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Stau verursacht Kosten in Milliardenhöhe

| Redakteur: Thomas Kuther

Staus in deutschen Städten haben im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro verursacht – das ergab eine Studie des Verkehrsinformationsanbieters INRIX.

Stau auf der Autobahn A8 beim Autobahnkreuz München-Süd: Laut der Staubilanz 2019 des ADAC werden Staus zwar weniger, dauern aber länger.
Stau auf der Autobahn A8 beim Autobahnkreuz München-Süd: Laut der Staubilanz 2019 des ADAC werden Staus zwar weniger, dauern aber länger.
(Bild: obs/ADAC/Stefan Kiefer)

Die Verkehrssituation in deutschen Städten hat sich im vergangenen Jahr kaum verbessert – deutsche Autofahrer verbringen im bundesweiten Durchschnitt mehr als 46 Stunden im Stau. Dies ist eines der Ergebnisse der Global Traffic Scorecard des Verkehrsinformationsanbieters INRIX, die jährlich Stau- und Mobilitätstrends in mehr als 900 Städten in 43 Ländern untersucht. Am mühsamsten kommen Autofahrer in München voran – sie verloren im vergangenen Jahr insgesamt 87 Stunden in Staus. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Berlin mit 66 und Düsseldorf mit 50 Staustunden.

Auch finanziell wirkt sich der stark stockende Verkehr auf unsere Städte aus. Allein in München fielen 2019 durch den Zeitverlust Kosten in Höhe von 774 € pro Autofahrer an, das entspricht bis zu 405 Mio. € im Jahr. In Berlin belief sich die Summe auf 587 € pro Autofahrer, in Düsseldorf waren es immer noch 445 €. In den untersuchten Städten in Deutschland sind im vergangenen Jahr so Staukosten in Höhe von 2,8 Mrd. € entstanden.

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Die Traffic Scorecard untersucht das Verkehrsaufkommen deutscher Städte und ist dank einer angepassten Methodik nun noch aussagekräftiger. Während im Vorjahr der Fokus ausschließlich auf Wegen in die Stadtzentren lag, hat INRIX für die neue Scorecard die von Pendlern am stärksten befahrenen Strecken identifiziert, auch über das Stadtzentrum hinaus, und damit deutlich mehr Strecken in den Berechnungen für die Studie berücksichtigt. Zudem gibt die aktuelle Scorecard erstmals auch Auskunft darüber, inwieweit es sich für Autofahrer auf den entsprechenden Strecken lohnt, das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als Auto-Ersatz zu nutzen.

Am geringsten ist der Zeitverlust mit dem Fahrrad in München und Berlin, hier benötigen Radfahrer auf den untersuchten Strecken im Tagesdurchschnitt nur höchstens 50 Prozent Fahrtzeit mehr als Autofahrer. Fährt man mit dem Auto also circa 40 Minuten zu seinem Ziel, benötigt ein Radfahrer weniger als 20 Minuten länger dorthin. In den meisten anderen Städten sind Autofahrer zwar noch immer deutlich schneller als Radfahrer, doch fällt auch hier der Zeitverlust mit 50 bis 100 Prozent mehr Fahrzeit noch nicht überaus hoch aus. Insgesamt schneiden Bus und Bahn als Alternative für Pendler auf den von Autofahrern vielbefahrenen Strecken im Vergleich zum Fahrrad aber deutlich schlechter ab – in sieben der Top-10-Städte benötigt man mehr als doppelt so viel Fahrzeit. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass die Studie sich auf die von Autofahrern meistbefahrenen Strecken konzentriert – Strecken hingegen, auf denen Radfahrer oder öffentliche Verkehrsmittel voraussichtlich erheblich schneller sind, fallen daher nicht oder kaum ins Gewicht.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass Städte stetig weiter daran arbeiten müssen, den Wandel in der Mobilitätslandschaft voranzutreiben und den Verkehrsfluss zu optimieren – gerade vor dem Hintergrund, dass die meisten Metropolen weiterhin schnell wachsen“, sagt Trevor Reed, Transportation Analyst bei INRIX.

36 Staustunden auf Bundesstraße in Berlin

Klarer Spitzenreiter bei Deutschlands staureichsten Straßen ist Berlin –gleich drei Berliner Straßen führen die Rangliste der schlimmsten Verkehrsbrennpunkte 2019 an. Autofahrer, die regelmäßig auf der Strecke von der „Seeburger Chaussee“ bis zu „Hofjägerallee“ über die Bundesstraße 2 fahren, verspäten sich täglich bis zu neun Minuten, das sind bis zu 36 Stunden im Jahr. Auch auf der Bundesstraße 96 und der Bundesautobahn 100 ist täglich mit vielen Minuten Extra-Zeit zu rechnen. München und Hamburg sind ebenfalls mit je drei bzw. zwei stark befahrenen Straßenabschnitten im Ranking der zehn staureichsten Autostraßen vertreten, auf der B2 in München oder der „Luruper Straße“ in Hamburg verbringen Autofahrer jährlich bis zu 24 zusätzliche Stunden im Stau.

Bogotá, Rio de Janeiro und Rom staureichste Städte weltweit

Im internationalen Vergleich ist die kolumbianische Hauptstadt Bogotá die staureichste Stadt – hier steht jeder Autofahrer insgesamt 191 Stunden pro Jahr im Stau. Auf den folgenden Plätzen liegen Rio de Janeiro, Rom und Paris, wo ebenfalls sieben bis acht Tage Zeitverlust für jeden Autofahrer im Jahr anfallen. Deutschlands Stau-Hauptstadt München landet im weltweiten Vergleich nur auf Platz 47.

Die Erkenntnisse der INRIX 2019 Traffic Scorecard unterstützen Regierungen und Städte auf der ganzen Welt bei der Messung der Fortschritte bei der Verbesserung der städtischen Mobilität. Zudem helfen sie, die Auswirkungen von Ausgaben für Smart-City-Initiativen zu verfolgen.

Die Nutzung von Verkehrsdaten ist ein erster Schritt, um Verkehrsstaus besser in den Griff zu bekommen. Die Nutzung großer Datenmengen zur Schaffung intelligenter Verkehrssysteme ist der Schlüssel zur Lösung urbaner Mobilitätsprobleme. Daten und Analysen von INRIX zu Verkehr, Parken und Bevölkerungsbewegungen helfen Stadtplanern und Ingenieuren, datenbasierte Entscheidungen zu treffen, um Ausgaben zu priorisieren, die Planung zu verbessern und Kosten zu senken.

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