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Ubers harter Weg zur Rentabilität

| Autor/ Redakteur: Alyssa Altman* / Benjamin Kirchbeck

Nachdem Uber jahrelang Geld verpulvert hat, kündigte nun CEO Dara Khosrowshahi an, dass das Unternehmen bis Ende 2020 endlich rentabel werden soll. Leichter gesagt als getan. Eine Analyse.

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Ubers Renditeplan basiert auf dem Versprechen, künftig Fahrdienste mit selbstfahrende Autos anzubieten.
Ubers Renditeplan basiert auf dem Versprechen, künftig Fahrdienste mit selbstfahrende Autos anzubieten.
(Bild: Clipdealer)

In den letzten Wochen gab der amerikanische Fahrdienstvermittler Uber große Pläne bekannt. Mit der Verlautbarung bereits Ende diesen Jahres rentabel werden zu wollen, revidierte Khosrowshahi seine Aussage vom letzten Jahr, erst 2021 schwarze Zahlen zu schreiben. Dabei musste Uber noch kürzlich in seinen jüngsten Finanzergebnissen einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar verzeichnen. Zwar ist dieses Minus nicht so signifikant wie in den vorangegangenen Quartalen (1,2 Milliarden Dollar im 3. Quartal 2019 und erstaunliche 5,2 Milliarden Dollar im 2. Quartal des gleichen Jahres), doch dürften die Anleger nervös bleiben, dass der Ride-Hailing-Dienst weiterhin Verluste einfährt.

Das finanzielle Grab bleibt weiter offen

Die Herausforderungen sind nach wie vor enorm. Daher ist es für Uber unabdingbar, jetzt mit Entschlossenheit zu handeln und zielführende Maßnahmen anzugehen, anstatt nur vage Rentabilitätsversprechen zu geben. Das Unternehmen scheint dies bis zu einem gewissen Grad verstanden zu haben. So trennte man sich kürzlich von verlustreichen Geschäftsfeldern – etwa durch den Verkauf von UberEats India an den lokalen Mitbewerber Zomato. Außerdem schloss man die Übernahme des Konkurrenten Careem im Mittleren Osten ab. Die Kostensenkungsmaßnahmen sind zwar vielversprechend, sie garantieren aber nicht, dass der Ridesharing-Gigant einen Ausweg aus dem finanziellen Grab findet, das man sich geschaufelt hat.

Um Gewinn zu erzielen, muss Uber sein Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Anstatt Wachstum um jeden Preis zu verfolgen, muss das Unternehmen sicherstellen, dass man die richtigen Grundlagen schafft.

Erfolg ist in Sicht

Als ersten Schritt sollte das Unternehmen die Preise für seine Fahrdienste erhöhen. Zu lange haben Investoren das Ride-Hailing-Geschäft zugunsten des kurzfristigen Wachstums und zum Nachteil des langfristigen Erfolgs subventioniert. Eine Erhöhung der Preise für die Fahrdienstleistungen kann zwar bestehende und potenzielle Kunden vergraulen. Uber würde dadurch jedoch in die Lage versetzt, seine Einnahmen zu stabilisieren und die Nerven der Investoren zu beruhigen.

Zweitens muss sich Uber breiter aufstellen und sein Geschäftsmodell über die Ride-Hailing-Wurzeln hinaus diversifizieren. Das Unternehmen sollte seine Services UberEats und UberFreight weiter ausbauen, da beide Geschäftsfelder das Potenzial der skalierbaren Monetarisierung bieten. Außerdem muss Uber dringend die anhaltenden Probleme mit TFL (Transport for London) in Großbritannien und dem Staat Kalifornien lösen, denn diese bedrohen das Geschäft in beiden Schlüsselregionen maßgeblich. Sonst könnte dem Fahrdienstvermittler ein Gewinneinbruch und Bedeutungsverlust in UK und den USA drohen.

Und damit nicht genug. Uber darf bei der Überprüfung seines Geschäftsmodells nicht den Gewinn über den langfristigen Erfolg stellen. Das Unternehmen darf seine Mission, sich durch neue Initiativen wie selbstfahrende Autos, E-Bikes und Scooter und sogar Hubschrauber zum „Amazon des Transports“ zu transformieren, nicht völlig aufgeben. Auch wenn dieses Vorhaben auf den ersten Blick vielleicht als absurd oder als Geldverschwendung erscheinen mag, kann es sich Uber nicht leisten, auf die weitere Diversifikation seines Angebots zu verzichten. Es ist gut möglich, dass einige dieser Technologien die goldene Eintrittskarte zum großen Erfolg werden. Die Zukunft der Automobilindustrie steht noch in den Sternen. Konkurrenten wie Ola, Bolt, Lyft und weitere Player versuchen Uber vom Thron zu stoßen. Deshalb muss der Ride-Hailing-Gigant sicherstellen, weiterhin an der Spitze der Innovation zu stehen und gleichzeitig unnötige Ausgaben zu reduzieren – keine leicht zu haltende Balance.

Im Grunde muss Uber seine rosarote Brille abnehmen und die übermäßigen Ausgaben zurückfahren, um rentabel zu werden. Kerninvestitionen sollten auf Innovationen und den aktuellen Service konzentriert werden. Während das heutige Business zu überschaubaren Kosten geführt werden muss, gilt es für Uber auch sicherzustellen, dass man die Debatte über die Zukunft der Mobilität anführt, um den Erfolg in den kommenden Jahren voranzutreiben.

* Alyssa Altman, Senior Vice President und Industry Lead Transportation & Mobility für Nordamerika bei Publicis Sapient

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