Ein Angebot von /

Teslas Autopilot beschleunigte vor tödlichem Aufprall

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Vier Sekunden vor dem Zusammenstoß setzte der Autopilot zur Beschleunigung an. Bis zum Aufprall sei die Geschwindigkeit von 62 auf 70,8 Meilen pro Stunde gestiegen (Symbolbild).
Vier Sekunden vor dem Zusammenstoß setzte der Autopilot zur Beschleunigung an. Bis zum Aufprall sei die Geschwindigkeit von 62 auf 70,8 Meilen pro Stunde gestiegen (Symbolbild). (Bild: Tesla)

Teslas Autopilot hat laut US-Unfallermittlern bei einem tödlichen Unfall vor drei Monaten in den letzten Sekunden beschleunigt. Auch die Batterie des Fahrzeugs fiel erneut unangenehm auf: Fünf Tage nach dem Löschvorgang fing diese abermals Feuer. Währenddessen kündigte Tesla-Boss Musk neue Funktionen zum Autonomen Fahren an.

Teslas Autopilot hat laut US-Unfallermittlern kurz vor dem Crash mit einem Betonpoller beschleunigt. Zudem seien keine Brems- oder Ausweichmanöver bei dem Elektro-SUV des Typs Model X festgestellt worden, erklärte die US-Behörde NTSB in einem vorläufigen Bericht. Die Experten, die unter auch bei Flugzeugunfällen im Einsatz sind, veröffentlichten die ersten detaillierten Angaben zum Unfall aus der Auswertung der Fahrzeugdaten. Demnach folgte der Tesla acht Sekunden vor dem Aufprall noch einem anderen Wagen mit einer Geschwindigkeit von 65 Meilen pro Stunde (knapp 105 km/h). Sieben Sekunden vor dem Crash begann der Tesla gemeinsam mit dem vorderen Wagen eine Bewegung nach links.

Was danach passierte, dürfte neue Fragen zum Autopilot-System aufwerfen: Vier Sekunden vor dem Zusammenstoß war der vordere Wagen nicht mehr in Sicht - und eine Sekunde später setzte Autopilot zur Beschleunigung an. Bis zum Aufprall sei die Geschwindigkeit von 62 auf 70,8 Meilen pro Stunde gestiegen (von knapp 100 km/h bis 114 Km/h). Der Fahrer habe in den letzten sechs Sekunden seine Hände nicht am Steuer gehabt, erklärte die NTSB. Tesla betont stets, dass Autopilot lediglich ein Assistenzsystem sei und die Fahrer stets den Überblick und die Kontrolle über das Fahrzeug behalten müssten. Vor dem Unfall war Autopilot die letzten knapp 19 Minuten ohne Unterbrechung aktiv gewesen, wie aus dem NTSB-Bericht hervorgeht.

Tesla-Batterie geht erneut in Flammen auf

Bei dem Unfall auf einer Autobahn in der Nähe von Mountain View im Silicon Valley war der Tesla in einen Betonpoller zwischen den Fahrspuren gerast. Erschwerend kam hinzu, dass eine Metallkonstruktion vor dem Poller, die gerade in solchen Fällen ein Fahrzeug vor dem Aufprall abbremsen soll, nach einem früheren Unfall stark verkürzt war. Die NTSB zog in dem vorläufigen Bericht noch keine Schlüsse zu den Ursachen des Unfalls. Tesla war von den Ermittlungen ausgeschlossen worden, nachdem der Konzern ohne Rücksprache mit der Behörde Informationen zu dem Unfall veröffentlicht hatte.

Die NTSB bestätigte auch, dass die direkt nach dem Unfall gelöschte Batterie des Wagens fünf Tage später noch einmal Feuer fing. Die Unfallermittler untersuchen derzeit mehrere Batteriebrände in verunglückten Tesla-Fahrzeugen. Im Mai war auch in der Schweiz ein Tesla auf eine Autobahn-Abgrenzung geprallt und in Flammen aufgegangen. Tesla betont, die Wahrscheinlichkeit von Bränden in den Elektrofahrzeugen sei geringer als bei Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

Neue Funktionen zum Autonomen Fahren im August

Währenddessen verspricht Firmenchef Elon Musk zum August erste Funktionen zum Autonomen Fahren. Sie sollen mit der neuen Version der Software von Teslas Elektroautos aktiviert werden, schrieb Musk am späten Sonntag bei Twitter. Zugleich nannte er keine weiteren Details dazu, so dass unklar blieb, in welchem Umfang und unter welchen Umständen der Computer die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen soll.

Bei der Autopilot-Software betont Tesla, dass es lediglich ein Assistenzsystem sei, das die Wagen nicht zu selbstfahrenden Autos mache. Deshalb sollen die Fahrer stets den Überblick über die Verkehrslage und die Kontrolle über das Fahrzeug behalten. Zugleich baut Tesla bereits seit 2016 Kameras und andere Hardware ein, die die Wagen fit für komplett autonomes Fahren machen sollen.

Tesla-Kunden können sich bereits die Option auf entsprechende Funktionen sichern, die je nach Verfügbarkeit und Zulassung durch die Aufsichtsbehörden freigeschaltet werden sollen. Das kostet 3.600 Euro beim Neuwagenkauf und 4.200 Euro bei Aktivierung nach Auslieferung. Die verbesserte Autopilot-Funktionalität lässt sich Tesla mit 6.000 Euro bezahlen. dpa

Analyse: Tesla springen immer mehr Model-3-Kunden ab

Analyse: Tesla springen immer mehr Model-3-Kunden ab

06.06.18 - Einer Analyse zufolge hat fast jeder vierte Kunde in den USA seine Reservierung für ein Tesla Model 3 rückgängig gemacht. In den letzten Monaten ist die Absprungrate den Daten zufolge deutlich nach oben geklettert. Die Analysten führen das unter anderem auf die jüngsten Aussagen von Elon Musk zurück. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Diese Batterien sind schon gruselig: liefern 300V auch im ausgeschalteten Zustand. Wobei - man...  lesen
posted am 13.06.2018 um 08:02 von Unregistriert

Der Fahrer bekam 6 s vor dem Aufprall akustische und optische Warnsignale. So steht es zumindest...  lesen
posted am 11.06.2018 um 14:55 von Unregistriert

Ich fahre seit 1,5 Jahren einen TESLA - Model S - mit Autopilot und nutze ihn wirklich nur als...  lesen
posted am 11.06.2018 um 14:38 von pkoller


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45346304 / ADAS & Autonomous)