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Unfalldatenaufzeichnung – Worauf es bei der Blackbox im Straßenverkehr ankommt

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Ab 2022 ist die Aufzeichnung von Unfalldaten in sämtlichen Neufahrzeugen verpflichtend vorgeschrieben. Einen solchen Datenrekorder im High-End-Segment hat der Automobilzulieferer Swoboda mit dem UDS-AT in Zusammenarbeit mit namhaften Unfallanalytikern entwickelt und in zahlreichen Crashversuchen getestet und qualifiziert. Eine Vorstellung.

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Swoboda ist auf die Entwicklung von Produkten im Bereich der Fahrzeugvernetzung und Unfalldatenerfassung spezialisiert.
Swoboda ist auf die Entwicklung von Produkten im Bereich der Fahrzeugvernetzung und Unfalldatenerfassung spezialisiert.
(Bild: Clipdealer)

Flugschreiber, auch „Blackbox“ genannt, werden seit langem in Verkehrs- und Militärflugzeuge eingebaut. Durch sie kann bei Flugunfällen die Unglücksursache rekonstruiert und technische Probleme behoben werden, wie erst kürzlich im Zusammenhang mit der Boing 737 Max. Hier hat die Auswertung der „Blackbox“ die Softwareprobleme des Flugzeugtyps aufgedeckt.

Doch Datenaufzeichnung und Auswertung könnten auch bei einem Verkehrsunfall helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Unfällen vorzubeugen. Daher hat das EU Parlament mit großer Mehrheit einen Verordnungsentwurf beschlossen, nach dem ab 2022, europaweit nur noch Neuwagen zugelassen werden sollen, die über bestimmte Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme, wie Spurhalte-, Abbiege- oder Abstandsassistenten, vor allem aber über einen Datenrekorder zur Unfalldatenaufzeichnung verfügen.

Einen solchen Datenrekorder im High-End-Segment hat der Automobilzulieferer Swoboda mit dem UDS-AT bereits in Zusammenarbeit mit namhaften Unfallanalytikern entwickelt und in zahlreichen Crashversuchen getestet und qualifiziert. Das Gerät wird seit 2015 in Serie produziert und ist seitdem in Blaulichtfahrzeugen, dem öffentlichen Nahverkehr und kommerziell oder behördlich genutzten Fahrzeugflotten erfolgreich im Einsatz. Basierend auf den ab 2022 geltenden Regelungen kann die Blackbox skalierr und einem breiten Markt zugänglich gemacht werden.

Universell einsetzbar, multifunktional und rechtssicher

Swoboda verfügt bereits seit fünf Jahren über eine „Blackbox“ für den Einsatz im Straßenverkehr und somit über viele Jahre Erfahrung bei der Erfassung, Speicherung und Aufbereitung von unfallrelevanten Daten. Die Swoboda „Black Box“, der Unfalldatenspeicher UDS-AT, erfasst bei Unfällen und unfallähnlichen Ereignissen automatisch alle ereignisrelevanten Daten und zeichnet diese auf. Dazu gehören u.a. die Geschwindigkeit des Fahrzeugs sowie der Zustand der wichtigsten Signale, wie z.B. Zündung, Licht, Blinker oder Bremslicht.

Autonom und zuverlässig

Zur Rekonstruktion der Fahrzeugbewegung arbeiten im Unfalldatenspeicher UDS-AT modernste, unabhängige Sensoren, die hochauflösende 3D Beschleunigungsdaten und Winkelgeschwindigkeitsinformationen liefern. So werden auch komplexeste Unfallabläufe hochfrequent erfasst und aufgezeichnet und können zur Ereignisrekonstruktion dargestellt und ausgewertet werden.

Die Anbindung der UDS-AT an das Fahrzeug ist entweder diskret oder über eine CAN-Bus Schnittstelle realisierbar. So können alle wichtigen Informationen wie einfache Zustandsinformationen, aber auch komplexe Daten wie Fahrzeuggeschwindigkeit, Motordrehzahl und Lenkwinkel erfasst werden.

Intelligentes Ereignismanagement

Die empfangenen und gemessenen Daten müssen vom USD-AT mit hoher Auflösung in einer definierten Zeitspanne erfasst, klassifiziert und verwaltet werden. Eine kontinuierliche Aufzeichnung von Fahrdaten erfolgt jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Deshalb gelangen nur relevante Ereignisdaten in den Speicher, die zeitlich begrenzt werden. Es werden lediglich Daten kurz vor und kurz nach einem relevanten Ereignis gespeichert.

Das System wird mit vier Arten von Ereignissen gespeist, mit automatisch ausgelösten, bei Fahrzeugstillstand, vom Benutzer manuell ausgelösten und extern ausgelösten Ereignissen oder Triggern. Die automatisch ausgelösten Ereignisse basieren auf einem Stoßerkennungsalgorithmus, der nicht nur die relevanten von nichtrelevanten Stößen unterscheiden kann, sondern sie zusätzlich auch noch klassifiziert, in speicherwürdige und nichtspeicherwürdige Ereignisse. Die Zeitspannen bezogen auf die Auslösung eines Ereignisses betragen 30 s vor dem Ereignis und bei automatisch ausgelösten Ereignissen zusätzlich 15 s nach dem Trigger. Die Ereignisse werden bis zu 100m Fahrstrecke nach Abschluss der zeitbasierten Speicherung festgehalten. Ein Speicherüberlauf ist durch intelligente Bewertung der Ereignisse nicht möglich und ein Dauerbetrieb der „Blackbox“ gewährleistet.

Sicherheit

Insbesondere für den rechtssicheren, gerichtsverwertbaren Einsatz sind zahlreiche mechanische und elektronische Sicherungsmechanismen zum Schutz vor Manipulation, um die sensiblen Daten vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, in die „Black Box“ eingebaut. Zudem erfüllt das Gerät die Anforderungen der DSGVO. Die Daten sind dazu sowohl innerhalb als auch außerhalb des UDS-AT Systems sicher. Die hardwarebasierte Zugangsbeschränkung, die enkodierte Datenspeicherung und die verifizierte Datenübertragung bis zur verschlüsselten Datenablage garantieren höchste Datensicherheit. Darüber hinaus sind die Daten selbst bei der Analyse sicher, die Analysesoftware ist verschlüsselt und nur mit Hilfe eines personalisierten Dongles zu nutzen.

Ausbaufähig für zukünftige Anwendungsfälle

Der UDS-AT verfügt schon in der Basisversion über diverse Schnittstellen. Dazu stehen zum Anschluss von Fahrzeugsignalen 10 digitale Eingänge zur Verfügung, zum Beispiel zur Erfassung der impulsbasierten Fahrzeuggeschwindigkeit. Die beiden integrierten CAN-Bus Schnittstellen verarbeiten sowohl fahrzeugspezifische CAN-Protokolle als auch das standardisierte CiA447 Protokoll. Über die CAN-Bus Schnittstelle können bis zu 16 Signale hochfrequent aufgezeichnet werden und zwar sowohl einfache Zustandsinformationen wie Ein-/Aus-Zustände als auch komplexe Signale zur Aufzeichnung von Daten wie unter anderem Geschwindigkeit, Motordrehzahl und Lenkwinkel.

Es besteht außerdem die Möglichkeit einen externen GPS/GNSS Empfänger zur Bestimmung der Geoposition anzubinden. Hierdurch kann jedes gespeicherte Ereignis auch einem geographischen Ort zugeordnet werden. Ebenso kann optional ein iButton Leseadapter zur Nutzeridentifikation und späteren Zuordnung gespeicherte Vorgänge zu einzelnen Nutzern verbaut werden.

Die integrierte USB 2.0 Schnittstelle ermöglicht die interaktive Konfiguration sowie den Download gespeicherter Daten aus dem UDS-AT System. Durch ein weiteres, optionales Modul kann der UDS-AT um Funktionen wie WIFI, Bluetooth, einen integrierten GPS-Empfänger und GPRS ergänzt werden.

Konfigurierbar für unterschiedliche Anwendungsfälle und -gebiete

Die UDS-AT Softwarevarianten sind für das jeweilige Anwendungsgebiet konfiguriert, ohne unnötige Funktionen, und so intuitiv zu bedienen. Beispielsweise sind UDS-AT Varianten für Fuhrparks, Servicepartner und Analytiker verfügbar. Das flexible, erweiterbare Gesamtkonzept des UDS-AT ermöglicht den Einsatz in nahezu allen Fahrzeugkategorien, im Auto, Krad, Bus, LKW oder in Straßenbahnen - und auch beim autonomen Fahren. In all diesen unterschiedlichen Fahrzeugtypen hat sich das System zehntausendfach bewährt, sei es in Blaulichtfahrzeugen, in privaten und öffentlichen Fahrzeugflotten sowie in Anwendungen weit über die klassische Unfallrekonstruktion hinaus und wird den unterschiedlichsten anwendungsspezifischen Anforderungen gerecht. Der UDS-AT bietet also auch für den regulären täglichen Betrieb hohen Nutzen. „Das aktuelle Modell ist ein hoch präzises High-End-Gerät für den professionellen Einsatz. Je nachdem was die Europäische Kommission und unsere Kunden ab 2022 im Detail fordern, können wir den Unfalldatenspeicher auf Grund unserer langjährigen Erfahrung entsprechend modifizieren bzw. skalieren. Wir haben das komplette Know-how“, sagt Frank Zahn.

Kompakt und robust

Eine für den Einbau in Fahrzeuge platzsparende Größe der UDS-AT Box ist essentiell. Daher ist das System kompakt und für die rauen Umgebungsbedingungen in Fahrzeugen sehr robust aufgebaut, mit speziell für die Box entwickelten Gehäuseelementen, die aus modernen, hochwiderstandsfähigen kohlefaserverstärkten Kunststoffen bestehen.

Im Einsatz bewährt

Derzeit sind europaweit bereits ca. 20.000 Fahrzeuge mit dem System ausgestattet. Somit ist das Unternehmen bei Ausrüstung professionell genutzter Fahrzeuge mit Sonderrechten bereits heute Marktführer. Dabei zeigt sich die kleine schwarze Box als wahrer Riese in der Auswertung. Viele versicherungsrechtliche und gerichtsrelevante Fragen konnten mit Hilfe der Daten aus der „Black Box“ bereits geklärt werden. „Das unter der Regie eines der führenden Sachverständigen geschaffene Analysewerkzeug ermöglicht die von der „Black Box“ erfassten und aufgezeichneten Daten aufzubereiten und ein Unfallereignis präzise zu rekonstruieren“, sagt Frank Zahn, Geschäftsführer bei Swoboda in Karlsruhe. „Wir werden den UDS-AT weiter skalieren und sind bereits heute gut aufgestellt, die kommenden Vorgaben und Regularien für den Serieneinsatz zu erfüllen.“

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Über den Autor

Benjamin Kirchbeck

Benjamin Kirchbeck

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