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Seenotrettung: Neuartiges Schiffsradar soll Menschen vor dem Ertrinken retten

| Redakteur: Hendrik Härter

Next Generation Schiffsradare: Das harmonische Radar SEERAD soll in Zukunft Tags in Rettungswesten detektieren und Schiffbrüchige zuverlässig orten.
Next Generation Schiffsradare: Das harmonische Radar SEERAD soll in Zukunft Tags in Rettungswesten detektieren und Schiffbrüchige zuverlässig orten. (Bild: Fraunhofer FHR)

Schiffbrüchige Personen konnten bisher nur mit hohen Kosten im Meer aufgespürt werden. Mit einem auf harmonischem Radar basierten Seenotrettungs-System steht eine kostengünstigere Variante bereit.

Bei der Seenotrettung kommt es auf Schnelligkeit an. Allerdings konnte sich bisher wegen der hohen Kosten von teils mehr als 300 Euro pro Person kein kommerziell verfügbares elektronisches Ortungs- und Funk-System flächendeckend durchsetzen. Statt von jedem Besatzungsmitglied ständig mitgeführt zu werden, sind einzelne Geräte auf dem Schiff verteilt, die einer über Bord gegangenen Person hinterher geworfen werden können.

Das hat einen entscheidenden Nachteil: Der Unfall muss direkt bemerkt werden. Selbst dann können Reaktionszeiten, lange Brems- und Umkehrwege und die unterschiedliche Drift von Person und Rettungsmittel das Wiederfinden unmöglich machen. Bei großen Containerschiffen mit wenig Besatzung verschärft sich die Lage, weil hier häufig viel zu spät, beim Schichtwechsel oder den Mahlzeiten, bemerkt wird, dass jemand fehlt.

Harmonisches Radar zur Seenotrettung

Elektronisch gesteuerte Gruppenantennen vom Fraunhofer FHR sorgen für eine verbesserte Detektionsgenauigkeit künftiger Schiffsnavigationsradare
Elektronisch gesteuerte Gruppenantennen vom Fraunhofer FHR sorgen für eine verbesserte Detektionsgenauigkeit künftiger Schiffsnavigationsradare (Bild: Fraunhofer FHR)

Abhilfe verspricht ein auf harmonischem Radar basierendes Seenotrettungs-System, das in Kooperation mit dem Fraunhofer FHR, der FH Aachen und der Raytheon Anschütz GmbH entwickelt wurde. Ein herkömmliches Schiffsradar kann kleine Objekte auf See mit zunehmendem Wellengang nur schlecht bis gar nicht erkennen, da sich deren Reflexionen kaum von denen der unebenen Wasseroberfläche unterscheiden. Deshalb setzen die Entwickler auf scheckkartengroße Transponder, den sogenannten Tags. Diese werden in Schwimmwesten, Rettungsmittel oder Wassersportausrüstung integriert. Die Tags strahlen das Signal des Schiffsradars mit doppelter Frequenz zurück.

Eine Erweiterung künftiger Schiffsradare um ein harmonisches Radarmodul, das im S-Band sendet und zusätzlich bei doppelter Frequenz im C-Band empfängt, kann die reflektierten Signale eindeutig registrieren und so ins Wasser gestürzte Personen zuverlässig orten. Die Reichweite des Systems wird bei bis zu einem Kilometer mit rein passiven Reflektoren (ohne Batterie) bis hin zu deutlich mehr als zehn Kilometern mit aktiven, von einer durch Wasser aktivierbaren Batterie betriebenen Transpondern liegen.

Diese Tags lassen sich zu Preisen von unter zehn Euro pro Stück produzieren. Die kompakte Größe und der geringe Preis der Tags ermöglichen ihren massenhaften Einsatz, bei dem jeder an Bord ein solches Tag dauerhaft bei sich tragen kann, und damit ein flächendeckendes Seenotrettungssystem.

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