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Telematik im Kfz – Wohin führt der Weg der Connected Cars?

| Autor/ Redakteur: Hope Bovenzi* / Benjamin Kirchbeck

Das Connected Car ist zumindest in Teilen längst Realität. Doch wie geht es im Bereich der Telematik in den nächsten Jahren weiter?

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Zu Beginn der 2000er-Jahre trat plötzlich eCall auf den Plan und versprach Sicherheit und Hilfe im Unglücksfall, während Navigationssysteme den Autofahrern halfen, sich zurechtzufinden.
Zu Beginn der 2000er-Jahre trat plötzlich eCall auf den Plan und versprach Sicherheit und Hilfe im Unglücksfall, während Navigationssysteme den Autofahrern halfen, sich zurechtzufinden.
(Bild: Clipdealer)

Von den Startups im Silicon Valley bis zu den etablierten Automobilherstellern in Deutschland wird am vernetzten Auto von morgen gearbeitet. Wie aber werden sich unsere täglichen Fahrten verändern? Wann werden unsere Straßen mit 5G-Technik ausgestattet sein? Wie wird die Konnektivität mit autonomen Fahrzeugen funktionieren?

All dies sind berechtigte Fragen, die nur die Zukunft beantworten kann. Einen Hinweis bietet aber bereits heute der Werdegang der Telematik. Nimmt man außerdem noch das Wissen über den heutigen Markt hinzu, so können wir ausgiebig über die gebotenen Möglichkeiten spekulieren. Aber sehen wir uns die Sache doch einmal genauer an.

Die Zukunft des Telematik-Netzwerks im Auto.
Die Zukunft des Telematik-Netzwerks im Auto.
(Bild: TI)

Die Evolution der Telematik

Zu Beginn der 2000er-Jahre trat plötzlich eCall auf den Plan und versprach Sicherheit und Hilfe im Unglücksfall, während Navigationssysteme den Autofahrern halfen, sich zurechtzufinden. Außerdem erübrigten sich hierdurch dankenswerterweise die wohlgemeinten Ratschläge des Beifahrers. Vorangetrieben wurde diese Technik hauptsächlich von der EU-Notrufnummer E112, der European Regions Airline Association (ERA), dem Global Navigation Satellite System (GLONASS) in Russland oder der Notrufnummer 911 in den USA.

Der Durchbruch für eCall erfolgte am 1. April 2018, denn seit diesem Stichtag müssen alle in der EU verkauften Neuwagen zwingend mit dieser Technik ausgestattet sein. Was einst als einfaches Mobiltelefon und Navigationsgerät begann, schließt mittlerweile Over-The-Air-Updates (OTA) ein und kann das Fahrverhalten vorhersagen und mit anderen Fahrzeugen kommunizieren.

Die Entwicklung des Marktes

Der Markt verzeichnet gesunde Umsatzzuwächse sowohl im OEM-Bereich als auch bei den nachrüstbaren Telematik-ECUs (Electronic Control Units). Wie dem Report „Automotive Infotainment Systems Q2 2018 OEM and Aftermarket Growth Drivers Through 2025“ von Strategy Analytics zu entnehmen ist, beträgt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 2017 bis 2025 7,8 %, während es bei anderen Infotainment-Plattformen im selben Zeitraum zu einer Stagnation oder gar zu einem Rückgang kommen kann.

Was an dieser Prognose anzumerken ist, ist die Tatsache, dass sie nur nachrüstbare und werksseitig eingebaute Telematik-ECUs berücksichtigt und nicht die sich abzeichnenden Trends des Telematik-Markts aufführt, zu denen die V2X-Kommunikation (Vehicle-to-X), OBD-Dongles (On-Board Diagnostics) und Flottenmanagement-Systeme gehören.

Was kommt als nächstes?

Die große Frage ist: Wohin tendiert der Markt? Zurzeit ist der Markt in verschiedene Arten von Subsystemen fragmentiert, und in vielen Fällen lässt sich schwierig entscheiden, ob die Henne oder das Ei zuerst da sein wird.Oder auf den Telematikbereich übertragen: die Gesetzgebung oder die Infrastruktur.

Ein sicheres Telematiksystem vorzuhalten, ist von entscheidender Bedeutung. Die Trends in diesen Systemen gehen dahin, einen zentralen Einstiegspunkt in das Telematik-Ökosystem zu schaffen, also ein Gateway von der Cloud zum Fahrzeug und eine Netzwerk-Infrastruktur, die alle Subsysteme im Auto miteinander verbindet. Telematik-Steuereinheiten werden sich zu höher integrierten Systemen weiterentwickeln, die mehr Verarbeitungsleistung, mehr Speicherkapazität und höhere Übertragungsraten erfordern. Zum Beispiel werden schon jetzt immer mehr Modems in die Telematik-Steuereinheiten integriert, und der Umfang der erfassten und gestreamten Daten wird ständig größer.

Fazit

Wir wissen vielleicht nicht genau, was die Zukunft für die Telematik und das vernetzte Auto bereithält. Was wir aber wissen, ist, dass die Entwicklung mit hohem Tempo vonstattengeht. Die Automobilhersteller müssen deshalb agil sein, was die Anpassung neuer Technologien angeht. In Anbetracht des Umsatzpotenzials der Infotainment-Systeme und der vernetzten Autos – vom Reiz der Herausforderung einmal ganz zu schweigen – kann man fest davon ausgehen, dass die Technologieanbieter die Messlatte für sich selbst und für die Industrie insgesamt immer höher legen werden.

* Hope Bovenzi arbeitet im Bereich Automotive Infotainment Systems bei Texas Instruments

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