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Tanken vs. Laden: 300 Kilometer genügen doch, oder?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Moderne E-Autos bieten einen Einsatzradius von rund 300 Kilometern. Klar kommen vergleichbar starke Diesel- oder Benzinmodelle mit einer Tankfüllung deutlich weiter. Doch für wen ist das ein Problem?

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Gerade ausreichend: Aktuell haben Plug-In-Hybride eine rein elektrische Reichweite von ca. 50 Kilometern. In Deutschland pendelt ein Autofahrer 25 Kilometer einfach zur Arbeitsstelle. Im Gesamtdurchschnitt fährt jeder Autofahrer sogar nur 37 Kilometer pro Tag.
Gerade ausreichend: Aktuell haben Plug-In-Hybride eine rein elektrische Reichweite von ca. 50 Kilometern. In Deutschland pendelt ein Autofahrer 25 Kilometer einfach zur Arbeitsstelle. Im Gesamtdurchschnitt fährt jeder Autofahrer sogar nur 37 Kilometer pro Tag.
(Bild: Hersteller )

Das Laden von elektrischen Akkus gehört längst zu unserem Leben. Wie der erste Kaffee am Morgen oder regelmäßiges Zähneputzen. Bestes Beispiel dafür ist das Mobiltelefon. Jeden Abend hängen wir es ans Kabel. Und komplett leer war es schon lange nicht mehr. Von Laptops, Rasierern oder Akku-Schraubern ganz zu schweigen. Überall vertrauen wir blind auf die Kraft der Batterie. Warum also nicht auch zukünftig bei der Elektromobilität?

Schließlich ist ein E-Auto spätestens nach einer Nacht an einer normalen Steckdose wieder aufgeladen. Und bis auf den letzten Kilometer wird man es ohnehin nicht leerfahren. Stattdessen wird der Akku hier und da einfach ans Kabel gehängt. So wie wir es mit dem Telefon schon heute tun.

Die öffentlichen Ladepunkte leisten in der Regel 22 Kilowatt und haben beispielsweiße einen leeren Golf-Akku nach etwa zwei Stunden wieder gefüllt.
Die öffentlichen Ladepunkte leisten in der Regel 22 Kilowatt und haben beispielsweiße einen leeren Golf-Akku nach etwa zwei Stunden wieder gefüllt.
(Bild: Hersteller )

Die heimische Ladezeit lässt sich fest installierten Ladegeräten deutlich verkürzen. Die sogenannten Wallboxen, die wie ein Elektroherd an den Dreiphasen-Wechselstrom angeschlossen werden, laden mit bis zu elf Kilowatt Leistung. Sie sind damit fünfmal schneller als eine normale Steckdose, die dauerhaft gut zwei Kilowatt liefern kann.

So braucht beispielsweise der e-Golf mit einer Kapazität von 35,8 Kilowattstunden an einer Wallbox etwa fünf Stunden für eine komplette Füllung – wohlgemerkt bei vorheriger Komplett-Entladung. Anschließend sind wieder bis zu 300 Kilometern möglich.

Anzahl der Ladesäulen wächst deutlich

Noch schneller geht es an einer der rund 7.500 öffentlichen Ladesäulen. In Ballungsräumen sprießen sie schon jetzt zahlreich aus dem Boden – oder besser – aus dem Stromnetz. Ob vor Hotels, Supermärkten, in Altstadtgassen oder Tiefgaragen – die Anzahl nimmt zu. Viele Geschäfte oder Shopping-Malls wollen mit eigenen Ladesäulen zusätzliche Kunden anlocken.

Sogar ganze Städte liefern sich inzwischen Wettbewerbe um die beste und umweltfreundlichste Ladeinfrastruktur – beispielsweise mit eigenen Solarstromtankstellen. Ob München, Essen oder Berlin – die öffentlichen Ladepunkte leisten in der Regel 22 Kilowatt und haben einen leeren Golf-Akku nach etwa zwei Stunden wieder gefüllt.

Hochleistungs-Säulen für Langstrecken

Es bleibt also nur noch das Langstrecken-Argument. Und dagegen spricht schon heute ein wachsendes Netz aus Schnell-Ladestationen, vorwiegend an Autobahnraststätten und Ausfahrtstraßen. Mit 50 Kilowatt Gleichstrom schaffen es die Hochleistungs-Säulen in nur einer Kaffeepause das E-Auto zu laden.

An vielen Punkten kann man sogar kostenlosen, subventionierten Strom beziehen. In den kommenden zwei Jahren sollen bundesweit noch weitere 5.000 dieser Schnell-Lader installiert werden. Dann dürfte es in etwa so viele öffentliche Ladesäulen wie Tankstellen in Deutschland geben. Unter den neu installierten Säulen werden auch die hochmodernen HPC-Ladepunkte zu finden sein. HPC steht für High Power Charging und beschreibt einen neuen Hochleistungs-Standard.

Ionity, das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Autobauer, will bis zum Jahr 2020 rund 400 Ladestationen an allen europäischen Hauptverkehrsachsen installieren. Dort wird dann mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung geladen. Ionity soll durch das Combined Charging System (CCS) markenübergreifende Kompatibilität mit den meisten E-Fahrzeugen der heutigen und zukünftigen Generation garantieren. Zurzeit werden die ersten Ladestellen in Deutschland, Österreich und Norwegen eröffnet.

Statistisch abgesichert

Doch abgesehen von dem dichter werdenden Ladesäulennetz, genügen 300 Kilometer Reichweite statistisch gesehen ohnehin. Im Durchschnitt pendelt ein Autofahrer nur rund 25 Kilometer zur Arbeitsstelle. Das sind 50 Kilometer am Tag. Im Gesamtdurchschnitt fährt jeder Autofahrer in Deutschland sogar nur 37 Kilometer pro Tag (13.341 Kilometer pro Jahr), wie das Kraftfahrtbundesamt ermittelte.

Für diese Strecke würden sogar kleinere Lithium-Ionen-Akkus aus Plug-In-Hybriden genügen. Exemplarisch kommt der Golf GTE mit 8,7 Kilowattstunden etwa 50 Kilometer weit. Die Batterie im e-Golf ist aber viermal größer – würde somit rein theoretisch einmal vollgeladen für eine ganze Arbeitswoche reichen. Insofern ist ein Elektroauto für die meisten Pendler schon heute genauso gut geeignet, wie ein Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb.

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