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Angemerkt

Schöne neue Versicherungs-Welt – mit Big Brother an Bord

| Autor: Thomas Kuther

Wer Auto fährt, setzt sich einem gewissen Unfallrisiko aus, das von vielen Faktoren abhängt. Das Fahrverhalten beeinflusst aktueller Studien zufolge dabei das individuelle Schadensrisiko deutlich stärker als bislang genutzte Daten wie Alter, Fahrleistung oder Region.

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Thomas Kuther, Redakteur: „Je smarter unser Home wird, umso problematischer wird der Ausfall eines X2- oder Y2-Kondensators.“
Thomas Kuther, Redakteur: „Je smarter unser Home wird, umso problematischer wird der Ausfall eines X2- oder Y2-Kondensators.“
( ELEKTRONIKPRAXIS)

Logisch, dass es deshalb für Autoversicherer reizvoll wäre, das Fahrverhalten des Autofahrers in eine individuelle Tarifermittlung einfließen zu lassen. So weit die Theorie.

Nun aber droht die Praxis: Der o2-Netzbetreiber Telefónica Deutschland hat kürzlich seine Telematik-Lösung Telefónica Insurance Telematics vorgestellt, die Autoversicherern eine solche detaillierte und risikobasierte Tarifbewertung ermöglichen soll. Dazu wird ins Auto ein Modul eingebaut, das etwa Geschwindigkeitsüberschreitungen, Bremsverhalten oder Nachtfahrten erfasst – und die Daten via Mobilfunk an die Versicherungsgesellschaft überträgt.

„Die Versicherer haben damit ein Ass im Ärmel“, so Markus Haas, Strategie-Vorstand von Telefónica Deutschland, „um sich im hart umkämpften Markt zu bewähren und maßgeschneiderte Tarife anzubieten.“ Das bereits mit der Versicherungsgruppe Generali in Spanien eingesetzte System steht nun auch in Deutschland zur Verfügung, wo Telefónica bereits mit einer Reihe von großen Versicherungen zusammenarbeitet.

Was zunächst positiv klingt, lässt bei näherer Betrachtung Aldous Huxleys schöne neue Welt und George Orwells Big Brother zu netten Gute-Nacht-Geschichten verblassen! Denn auch wenn das Angebot für den Autofahrer freiwillig ist, werden eine Vielzahl von Daten erhoben, gespeichert und ausgewertet. Zurückgelegte Strecken, Geschwindigkeit und Verkehrsverstöße lassen sich lückenlos rekonstruieren.

Je nach Prämiengestaltung kann die Freiwilligkeit durchaus auch zum ökonomischen Zwang werden – und wenn Behörden auf die Daten zugreifen dürften, ließen sich mithilfe der gespeicherten Verkehrsverstöße auch öffentliche Kassen wieder füllen ...

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