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Softbank – Der Weltherrscher der Mobilität

| Autor / Redakteur: Martin Fritz, Matthias Hohensee, Jürgen Berke, Astrid Maier, Christian Schlesiger, Lea Deuber / Benjamin Kirchbeck

Softbank-Boss Masayoshi Son will nicht weniger als die mobile Weltherrschaft.
Softbank-Boss Masayoshi Son will nicht weniger als die mobile Weltherrschaft. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Der japanische Konzern Softbank kauft sich in hohem Tempo in Mobilitätsketten ein. Gründer Masayoshi Son will so ein Monopol in der Zukunftsbranche errichten.

Expandieren kostet Geld. 3.000 Euro Bonus zahlen die Geschäftsführer Hakan Koc und Christian Bertermann jedem Mitarbeiter, der einen fähigen Ingenieur oder Produktmanager an Deutschlands erfolgreichstes Start-up Auto1 vermittelt. Immer dann, wenn sich die meist junge Belegschaft in Grüppchen zur Mittagspause durch die schwere Glastür in der Schleiermacherstraße in Berlin-Kreuzberg schiebt, werden sie in Aushängen daran erinnert. Der Onlineautohändler aus der Hauptstadt, besser bekannt unter „wirkaufendeinauto.de“, muss wachsen, immer weiter wachsen – Hauptsache, schnell.

Der Druck kommt aus Fernost. Seit Anfang des Jahres hat Auto1 einen neuen Investor. Der japanische Hightechkonzern Softbank ist über seinen Vision Fund mit 460 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen eingestiegen, hat das Start-up mit rund zweieinhalb Milliarden Euro bewertet. Dafür soll Auto1 jetzt so richtig Gas geben, „größer denken“, wie Fondschef Rajeev Misra vorgibt. „Wir wollen Auto1 in ein globales Unternehmen verwandeln.“

Wo Auto draufsteht, ist Softbank drin

Die Berliner Gebrauchtwagenplattform, die Koc und Bertermann 2012 als Zwei-Mann-Bude gegründet haben und 2017 mehr als 400.000 Autos gehandelt hat, ist das deutsche Bauteil eines gigantischen, weltumspannenden Plans. Softbank will eine globale Plattform aufbauen, die die gesamte Kette der künftigen Mobilität vereint: Fahrdienste und Apps, Anbieter autonomer Steuerungstechnik, Finanzdienstleister, Kfz-Versicherer und Autohändler. Die Vision der Japaner: Wo Auto draufsteht, ist künftig Softbank drin.

Das Unternehmen mit Sitz in Tokio will nicht weniger als die mobile Weltherrschaft. Softbank-Chef Masayoshi Son, der die Firma 1981 als Mobilfunkanbieter gegründet und es seither zum reichsten Japaner gebracht hat, spielt längst in einer Liga mit Tesla-Chef Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos. Nur ist er eben außerhalb Asiens viel unbekannter.

Die 60-jährige japanische Legende, die noch immer 21 Prozent an Softbank hält, ist besessen von der Vorstellung, dass Maschinen spätestens 2055 so intelligent sind wie Menschen. Dann, so seine Idee, werde es genauso viele Roboter wie Erwerbstätige geben. Diese „Metallarbeiter“, sagt er, würden jedem Einzelnen ein Luxusleben ermöglichen. Softbank soll sich daher an weltweit 5000 Unternehmen beteiligen, die durch ihre Innovationen „den Menschen glücklicher machen“. So, glaubt Son, werde sich die Erbsubstanz von Softbank in der Weltwirtschaft verbreiten und seine Firma die nächsten drei Jahrhunderte überstehen.

Bei seiner Mission setzt Son auf einen 93 Milliarden Dollar schweren Investmentfonds, an dem auch arabische Geldgeber und Hightechkonzerne wie Apple beteiligt sind. Damit geht er auf die Jagd nach den digitalen Zerstörern, die bisherige Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Dem Fonds gehören inzwischen führende Start-ups aus den Bereichen Onlinehandel, Biotechnologie, Logistik und Finanzdienstleistung, aber auch Anteile am Büroflächenvermieter WeWork.

Zukunftswette Roboterauto

Von 5000 Beteiligungen ist man zwar noch weit entfernt. Aber die Zahl wächst – und hat ein klares Ziel. Der Großteil der 48 Milliarden Dollar, die der Vision-Fonds seit Anfang 2017 in 35 Unternehmen investiert hat, fließt in die Mobilität. So gehören dem Techkonglomerat inzwischen Anteile an allen vier führenden Anbietern von Fahrdiensten. Im Januar dieses Jahres investierte man neun Milliarden Dollar in das US-Unternehmen Uber, das die Taxibranche umkrempelt. Mehr als doppelt so viel Geld steckte Softbank bereits zwei Jahre zuvor in den chinesischen Wettbewerber Didi. Auch in die asiatischen Pendants Grab aus Singapur und Ola aus Indien hat Softbank Milliarden gesteckt. Damit hat Son schon heute bei Hunderten von Millionen vermittelter Fahrten seine Hand im Spiel.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona kommt Rajeev Misra im Februar auf die Bühne. Er ist der Star der wichtigen IT-Messe in der spanischen Metropole. Misra verwaltet den Vision Fund. 45 Milliarden Dollar stammen von Saudi-Arabiens neuem Kronprinzen Mohammed bin Salman, 15 Milliarden Dollar vom Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi. Softbank selbst steuert mit 28 Milliarden Dollar etwas mehr als ein Viertel bei. Doch nur die Japaner profitieren von den Wertsteigerungen. Die übrigen Fondsinhaber erhalten Dividenden für ihre Vorzugsaktien.

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Weltherrschaftsphantasien gebündelt mit einem Plot, der aus einem (sehr) schlechten 007-Film...  lesen
posted am 18.04.2018 um 08:05 von Unregistriert


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