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Sono Motors: Schatten über dem Solarauto

| Autor/ Redakteur: Walther Wuttke / Benjamin Kirchbeck

Im April strahlte noch die Sonne über dem Münchener Start-up Sono Motors. Doch von der Zuversicht ist nicht viel geblieben. Nun erklären die Gründer per Mail, dass es „jetzt in euren Händen liegt, ob der Sion auf die Straße kommt“. Gesucht: 50 Millionen Euro bis 30. Dezember 2019.

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(Bild: Sono Motors)

Der von jugendlichen Umweltfreunden mit in die Außenhaut integrierten Solarpanelen entwickelte Sion sollte Mitte kommenden Jahres in der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan produziert werden. In den kommenden acht Jahren, so die ehrgeizigen Pläne, sollten dort 260.000 Fahrzeuge von den Bändern rollen. Geplant war eine Produktion im Zwei-Schicht-Betrieb.

In einer Mail an seine Unterstützer heißt es, dass wir „in zahlreichen Verhandlungen mit internationalen Investoren immer wieder feststellen müssen, dass sich die Ziele und Erwartungen der Investoren nicht mit unseren Zielen und Werten vereinbaren lassen“. Und: „In einer unserer jüngsten Verhandlungen kam es zu einem entscheidenden Schlüsselmoment. Wir hätten die Abwanderung unserer Technologien und Patente in Kauf nehmen müssen.“ Aus Sicht der Sono-Verantwortlichen hätte dies „das Aus für den Sion bedeutet“.

Daher, so die Mail, „haben wir uns gegen den Ausverkauf von Sono Motors entschieden“. Offensichtlich wollen die Gründer, die 74 Prozent der Unternehmensanteile halten, dennoch weitermachen und den Sion an den Start bringen. „Statt aufzugeben kämpfen wir für das, woran wir glauben und starten eine der größten Community-Funding-Kampagnen.“ Deshalb wenden sich die Gründer nun an ihre Unterstützer, denn „der klassische Weg hat nicht funktioniert“.

Um das Projekt Sion fortzusetzen, benötigt Sono Motors nach eigenen Berechnungen „50 Millionen Euro bis zum 30. Dezember 2019. Das entspricht 2.000 Reservierungen über den vollen Preis.“ Der Sion soll aktuell 25.500 Euro kosten, wenn er denn jemals in Serie geht. Ursprünglich hatten die Gründer mit rund 20.000 Euro kalkuliert und nach eigenen Angaben (Stand April) bereits 10.000 Bestellungen registriert. Die 50 Millionen Euro, so heißt es in der Mail, werden „benötigt, um in Produktionsanlagen und die Herstellung von Prototypen investieren zu können.“

Warum jetzt noch in die Entwicklung von Prototypen investiert werden muss, erklären die Verantwortlichen nicht, denn eigentlich sollte der Sion bereits Ende dieses Jahres hergestellt werden. Ob das Auto tatsächlich in Trollhättan vom Band rollen soll, wird in der Mail ebenfalls nicht klargestellt. Die Anlagen gehören zum chinesischen NEVS-Konzern, der wiederum Teil der Evergrande Health Industry Group ist, die unter anderem an dem bisher wenig erfolgreichen US-Unternehmen Faraday Future beteiligt ist, das seit Jahren vergeblich versucht, ein Elektro-Fahrzeug auf den Markt zu rollen.

Die Einigung mit NEVS (Natioanl Electric Vehicle Sweden) im April bedeutete bereits eine Produktionsverzögerung von zehn Monaten. Damals erklärte der Chief Operating Officer von Sono Motors, Thomas Hausch: „Wir sind alles anders als glücklich über diesen Verzug, doch es war uns wichtig, die Produktion mit unseren Werten umzusetzen. Mit der Verzögerung von zehn Monaten können wir sicherstellen, dass unsere Produktion über einen Zeitraum von zehn Jahren so aussieht, wie wir sie uns vorgestellt haben.“

Der Sion ist ein kompaktes E-Mobil mit in die Karosserie integrierten Solarpanelen, die eine zusätzliche Reichweite von 34 Kilometern erzeugen sollen. Als Antrieb wählten die Entwickler einen 163 PS (120 kW) starken Elektromotor, der ein Drehmoment von 290 Newtonmetern an die Vorderräder bringt und das vollwertige Kompaktmodell in weniger als neun Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt. Bei 140 km/h ist die maximale Geschwindigkeit erreicht. Als Reichweite verspricht Sono Motors 255 Kilometer (gemessen nach WLTP). Die Ladezeit liegt je nach Ladeleistung zwischen einer halben Stunde und bis zu 3,5 Stunden. Den Sion gibt es, wenn er jemals in Serie produziert werden sollte, wie bei Henry Fords T-Modell in allen Farben, sie muss nur schwarz sein.

ampnet

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