Suchen

Samsung drängt mit aller Macht auf den Automotive-Markt

| Redakteur: Michael Eckstein

Mit seinen ExynosAuto-Chips bringt Samsung SoCs auf den Markt, die speziell auf Automotive-Applikationen zugeschnitten sind. Das integrierte LTE-Modem dürfte Qualcomm zum Schwitzen bringen.

Firma zum Thema

Hochspezialisiert: Mit seinen ExynosAuto-Lösungen will Samsungs den Markt für Automotive-Applikationsprozessoren aufmischen.
Hochspezialisiert: Mit seinen ExynosAuto-Lösungen will Samsungs den Markt für Automotive-Applikationsprozessoren aufmischen.
(Bild: Samsung Electronics )

Der größte Halbleiterproduzent legt den nächsten Gang ein und bringt eine auf Automobilanwendungen ausgerichtete Chip-Familie auf den Markt: ExynosAuto. Samsung fertigt die ExynosAuto-Chips als System-on-a-Chip (SoC) oder System-in-Package-(SiP)-Module im aktuellen FinFET-Process mit Strukturbreiten von 10 beziehungsweise 14 nm.

Das koreanische IT-Nachrichtenmagazin etnews will zudem erfahren haben, dass Audi als einer der ersten Kunden die Chips einsetzen will. Das würde wenig überraschen, schließlich nutzt der deutsche Premium-Autohersteller bereits die bisherigen Exynos-Chips.

Mit diesem Schritt wird der weltgrößte Chip-Produzent noch präsenter in einen Wachstumsmarkt, indem bereits heute bedeutende Unternehmen um Marktanteile ringen – darunter Car-Chip-Spezialisten wie NXP, Renesas, Infineon, aber auch PC-Schwergewicht Intel und Mobile-Modem-Spezialist Qualcomm. Der Konkurrenzkampf im Automotive-Halbleitermarkt wird dadurch weiter angeheizt.

Samsung beherrscht Large Scale Integration

Samsung kann auf viel Erfahrung im Chip-Design beispielsweise für Smartphone-ICs zurückgreifen. Zudem verfügt das Unternehmen über umfassende Fertigungskapazität und -kompetenz und beherrscht die „System Large Scale Integration“ (System-LSI), also das Integrieren vieler Funktionsgruppen auf einem Substrat.

Im Markt für Applikations-Prozessoren für Smartphones besetzen die Koreaner bereits heute eine starke Position. Ohne Frage beobachtet der Chip-Multi den vielversprechenden, aufstrebenden Automobilmarkt seit langem ganz genau. Daher dürfte der Einstieg niemanden überraschen.

Markenname „Exynos“ steht für Applikationsprozessoren

Laut etnews war der „Device Solution“-Geschäftsbereich von Samsung für die Entwicklung des Automotive-Applikationsprozessors ExynosAuto verantwortlich. Damit hat Samsung die ursprünglich für Smartphones und Tablets entwickelten und 2011 unter dem Markennamen „Exynos“ zusammengefassten Applikations-Prozessoren um ein Anwendungsgebiet erweitern. Die Massenproduktion soll laut etnews etwa Ende 2018 starten. Samsung selbst macht dazu keine Angaben.

Im Gegensatz zu Smartphone-Chips müssen ICs für den Automotivebereich wesentlich robuster ausgelegt sein und hohe Sicherheits- und Security-Standards erfüllen. Dazu zählt etwa ASIL (Automotive Safety Integrity Level) B aus der der ISO-Norm 26262. Laut etnews soll ExynosAuto primär für Infotainmentsysteme, digitale Instrumentenkonsolen und Head Up Displays (HUD) eingesetzt werden, weshalb ASIL B ausreichen würde.

Ergänzung für DRVLINE-Plattform: Autonomes Fahren im Blick

ExynosAuto ergänzt Samsungs auf der CES 2018 vorgestellte DRVLINE-Plattform – eine offene und modulare Plattform, die in der Zukunft autonomes Fahren bis zum höchsten Automatisierungsgrad 5 ermöglichen soll. Samsungs Exynos-Applikationsprozessoren verfügen über NPU-Einheiten (Neural Processing Unit). Diese können Deep-Learning-Algorithmen berechnen und beispielsweise von Bildsensoren gelieferte Signale schnell analysieren.

Laut Angaben von Samsung verfügt ExynosAuto neben CPU, leistungsfähiger GPU und 2G/3G-Funk auch über ein LTE-Modem, das breitbandige Anbindungen mit Carrier-Aggregation und MIMO-Antennentechnik unterstützt. Damit eignen sich die Bausteine sehr gut für Car2X-Anwendungen, die eine ständige, zuverlässige Vernetzung des Autos mit seinem Umfeld voraussetzen.

Samsung ist zudem überzeugt, dass ExynosAuto bei 5G im Auto eine führende Rolle einnehmen wird. Damit positionieren sich die Koreaner klar gegen Qualcomm. Zum Beispiel hat der deutsche Premium-Autobauer Audi bislang überwiegend Qualcomm-Modems in seine Karossen eingebaut. Bereits seit Anfang 2017 setzt Audi Exynos-SoCs für den Aufbau von Infotainment-Systeme ein. Der Einsatz weiterer Applikationsprozessoren aus dem Samsung-Ökosystem wäre da nur konsequent.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45143701)