Ein Angebot von /

VW-Chef Diess: „Dann wird die E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn“

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

„Was die Energiewirtschaft da machen will, führt unsere ganze Elektrifizierungsstrategie ad absurdum“, sagte er. Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: „Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute.“
„Was die Energiewirtschaft da machen will, führt unsere ganze Elektrifizierungsstrategie ad absurdum“, sagte er. Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: „Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute.“ (Bild: VW)

Was bringt es, klimafreundliche Elektroautos zu entwickeln, wenn der Strom dafür weiter aus Kohle erzeugt wird? Die Frage stellt sich auch nach dem CO2-Kompromiss der EU. VW-Boss Herbert Diess hat dazu eine klare Meinung.

VW-Konzernchef Herbert Diess hat im Streit um schärfere Klimaschutzregeln für Autobauer den deutschen Energiemix angeprangert. Das E-Auto werde mit dem Diesel bei der CO2-Bilanz auf langen Strecken auf absehbare Zeit auch deshalb nicht mithalten können, warnte er. „Denn die Wahrheit ist: Sie stellen nicht auf Elektro um, sondern auf Kohlebetrieb.“ Bei der Produktion einer Batterie mit Kohlestrom entstünden fünf Tonnen Kohlendioxid (CO2). „Und wenn Sie dann noch mit Kohlestrom fahren, wird E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn.“

Der Wandel ist nicht zu managen

Die EU-Staaten hatten sich darauf verständigt, dass Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen sollen als 2020. Die Bundesregierung wollte ursprünglich nur 30 Prozent Minderung - was deutsche Autobauer als machbar erachteten. Andere Länder wollten eine Reduktion um 40 Prozent und mehr. Die Klimabilanz der ansonsten sauberen E-Autos wird maßgeblich dadurch beeinflusst, aus welchen Quellen der Strom für Batterien in Betrieb und Produktion stammt.

Um die CO2-Emissionen der Autoflotte bis 2030 um 30 Prozent zu senken, werde ein Drittel dieser Fahrzeuge vollelektrisch unterwegs sein müssen, erklärte Diess. Wäre sogar ein Rückgang um 40 Prozent angepeilt worden, müsste über die Hälfte der Autos rein elektrisch fahren. Ein Wandel in dem Tempo sei kaum zu managen, warnte er - binnen zehn Jahren müsse dann ein Viertel der Jobs bei VW entfallen. Aus seiner Sicht wird der Diesel auch in zehn Jahren noch gebraucht.

Auto-Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dagegen dem NDR, die neuen Klimavorgaben beschleunigten den Wandel. Diess' Warnung mit Blick auf die Arbeitsplätze wies er zurück: „Ich glaube, das Gegenteil wird der Fall sein. Wenn die Vorgaben zu lasch wären, dann hätten wir das Risiko, dass wir 200.000 Jobs verlieren.“ Die Trends E-Mobilität und Digitalisierung fordern die Hersteller stark. E-Autos sind aber noch weit davon entfernt, sich am Markt durchzusetzen.

„Dann können wir das Autobauen in Deutschland vergessen“

Auch in der Energiebranche stieß der EU-Kompromiss auf Zustimmung. Der Verkehr sei nach der Energiewirtschaft zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen und liege bei der Minderung „massiv im Rückstand“, hieß es aus dem Verband BDEW. Bosch-Chef Volkmar Denner schrieb in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt, auch die Autobranche könne für den Klimaschutz mehr tun, als sie muss: „Wer für Klimaschutz ist, kommt auch um eine Kohlendioxid-Gesamtbilanz des Straßenverkehrs nicht herum.“ Für das Klima zähle nicht nur der Ausstoß des Autos, sondern auch derjenige aus der Kraftstoff- und Stromerzeugung.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich gegen neue Grenzwerte ausgesprochen. Nicht wenige Politiker verlangten minus 50 oder 75 Prozent bis 2030: „Wenn das im Europäischen Parlament so beschlossen wird, dann können wir das Autobauen in Deutschland vergessen.“

Zum Streit über die - nun gestoppte - Rodung des Hambacher Forsts meinte Diess, es sei „völlig unverständlich“, nur daran zu denken, ein Braunkohle-Abbaugebiet zu erweitern. „Was die Energiewirtschaft da machen will, führt unsere ganze Elektrifizierungsstrategie ad absurdum“, sagte er. Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: „Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute.“ –dpa–

ID.-Chassis: E-Mobilität für einen Konzern

ID.-Chassis: E-Mobilität für einen Konzern

10.10.18 - Der Schleier ist gelüftet: Volkswagen zeigte Mitte September in Dresden erstmals das Chassis seiner neuen Elektromodellfamilie „ID.“ – und gewährte tiefe Einblicke in seine Plattform-Strategie für Elektroautos. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Es ist schon seltsam was manche Menschen so denken: Ich fahre seit einem Jahr E-Golf und kann...  lesen
posted am 13.10.2018 um 23:10 von Unregistriert

Ich gebe Herrn Diess zum Teeil Recht. Wenn man die Geschicke in den Händen der derzeitigen...  lesen
posted am 12.10.2018 um 18:05 von Unregistriert

Möglicherweise liegt der eigentliche Schmerz der Elektromobilität mit an ganz anderer...  lesen
posted am 12.10.2018 um 14:19 von Unregistriert

Es ist erschreckend zu sehen dass sogar Professoren sich irreführend in die Diskussion einbringen!...  lesen
posted am 12.10.2018 um 13:20 von Unregistriert

Wie mein Vorredner schon feststellte, ist die Wahrheit nicht so einfach wie vom VW-Chef behauptet:...  lesen
posted am 12.10.2018 um 12:58 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45542425 / E-Mobility)