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Uber – Börsengang unter widrigen Bedingungen

| Autor/ Redakteur: Alyssa Altman* / Benjamin Kirchbeck

Am 10. Mai startete das Mobility-Unternehmen Uber an der Börse. Die Erwartungshaltung waren enorm und doch hätte es schlimmer kaum kommen können: Der Kurs brach innerhalb weniger Stunden um fast 18 Prozent ein. Eine Analyse der Hintergründe.

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Ubers Plan, endlich Rendite für seine Investoren einzufahren, basiert auf dem Versprechen, künftig Fahrdienste mit selbstfahrende Autos anzubieten.
Ubers Plan, endlich Rendite für seine Investoren einzufahren, basiert auf dem Versprechen, künftig Fahrdienste mit selbstfahrende Autos anzubieten.
( Bild: Clipdealer )

Vor kurzem ging Uber an die Börse. Doch bereits am selben Tag sank der Unternehmenswert auf den niedrigsten Stand seit 2015 – die Aktien fielen sogar um fast acht USD im Vergleich zum Zuteilungspreis von 45 USD auf 37,10 USD. Kein gutes Zeichen, denn Anleger sind jetzt davon überzeugt, dass das Unternehmen bereits vor dem Initial Public Offering (IPO) überbewertet war. Erschwerend kommt hinzu, dass Uber die Anteile gerade einmal am unteren Ende seines von Analysten erwarteten Börsenwerts ausgab – ein zusätzlicher Schlag für das Unternehmen.

Dies wiegt doppelt schwer, da Uber mit dem niedrigen Ausgabepreis vermutlich ein ähnliches Schicksal wie Konkurrent Lyft vermeiden wollte. Dessen Aktien waren am zweiten Handelstag nach dem Lyft-IPO unter den ursprünglichen Emissionspreis gefallen. Ein glaubwürdigerer Grund für die niedrigere Emission wäre allerdings, dass die Zukunft von Uber in Frage steht – trotz des globalen Wachstums und Erfolgs. Zudem belastet der anhaltende Zollstreit zwischen den USA und China den Markt.

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Über die Autorin

Alyssa Altman führt bei Publicis Sapient, den Experten für digitale Business Transformation der Publicis Groupe, das Transportation- & Mobility-Business in Nordamerika. In ihrer 19-jährigen Karriere bei Publicis Sapient entwickelte sie erfolgreich Omnichannel-Strategien und Technologielösungen für Kunden aus einer Vielzahl von Branchen – von Automobil über Konsumgüter bis hin zu Finanzdienstleistungen und Einzelhandel im B2B- und B2C-Bereich. Vor ihrer Tätigkeit bei Publicis Sapient arbeitete sie für Ernst & Young in der Strategic Advisory Services Group.

Gute Experience, schwache Infrastruktur, ungewisse Zukunft

Auch intern scheint es noch einige Herausforderungen zu geben, die negativ auf den Börsenerfolg von Uber wirken: So verfügt das Unternehmen zwar über eine einfach zu bedienende App, eine hervorragende Customer Experience, eine große Flotte mit Fahrern sowie riesige Datenmengen. Diese vermeintlichen Erfolgsfaktoren werden jedoch von der Tatsache überschattet, dass das Geschäft vorwiegend durch die Bereitschaft der Investoren angetrieben wird, einen Großteil der Fahrdienstleistungen zu subventionieren. So zahlten die Anteilseigner im vergangenen Jahr im Schnitt 58 Cent auf jede gebuchte Uber-Fahrt drauf – das waren immerhin ca. 5,2 Millionen im letzten Jahr. Das auch weiterhin erwartete Wachstum des Unternehmens steht also auf wackligen Beinen. Realität ist auch, dass Uber noch immer keinen Gewinn schreibt.

Und als wäre das nicht genug: Ubers Plan, endlich Rendite für seine Investoren einzufahren, basiert auf dem Versprechen, künftig Fahrdienste mit selbstfahrende Autos anzubieten. Autonomes Fahren ist jedoch auf den neuen Mobilfunkstandard 5G angewiesen, der wahrscheinlich erst in fünf bis zehn Jahren flächendeckend verfügbar sein wird. Damit wird Uber kurz- bis mittelfristig weiterhin relativ hohe Betriebskosten aufweisen und auf seine Fahrer angewiesen bleiben.

Eine weitere Herausforderung für den Mobilitätsspezialisten besteht darin, dass die Kostenbasis für die Fahrerflotte auch in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte. Die Gesetzgebung sowie die starke Streikbereitschaft in einigen Ländern werden die Kosten ebenfalls weiter in die Höhe treiben und die rechtlichen Verpflichtungen des Unternehmens erhöhen. Auch wenn sich Ubers Ruf als Arbeitgeber mittlerweile gebessert hat, leidet die Marke noch immer unter dem Schaden, der nach einem Sexismus-Skandal und wegen des stark kritisierten Führungsstils unter dem ehemaligen CEO Travis Kalanick entstanden ist. Zudem verließen viele Fahrer das Unternehmen, weil sie weniger verdienten als erhofft. Dies ist ein großes Problem: Uber arbeitet mit einem relativ einfachen Angebots-/Nachfragemodell, auf das sich ein Mangel an Fahrern mit steigenden Kosten pro Fahrt auswirken würde. Das bedeutet: Um die Zahl der Fahrgäste weiter auszubauen, wird Uber die Fahrtkosten auch weiterhin subventionieren müssen.

Die Schwierigkeiten für das Unternehmen sind auch nicht auf das Geschäftsfeld mit den Fahrdiensten beschränkte. Derzeit ist etwa der Food Delivery Service UberEats ein kleiner, aber schnell wachsender Teil des Geschäfts, das sich auf bereits vorhandene Uber-Kunden stützt. Der Food Delivery-Markt ist allerdings schon von starken Wettbewerbern mit treuen Kundenstämmen besetzt. In den USA sind dies beispielsweise GrubHub, Postmates und DoorDash. In Deutschland gehören Deliveroo, Foodora und Lieferando zu den Marktführern. Ähnliche Wettbewerbsstrukturen gibt es auch in den meisten anderen Märkten. Es wird also teuer, sich in diesem Geschäftsfeld zu behaupten. Und selbst wenn UberEats den Kampf um den Markt der Essenlieferanten gewinnt, wird sich der Service zu keiner massiven Einnahmequelle entwickeln, sind doch die Margen für solche Services viel geringer als das klassische Ride-Hailing-Modell von Uber.

Ein Blick auf Uber Freight zeigt: Trotz seines Wachstums im Logistik-Markt ist dieser Uber-Service im Vergleich zu Big Playern wie Agility Logistics, FedEx und UPS immer noch relativ klein. Uber Freight verdient zwar Millionen, die genannten Konkurrenten nehmen aber Billionen-Umsätze ein.

Wo geht die Reise hin

Uber ist auf Wachstum eingestellt und auf potenziell langfristige Marktdominanz in den kommenden zehn bis 20 Jahren ausgerichtet. Kurzfristig betrachtet werden Investoren bei Uber eher fallende Kurse in Kauf nehmen müssen als schnelle Renditen erwarten zu können. Für Uber bedeutet das, dass ein von Quartalsergebnissen getriebener Aktienmarkt sowie die von Investoren gestellte Forderung nach immer schnellerem Wachstum nicht die besten Voraussetzungen für das Management schaffen. Vor allem nicht, wenn dieses sich zum Ziel gesetzt hat, einen großen Zukunftsmarkt aufzubauen, statt kurzfristig echten Gewinn zu generieren.

* Alyssa Altman ist als Senior VP und Industry Lead Transportation & Mobility North America für Publicis Sapient tätig.

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