark in Grenzen.

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