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Vernetzte Logistik – Herausforderungen und Einsatzgebiete

| Autor/ Redakteur: Dietmar Schnepp* / Benjamin Kirchbeck

Die Reihe „Vernetzte Logistik“ dreht sich um die Möglichkeiten, die im Rahmen zunehmender Vernetzung in der Logistik entstehen. Der erste Teil beleuchtet die aktuelle Situation und zeigt auf, welche Herausforderungen es zu lösen gilt und in welchen Einsatzgebieten der Logistik die Vernetzung eingesetzt werden kann.

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Welche Möglichkeiten entstehen durch die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastrukturen und alternativen Liefereinheiten?
Welche Möglichkeiten entstehen durch die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastrukturen und alternativen Liefereinheiten?
(Bild: Clipdealer)

Wer kennt es nicht? Immer wenn der Postbote klingelt, ist man gerade nicht zu Hause und schon hat man einen der kleinen Benachrichtigungszettel im Briefkasten, die einem mitteilen, dass der Zusteller einen zweiten Versuch unternehmen wird oder die Warensendung im nächsten Paketshop abgeholt werden kann. Dort werden die Warteschlangen der Menschen, die ihre Sendungen entgegennehmen möchten, immer länger.

Das alles könnte bald der Vergangenheit angehören, denn Pakete sollen künftig per Drohne oder Roboter ausgeliefert werden. Was sich vor einigen Jahren noch wie eine Vision aus einem Science-Fiction-Film anhörte, könnte bald Realität werden. Die Digitalisierung verändert nicht nur die Industrie, sondern auch den kompletten Lieferprozess. Doch bis Drohnen und Roboter an der Haustür klopfen, um bestellte Waren abzugeben, müssen noch einige Herausforderungen gemeistert werden.

Logistikmarkt Deutschland: Zwischen Fluch und Segen

Die Digitalisierung und Vernetzung bietet für Unternehmen in der Logistikbranche große Chancen; in einem Markt, der vor allem in Deutschland boomt. Die Logistik ist in der Bundesrepublik bereits heute nach der Automobilwirtschaft und dem Handel der drittgrößte Wirtschaftsbereich. Der europäische Logistikmarkt beläuft sich auf ungefähr eine Billionen Euro. Deutschland trägt dazu rund ein Viertel bei.

Sowohl im Nah- als auch Fernverkehr bleibt der Lkw hier unverzichtbar, hat der Lastkraftwagen-Transportmarkt in Europa doch ein jährliches Umsatzvolumen von ca. 221 Milliarden Euro. In Deutschland lag der Anteil von Lkws am Güterverkehr in den letzten Jahren stabil bei 70%, wobei bis zu 500.000 Touren täglich gefahren werden. Im Logistikbereich sind in Deutschland rund 60.000 Unternehmen tätig, die überwiegend mittelständisch geprägt sind.

Der Onlinehandel ist dabei ein Segen für die Logistik und spielt bei deren Wachstum eine wichtige Rolle. Der Umsatz des Onlinehandels hat sich seit 2010 fast verdoppelt. Bereits 2016 wurden mehr als 3 Milliarden Pakete an deutschen Haustüren zugestellt. Bis 2021 rechnet der Paket- und Logistikverband BIEK sogar mit einer Zunahme von 30 Prozent. Europaweit sagt eine Prognose des Fraunhofer-Instituts sogar eine Verdopplung des Paketaufkommens bis 2021 voraus.

Jedoch wird der Segen des Onlinehandels für die Unternehmen auch immer stärker zum Fluch. Denn dadurch entstehen neue Herausforderungen - gerade für die Logistikbranche. Eine davon betrifft die sogenannte „letzte Meile“, also den Transport vom Depot zur Haustür des Kunden. Aufgrund kleiner Liefermengen und verteilter Anlieferpunkte lassen sich die Waren hier kaum mehr bündeln. Zudem passiert es häufig, dass Bewohner nicht zu Hause sind und so das Paket nicht annehmen können. Untersuchungen haben ergeben, dass die letzte Meile mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten verursacht und somit der größte Kostenfaktor bei Paketlieferungen ist.

Mehr Verkehr und weniger Facharbeiter

Doch nicht nur die Kosten sind ein wachsendes Problem. Auch die zunehmende Verkehrsdichte beschäftigt die Branche. Die steigende Zahl an Lieferfahrzeugen reiht sich zu der schon vorhandenen Masse an Pkws. Berechnungen sagen, dass Lieferfahrzeuge mittlerweile schon 30 Prozent des Verkehrs innerhalb von Städten ausmachen - und in Stoßzeiten für 80 Prozent der Staus verantwortlich sind. Neben einer hohen Lärmbelastung für die Anwohner ist das durch die hohe Abgasbelastung auch für die Umwelt schädlich.

Da Lieferwagen im Stau stehen und vorgegebene Routen somit nicht einhalten können, sinkt zudem die Produktivität der Lieferdienste. Auch Benzinverbrauch und Überstunden steigen, die Logistikfirmen weiteres Geld kosten. Zudem fehlt es in dicht besiedelten Gegenden an Halteplätzen. Das Zustellen der Pakete wird deutlich erschwert und die in zweiter Reihe stehende Fahrzeuge werden oft zum Verkehrshindernis.

Eine Problematik, die bei Logistikunternehmen ebenfalls Kopfzerbrechen verursacht, ist der steigende Fachkräftemangel und die fehlende Flottenkapazität. Die Speditionsunternehmen Dachser und Nagel beispielsweise schlugen schon Ende 2017 zur Weihnachtszeit Alarm und sprachen von akuten Kapazitätsengpässen aufgrund von Arbeitskräfte- und Ladekapazitätsmangel.

Eine weitere Herausforderung an Logistikdienstleister stellt die Lieferung am selben Tag dar. Insbesondere bei Konzepten bei denen Lebensmittel in Spiel sind und somit die Kühlkette gewährleistet werden muss. Neue Geschäftsmodelle setzen gezielt auf eine Lieferung noch am gleichen Tag, um neue, urbane Zielgruppen zu erreichen.

Um diese komplexen Prozesse dennoch wirtschaftlich zu lösen und weiterhin zu optimieren, suchen Logistikunternehmen nach Lösungen. Großes Potenzial liegt in der Vernetzung und Digitalisierung, denn diese bieten die Chance, weitgehend starre Wertschöpfungsketten zu dynamischen Wertschöpfungsnetzen werden zu lassen. Vernetzte Logistik- und Produktionssysteme könnten deutlich flexibler auf kurzfristige Nachfrage-Änderungen oder Ausfälle innerhalb der Wertschöpfungskette reagieren. Erste Ansätze werden derzeit auch schon getestet. Welche das sind, welche Herausforderungen sie lösen können und wie ihre Umsetzungschancen sind, lesen Sie im zweiten Artikel der Reihe.

* Dietmar Schnepp ist Produkt Direktor Vehicle Communication Devices (VCD) bei Laird

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