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Warum die Wachstumsszenarien für die E-Mobilität realitätsfern sind

| Autor: Andreas Grimm

Die meisten Prognosen erwarten in den kommenden Jahren einen Siegeszug der Elektromobilität. Doch selbst wenn das Verbraucherinteresse tatsächlich vorhanden wäre, wird die Industrie nicht liefern können.

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Die Politik will einen schnellen Markthochlauf der Elektroautos, doch realistisch ist das nicht.
Die Politik will einen schnellen Markthochlauf der Elektroautos, doch realistisch ist das nicht.
(Bild: Clipdealer)

Die politischen Zielvorgaben für Elektromobilität und Klimaschutz sind aus Sicht der europäischen Industrieinitiative „Mobility Facts“ nicht zu schaffen. Das liegt allerdings nicht am fehlenden Willen der Akteure, sondern an den Ressourcen. „Klare physikalische und organisatorische Grenzen beschränken das mögliche Wachstum und führen die aktuelle Sanktionspolitik der EU ad-absurdum“, heißt es in einer Mitteilung vom Montag.

Insbesondere kritisieren die Marktbeobachter die vielen euphorischen Prognosen zum Wachstum des E-Anteils. Diese würden zwar hohe Wachstumsraten nahelegen, dabei aber regelmäßig entscheidende Faktoren eines Volumenzuwachses ausblenden. In einer von „Mobility Facts“ beauftragten Studie geht die Unternehmensberatung Schlegel und Partner nun speziell den limitierenden Faktoren auf den Grund.

Dabei komme die Studie zu durchaus positiven Ergebnissen hinsichtlich der Batterien. Die Faktoren, die in der Diskussion von Elektrogegnern gegen den Ausbau ins Feld geführt werden wie Energieverfügbarkeit, Reichweiten und Ladezeiten, schränken der Studie zufolge die angestrebte Verbreitung elektrischer Antriebe mittelfristig, also bis 2030, nicht mehr ein.

Klare Wachstumsgrenzen und damit Hemmnisse für die Entwicklung der E-Mobilität bis dahin sehen Schlegel und Partner jedoch im Ausbau der

  • Kobalt-Förderanlagen: Statt der notwendigen Verdreifachung sei maximal eine Verdoppelung erreichbar.
  • Produktionskapazitäten für Batteriezellen: Der industrielle Ausstoß müsste um den Faktor 20 steigen, realistisch sei maximal eine Erhöhung um den Faktor 9
  • Öffentlichen Ladeinfrastruktur: Existieren derzeit weltweit etwa 430.000 öffentliche Ladestationen, sind für die E-Ziele im Jahr 2013 mindestens 12 Millionen notwendig, erreichbar seien jedoch maximal 9 Millionen.

Auf Basis dieser Annahmen sei die Prognose des Elektrozuwachses nicht zu halten, mahnt Mobility Facts. Um alle Ziele und Forderungen umzusetzen, müssten Batterie- und Hybridfahrzeuge im Jahr 2030 einen globalen Marktanteil von 39 Prozent erreichen (das entspricht einem hochgerechneten Absatzvolumen von 44 Millionen Einheiten). Aufgrund der genannten Einschränkungen sei maximal ein Wachstum auf 29 Prozent möglich (ca. 33 Mio. Fahrzeuge). Weil erfahrungsgemäß Verzögerungen und temporäre Engpässe zusätzlich bremsen, würden am Ende aber nur 23 Prozent der Neuwagen elektrifiziert sein (ca. 25 Mio. Fahrzeuge).

Die Konsequenz: Weil der Neuwagenabsatz weltweit weiter wächst, wird der realistische, aber langsame Ausbau der E-Mobilität am Ende weltweit sogar noch zu einem Anstieg der Verbrennungsmotoren führen. „Auch bis 2050 ist mit keinem globalen Einbruch der Verbrennertechnik zu rechnen“, heißt es weiter. Entsprechend müsse mit der gleichen Energie weiter an der CO2-Reduktion des Verbrenners geforscht werden wie an der technischen Marktfähigkeit der Elektromobilität.

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