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Was ist multimodale Mobilität?

| Autor / Redakteur: Mario Hommen / SP-X / Benjamin Kirchbeck

In vielleicht schon zehn Jahren könnte das elektrische und vollautonome Taxi unsere (mulitmodale) Mobilität ein Stück weit revolutionieren.
In vielleicht schon zehn Jahren könnte das elektrische und vollautonome Taxi unsere (mulitmodale) Mobilität ein Stück weit revolutionieren. (Bild: Hersteller)

Vor allem dank zunehmender Vernetzung fahren wir künftig multi- und intermodal. Das soll nicht nur das Unterwegssein erleichtern, sondern am Ende auch den Verzicht aufs eigene Auto.

Geht es um die Zukunft der Mobilität, fallen gelegentlich auch die Schlagwörter „multimodales“ und „intermodales“ Reisen. Eigentlich handelt es sich um bereits alltägliche Phänomene, doch fallen darunter auch Visionen und Konzepte, die unser Reiseverhalten in naher Zukunft effizienter und klimafreundlicher gestalten sowie ein Stück weit auch revolutionieren sollen. Unter anderem wollen künftige Anbieter den Autoverzicht erleichtern.

Im Kern beschreibt das Wort multimodal nichts weiter als die Nutzung mehrerer verschiedener statt nur einer Mobilitätsform. Ein gutes Beispiel ist der Berufspendler, der innerhalb einer Woche für seinen immer gleichen Arbeitsweg mehrere Transportmittel einsetzt. Bei schönem Wetter steigt er Montag und Dienstag aufs Fahrrad, während an den nachfolgenden Regentagen die Straßenbahn angesagt ist. Am Freitag steht nach der Arbeit noch der Wochengroßeinkauf an, weshalb dieses Mal das eigene Auto zum Einsatz kommt. Damit verhält sich der multimodale Nutzer also wie viele Pendler in Deutschland.

Gleiches gilt auch für eine Sonderform: das intermodale Reisen, das unser Mobilitätsverhalten gerade in der jüngeren Vergangenheit sogar ein Stück weit revolutionieren konnte. Intermodal umbeschreibt die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel auf einer Reise. Ein klassisches Beispiel ist eine Zugfahrt, für die der Reisende vor Fahrtantritt mit dem Fahrrad von Zuhause bis zum Bahnhof fährt und entweder das Bike dort parkt oder im Zug zum Zielort mitnimmt. Nicht selten kommen auf einer solchen intermodalen Reise auch drei oder vier verschiedene Verkehrsmittel zum Einsatz. Kombinationen aus Klapprad, Zug, Mietwagen, Taxi oder Bus sind möglich, für manche sind sie alltäglich.

Noch vor wenigen Jahren hat eine solche Tour angesichts ihrer Komplexität viele abgeschreckt, doch der fortschreitende Ausbau der Infrastruktur vielerorts (z.B. Fahrradstationen an Bahnhöfen) und die zunehmende Vernetzung haben die Verknüpfung mehrerer Verkehrsmittel in mehrfacher Hinsicht erleichtert. Zumal auch Mobilitätsangebote vielerorts vielfältiger wurden und werden.

Beispiele gefällig? Wer heute mit dem Zug in eine deutsche Großstadt reist, kann für die letzten Kilometer vom Bahnhof bis zum Zielort vielerorts bereits ganz selbstverständlich ein Auto oder Fahrrad spontan anmieten. In einigen Großstädten tummeln sich gleich mehrere Carsharing-Dienste, deren Fahrzeuge in Bahnhofsnähe zur Kurzzeitmiete bereitstehen. Da sowohl die Autos und Bikes sowie die Kunden vernetzt sind, benötigt man oftmals zur Anmiete lediglich die App des jeweiligen Anbieters, um sich mit wenigen Bildschirmberührungen ein Fahrzeug zu sichern.

Mittlerweile gibt es in vielen deutschen Großstädten in teilweise sogar größerer Zahl der sogenannten Free-Floating-Anbieter, deren Carsharing-Fahrzeuge über die Stadt verteilt sind. Die Übersicht zu behalten, ist dabei schwer geworden. Damit Intermodalität leichter und übersichtlicher wird, arbeiten bereits einige Unternehmen an Bündelungen verschiedener Angebote, die sich dann mit nur einer App anzeigen und buchen lassen. Free2move heißt zum Beispiel eine vom Automobilkonzern PSA entwickelte App, die für eine Reihe europäischer Großstädte eine größere Zahl von Free-Floating-Anbietern integriert.

Neben gleich mehreren Carsharing-Firmen sind auch Fahrrad- oder Roller-Verleihe dabei. Ebenfalls verschiedene Mobilitätsanbieter integriert ein Tochterunternehmen des Daimler-Konzerns namens Moovel. Die gleichnamige App erlaubt Nutzern die Suche und Buchung von Angeboten des Car-Sharing-Anbieters Car2go, der Deutschen Bahn, des ÖPNV und Mytaxi. Vorläufig beschränkt sich diese App allerdings noch auf die Großstädte Stuttgart und Hamburg. Qixxit heißt eine App der Deutschen Bahn, die sogar Fernbus, Bahn, Flugzeug, ÖPNV, Carsharing, Mietwagen, Mietrad und Taxi integriert. Allerdings: Derzeit handelt es sich bei allen übergreifenden Angeboten weiterhin um Flickenteppich-Lösungen, die vor allem die Dienste der eigentlich dahinterstehenden Konzernmütter in den Vordergrund stellen. Ein Angebot, welches wirklich alle denkbaren Optionen einer Fahrt von Haustür zu Haustür in intelligenter Weise zusammenfasst, ist noch nicht auf dem Markt.

Ein erklärtes Ziel vernetzter Mobilitätsdienste ist es, die Zahl der Autos in Großstädten zu reduzieren. Die Straßen sind vielerorts überfüllt, der Motorisierungsgrad in Deutschland so hoch wie nie zuvor. Die Idee: Wer hochgradig mobil sein will, muss kein eigenes Auto mehr besitzen und soll dennoch jederzeit die Möglichkeit bekommen, ein Auto in seine (multimodalen) Reisepläne unkompliziert und günstig einbinden zu können. Derzeit arbeiten viele neugegründete Firmen, oft mit Venture-Kapital von Internetriesen oder Autoherstellern ins Leben gerufen, an neuen Mobilitätsangeboten, die diesen Autoverzicht erleichtern sollen.

Ein Beispiel ist das Start-up Moia von VW, das mit Hilfe des „Poolings“ deutsche Städte um eine Million Autos entlasten will. Sie sollen durch Flotten komfortabler Kleinbusse ersetzt werden, die Nutzer via App anfordern können. Teilnehmer geben eine Route ein, Algorithmen berechnen und optimieren die Tour für sämtliche Fahrgäste, damit Leerfahrten so weit wie möglich vermieden werden. Gleich darauf meldet die App, wann man abgeholt wird und wie viel es kostet. Die eigentliche Fahrt wird (noch) von einem Menschen hinterm Steuer durchgeführt, auf längere Sicht wird sich das Fahrzeug autonom bewegen können. Die Kosten sollen zwischen denen für ein ÖPNV-Ticket und einer Taxifahrt liegen. Offiziell starten wird Moia im Sommer 2018 zunächst in Hamburg.

Ebenfalls den Verzicht aufs Auto erleichtern will die Google-Tochter Waymo. Die zunehmende Vernetzung und die damit bedarfsgerechteren Nutzungsmöglichkeiten von Verkehrsmitteln bieten vor allem in Hinblick auf die Elektrifizierung und Automatisierung des Automobils großes Potenzial. Die Vision von Waymo: In wenigen Jahren könnte es normal sein, dass man sich ein Mietauto bis vor die Haustür bestellt, das fahrerlos vorfährt und den Fahrgast zum Wunschziel bringt, ohne dass sich dieser dabei mit der Fahrzeugführung, geschweige denn mit dem Fahrzeugbesitz rumplagen muss. Bislang wird bei Waymo nur getestet und entwickelt. Es dürfte noch viele Jahre dauern, bis ein entsprechendes Angebot fahrerloser E-Taxis uns das multimodale Reisen und den Verzicht aufs eigene Auto erleichtert.

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