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Wasserstoff: Faktencheck der Wertschöpfungskette

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Mit einer Wasserstoffstrategie will Deutschland eine Vorreiterrolle beim „grünem Wasserstoff“ einnehmen. Die Veröffentlichung des politischen Rahmenwerks soll zeitnah erfolgen. Daher lohnt sich ein Blick auf die gegenwärtige Situation in den wesentlichen Bereichen der Wertschöpfungskette.

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(Bild: Clipdealer)

Zur Reduktion der CO2-Emissionen und zur Förderung des Einsatzes von grünem Wasserstoff wird die Bundesregierung im Rahmen einer nationalen Wasserstoffstrategie verschiedene Ziele definieren. Diese Strategie bildet die Grundlage für den weiteren Ausbau der Wasserstofftechnologie in Deutschland. Nach aktuellem Diskussionsstand sollen demnach bis 2030 „jedenfalls 3 GW und möglichst 5 GW“ Elektrolyseleistung in Deutschland installiert sein.

Erzeugung: Entwicklung der Elektrolyse-Kapazitäten

Grüner Wasserstoff entsteht durch den sogenannten Prozess der Elektrolyse. Dabei wird Wasser mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien in die Einzelteile Wasserstoff und Sauerstoff zersetzt. Die dafür nötigen Anlagen werden Elektrolyseure genannt. Bisher sind in Deutschland lediglich 0,03 GW Elektroleseleistung installiert. Bei einem Fortschreiben der historischen Entwicklungszahlen würde das Ziel von 3 bis 5 GW deutlich verfehlt werden. Bis 2025 sind jedoch bereits zahlreiche Projekte genehmigt und in Planung. Unter Berücksichtigung dieser Anlagen scheint zumindest das 3 GW-Ziel in Reichweite zu liegen.

Entscheidend für den Erfolg von grünem Wasserstoff in Deutschland wird die Entwicklung des Preisniveaus sein. Sinkende Kosten für Strom aus Wind- und PV-Anlagen ermöglichen eine preisgünstige Herstellung des Energieträgers. Grüner Wasserstoff wird jedoch nur dann seinen Weg in die Industrie und Gesellschaft finden, wenn ein vergleichbares Kostenniveau wie für fossile Brennstoffe erreicht wird.

Transport: Pipelines und Alternativen

Um Wasserstoff effektiv in der Gesellschaft nutzen zu können, muss dieser dem Endverbraucher auch auf effiziente Weise zur Verfügung stehen. Bisher existiert nur ein sehr kleines Netz aus reinen Wasserstoffpipelines (knapp 400 km), welches sich in den letzten 20 Jahren kaum entwickelt hat. Dieses Netz versorgt vor allem Industrieabnehmer.

Um einen starken Ausbau der Pipelines zu vermeiden, wird alternativ daran geforscht, inwieweit Wasserstoff dem regulären Erdgas beigemischt werden kann. Die Gesamtlänge des deutschen Gasnetzes beträgt etwa 500.000 km und bietet somit ein hohes Potenzial für den Transport von Wasserstoff.

Anwendung: Einsatz von Wasserstoff heute und morgen

Schon heute ist Wasserstoff in der Chemieindustrie als Grundstoff und in Raffinerien zur Veredelung von fossilen Brennstoffen weit verbreitet. Zunehmende Akzeptanz finden Anwendungen vor allem im Bereich der Brennstoffzellen für Mobilität und Gebäude. Um den Verkehr mit Brennstoffzellenfahrzeugen zu ermöglichen, spielen Wasserstofftankstellen eine zentrale Rolle. Hier plant die Bundesregierung bis 2025 ein Netz von 400 Wasserstofftankstellen zu etablieren. Die bisherige Entwicklung deutet jedoch darauf hin, dass dieses Ziel verfehlt und ein stärkerer Anstieg der verfügbaren Tankstellen erst in den darauffolgenden Jahren zu verzeichnen sein wird.

Einzug hält die Brennstoffzelle auch im Schienenverkehr. Zahlreiche Wasserstoffzüge sind bereits bestellt, um in den kommenden Jahren vermehrt die noch immer aktiven Dieselloks zu ersetzen. Unter Berücksichtigung der bestellten Fahrzeuge könnten im Jahr 2030 bereits über 1.300 Wasserstoffzüge auf Deutschlands Schienen unterwegs sein.

Viel Potenzial – noch viel zu tun

Da die nationale Wasserstoffstrategie noch nicht veröffentlicht ist und die Entwicklungen im Bereich grüner Wasserstoff keine lange Historie aufweisen können, ist es noch zu früh für ein Urteil über die künftige Ausrichtung. Nichtsdestotrotz wirken die erwarteten Ziele der Wasserstoffstrategie verglichen mit den bisherigen Entwicklungen sehr ambitioniert. Sie geben die richtige Richtung auf dem Weg zur CO2-Neutralität vor und werden in Zukunft gegebenenfalls sogar durch noch höhere Ziele ersetzt. Ob es allerdings bei den politischen Ambitionen bleibt, oder ob tatsächlich Fortschritte realisiert werden können, werden die kommenden Jahre zeigen. Nach derzeitigem Stand muss noch viel passieren, damit Wasserstoff eine zentrale Rolle im zukünftigen Energiesystem spielen kann. Der komplette Faktencheck steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

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