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Smart Mobility Services – Warum Mobilität quer gedacht werden muss

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Mobilitätskonzepte und -visionen belegen die Dynamik einer ganzen Branche.
Mobilitätskonzepte und -visionen belegen die Dynamik einer ganzen Branche. (Bild: Daimler)

Im Appell an die Digital-, Fahrzeug- und Verkehrstechnik werden Lösungen gesucht, die drei Dinge erfüllen sollten: Reisezeiten verkürzen, Effizienz steigern und dem Nutzer ein bequemes Reiseerlebnis bieten. Doch dafür muss die Mobilität nicht nur neu, sondern quer gedacht werden – im Schulterschluss von Gesellschaft, Verwaltung und Unternehmen.

Eine Prognose von Audi deutet an, dass im Jahr 2030 voraussichtlich 60 Prozent der Menschen in Ballungsräumen mit mehr als acht Millionen Einwohnern leben werden – ohne neue Ideen für Mobilität droht diesen Megacities der Kollaps. Neue Ideen sind auf dem Weg der Erprobung und eröffnen für Dienstleistungen Smart Mobility Services neue Chancen, die allesamt unter den Schlagworten Smart Parking, Trip Planning, Micro Mobility, Car Pooling, Car Sharing und Ride Hailing bekannt sind.

Aktuelles Beispiel für eine von Verkehrsproblemen geplagte Stadt ist Somerville im Ballungsraum Boston, das das pilotierte Parken probt. Vor dem Parkgebäude steigt der Fahrer aus und das Auto fährt anschließend autonom zu freien Flächen. Vorteil ist, dass die Fahrzeuge dann enger parken und Aufzüge und Treppen redundant sind. Der Platzgewinn im Stadtteil Assembly Row wäre enorm, denn laut Audi lassen bis zu 80 Prozent der Fläche gegenüber herkömmlichen Konzepten einsparen. Selbst im Parkhaus in Somerville, das konventionelle und selbstparkende Autos gemischt nutzen werden, sparen die Betreiber mehr als ein Viertel der Fläche ein. Summa summarum ergeben sich für neue Wohnungen, Büros und Einkaufsmöglichkeiten völlig neue Perspektiven.

Auf der Bayern-Innovativ-Veranstaltung "Mobilität querdenken" diskutierten Experten aus allen Bereichen des Mobilitätssektors.
Auf der Bayern-Innovativ-Veranstaltung "Mobilität querdenken" diskutierten Experten aus allen Bereichen des Mobilitätssektors. (Bild: Bayern Innovativ)

Duett komplett – Fahrzeuge und Verkehrsinfrastruktur

Mobilität als ein Schlüsselfaktor für die moderne Gesellschaft: in der Stadt sind die Bedürfnisse nach höherer Verkehrssicherheit, flüssigerem Verkehr und ökologischer Nachhaltigkeit immer ein Thema. Eine Lösung bieten innovative Informations- und Kommunikationstechnologien, die die Optimierung bestehender Verkehrsinfrastrukturen begünstigen und zugleich die Grundlage für neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing, teil- oder vollautonome Fahrzeuge und den Transport mit verschiedenen Verkehrsmitteln bieten.

Heutige Anwendungen dieser Technologien heißen Smart Mobility Services. Basis ihrer Grundlage sind verteilte Daten aus verschiedenen Quellen wie beispielsweise Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel sowie umgebungsbedingte, hochdynamische Informationen. Die Reaktionszeit der Dienstleistung ist entscheidend, denn direkte Anfragen ihrer Nutzer werden schnell beantwortet, so dass sich nützliche Entscheidungen in Bezug auf das Mobilitätsverhalten treffen lassen. Für den Reisenden sind das Annehmlichkeiten, die die Wahl der Verkehrsmittel, die individuelle Fahrweise oder die Entscheidung für Carsharing- und Elektrofahrzeuge erleichtern. In Bezug auf eine nahtlosere, ökonomischere und nachhaltigere Mobilität in einer Stadt der Zukunft tragen diese Smart Mobility Services dazu bei, die Faktoren Komfort, Geschwindigkeit und Prognose zu begünstigen.

Kreative Smart Mobility Services

Auf der Veranstaltung „Mobilität querdenken“ des Clusters Automotive von Bayern Innovativ wurden diverse Mobiltätsideen und Dienstleistungen vorgestellt, die einen aktuellen Entwicklungsstand von Smart Mobility Services und zudem Tendenzen und Trends in der Mobilität abbilden. Derzeit sind Konzepte in der Umsetzung, die den Dienstleistungsstatus in der Praxis verifizieren und auch neue Verkehrskonzepte ergänzen wie auch anregen. Demnach ist es nicht mehr die autogerechte Stadt, sondern andersrum – die Stadt prägt das Auto. Smart City und Mobilität müssen zusammen gedacht werden. Das Umdenken für urbane Innovationen und der Austausch und die Analyse von Daten sind ein Schlüssel dafür. Eine intelligente Mobilität entsteht dann erst, wenn Auto und Stadt eine verkehrsübergreifende Koordination erfahren, die zu einer besseren Interoperabilität der eingesetzten Systeme führt.

Laut Lisa Füting von Audi Business Innovation ist der Perspektivenwechsel interessant, dass das Fahrzeug nicht mehr wie bisher das Produkt, sondern nun der Träger der Services ist. Innovative Mobility Services über das Medium Auto verschaffen in der Vernetzung dem Fahrer mehr individuelle Mobilität. In der Konsequenz zählt für die Lebensqualität vielmehr das mobile Erlebnis mit dem Automobil anstatt der ursprünglichen Autofahrt selbst. Passend dazu sind die Initiativen in Somerville, die urbane Strategie mit Technologien für Schwarmintelligenz oder pilotiertes Parken zu verknüpfen und Autos mit Ampeln zu vernetzen.

Architektonische Lösungen machen es vor

Lösungen für aktuelle Verkehrsprobleme sieht Lorenz Siegel, Landschaftsarchitekt der Stadtplanungsagentur Copenhagenize, in der Etablierung einer Fahrradkultur. Verkehrstechnisch ist das Fahrrad ein Effektivitätsmonster, dem in den vergangenen Jahren konsequent Hauptverkehrsachsen in Kopenhagen zugesprochen wurden. Mittlerweile hat sich eine eigene, dezidierte und vor allem sichere Rad-Infrastruktur gebildet, die quantitativ Menschenmengen individuell und effizient bewegt. Auf einer der wichtigsten Kreuzungen im Stadtgebiet ist je eine Fahrspur in jede Richtung für Fahrzeuge geöffnet, jeweils eine eigene Spur gehört dem Fahrrad. Aufgrund der Einsparung von sozioökonomischen Kosten, Emissionen und Wartungsaufwand haben sich die neuen Radwege schneller als gedacht amortisiert.

In die vertikale Richtung geht das Mobilitätskonzept der sogenannten CentAirStations. Das Forschungsinstitut Bauhaus Luftfahrt beschäftigt sich mit innerstädtischen Flughäfen am Standort eines Bahnhofs. Die Verkettung von Luft und Schiene braucht lärmarme, sichere und kurzstartfähige Flugzeugtypen namens CityBird, jedoch sind die Zeitersparnisse enorm verglichen zu der heutigen Reisezeit, in der man von Metropole zu Metropole reist. Laut Jennifer Reinz-Zettler, Projektmanagerin Mobilität beim Cluster Automotive, ist es besonders beim Thema Intelligente Mobilität, wichtig über Branchen- und Technologiegrenzen hinwegzudenken, um gemeinsam mit den verschiedenen Playern im Mobilitätsökosystem solche neuen Denk- und Handlungsansätze zu entwickeln

Ein Augmented Reality Mobilitätsagent

Genau nach Plan läuft es bei Reisen nur sehr selten. In Zeiten individueller Mobilitätsketten zeigt der virtuelle Begleiter RadAR+, wie und wo man die Anschlüsse bekommt, die einem das Ziel näherbringt. Unpünktlichkeit und der Wechsel von Verkehrsmitteln, z.B. der Umstieg zwischen Bus und Bahn oder zum Flugzeug, rufen einen Agenten auf den Plan, der hilft, die Reise angenehmer zu gestalten. Beim Event „Mobilität querdenken“ kamen diverse Smart Mobility Services zur Diskussion, die die Möglichkeiten dieses digitalen Mobilitätsagenten über Branchen und Technologiegrenzen hinweg vorstellen und abwägen.

Im Ersten Quartal 2019 startet der RadAR+ (Reiseassistenzsystem für dynamische Umgebungen auf Basis von Augmented Reality) Demonstrator im Feldtest in Frankfurt am Main. Eine festgelegte Teststrecke führt vom Hauptbahnhof bis zum Flughafen. Das vom BMBF geförderte Vorhaben soll Reisende beim effizienten Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln unterstützen. Denn im Auto haben wir uns an eine Tür-zu-Tür Navigation gewöhnt, doch im ÖV bzw. beim Umstieg vom ÖV auf Flüge oder andere Verkehrsmittel geraten aktuell verfügbare technische Begleit-Lösungen schnell an ihre Grenzen. Zusätzlich sorgt die Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel unmittelbar für eine Zunahme der Komplexität der Reise.

Ziele einer Reiseassistenz sind neben einer auf die Anforderungen des Nutzers optimierten Reiseplanung auch die Reisebegleitung, d.h. die mobile Navigation zum ÖPV sowie in Gebäuden. Für die Navigation werden Ein- und Überblendung von Informationen in das periphere Sichtfeld des Nutzers über eine Datendurchsichtbrille realisiert (Augmented Reality), während ein Sprachinteraktionsmodul eine weitgehend freihändige Bedienung des Systems ermöglicht.

Mobilität quergedacht

Mit Themen wie RadAR+ gewinnt die Mobilität an Werten, die gesellschaftlich gesehen direkten Nutzen stiftet. Hier öffnet der virtuelle Reiseassistent das Visier noch weiter für Digitalisierung, Flexibilität und eben Mobilität. Je komplexer eine Reisekette wird, umso relevanter ist eine einfache und effiziente Unterstützung des Reisenden – Möglichkeiten durch AR-Navigation, modernisierter Reisebegleitung, sowie adaptiv lernende Reiseassistenzsysteme ergeben weitere Potentiale, um sich dieser Herausforderung zeitgemäß zu stellen.

Heute muss eine intelligente Mobilität mobilitätsrelevante Daten von Mobilitätsteilnehmern erfassen und verwenden. Nutzer, Verkehrsmittel und Infrastrukturen sind vernetzt, so dass Informationen austauschbar sind. In der Konsequenz können Verkehrsflüsse und Mobilitätsverhalten in einem Gesamtsystem inter-/multimodal gesteuert werden. So lautet die Quintessenz von „Mobilität querdenken“, die Jerrit Siegmund, Digital Strategic Consultant bei TLGG Consulting äußert. Die Digitalisierung ist der Treiber im Ökosystem der Mobilität. Als Appell formuliert er, jetzt unsere Muster zu hinterfragen und mutig handeln, um so Mobilität aktiv zu gestalten, bevor es andere tun. Denn die Zukunft der Mobilität gehört einer flexiblen Kombination verschiedener Verkehrsmittel.

Smart Mobility Services am 12.03.2019 bei der CoSMoS

Das Thema Smart Mobility Services wird auch im Jahr 2019 weiter vorangetrieben. Die gemeinsam vom Cluster Automotive und der Technischen Hochschule Ingolstadt konzipierte Conference on Smart Mobility Services (CoSMoS) zeigt am 12. März 2019 innovative Lösungen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Alle Details und Vorabinformationen finden Sie auf der Seite von Bayern Innovativ.

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