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Ride-Pooling und seine Bedeutung für den urbanen Verkehr

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

In Deutschland wird intensiv über neue Verkehrsangebote auf digitalen Plattformen diskutiert. Doch haben Ride-Pooling-Dienste tatsächlich das Potenzial die Zahl der Fahrzeuge, die gefahrenen Kilometer und die ausgestoßene Menge an Schadstoffen in Städten zu reduzieren?

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Ride-Pooling-Dienste, die auf einer digitalen Plattform Fahrten für mehrere Gäste anbieten, werden zu einem großen Teil von jungen Menschen als „Tür-zu-Tür“-Ergänzung zu Bus und Bahn genutzt.
Ride-Pooling-Dienste, die auf einer digitalen Plattform Fahrten für mehrere Gäste anbieten, werden zu einem großen Teil von jungen Menschen als „Tür-zu-Tür“-Ergänzung zu Bus und Bahn genutzt.
(Bild: CleverShuttle)

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) bekam als erste öffentliche Forschungseinrichtung Zugang zu Fahrgastdaten des elektrischen Ridesharing-Anbieters CleverShuttle und konnte diese in vier deutschen Großstädten für ein Jahr analysieren. Zudem befragten die Forscher über 3.500 Nutzer zu ihren Fahrgewohnheiten und zur Bewertung des Angebots.

Die Fahrzeuge von CleverShuttle beförderten im Jahr 2019 mehr als 1,8 Millionen Menschen in Berlin, München, Leipzig und Dresden. Anders als bei Fahrten mit dem Taxi oder dem kalifornischen Unternehmen Uber werden bei CleverShuttle bei ungefähr der Hälfte der Fahrten weitere Fahrgäste hinzugebucht, die sich ein Fahrzeug teilen. In den Nachtstunden steigt der durchschnittliche Anteil der geteilten Fahrten auf bis zu 65 Prozent.

Rund die Hälfe der Kunden von CleverShuttle ist zwischen 20 und 34 Jahre alt ist und nimmt den Dienst mehrmals im Monat in Anspruch. Mehr als 30 Prozent aller Nutzer besitzen dabei gar keinen Führerschein und 35 Prozent haben keinen Zugriff auf ein privates Fahrzeug. Die Mehrzahl aller Fahrten (ca. 60 Prozent) dient Freizeitzwecken, rund 25 Prozent sind Fahrten zur Arbeit oder haben einen geschäftlichen Anlass. Als Vorteile nennt knapp die Hälfte der Nutzenden den niedrigen Preis und den „Tür zu Tür“-Service.

Dass der Transport oft mit anderen Menschen geteilt werden muss, finden knapp 60 Prozent der Befragten „positiv“ oder sogar „sehr positiv“. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gab an, dass sie Busse und Bahnen genutzt hätten, gäbe es nicht das Angebot des Ride-Poolings. Jeder Zehnte hätten statt CleverShuttle den privaten PKW genutzt. Immerhin eine von zehn Fahrten mit dem Anbieter ersetzt also bereits eine Fahrt mit dem eigenen Auto, obwohl die Zahl der Fahrzeuge durch behördliche Auflagen immer noch eng begrenzt ist.

Perspektivisch können sich rund 45 Prozent der Befragten mit eigenem Fahrzeug im Haushalt vorstellen, dass ein Ride-Pooling-Anbieter (in diesem Fall CleverShuttle) das eigene Auto ersetzen könnte. „Das Potenzial der Ride-Pooling-Dienste für die Verkehrswende liegt insbesondere darin, dass sie den öffentlichen Verkehr durch einen Tür-zu-Tür-Baustein ergänzen, selbst wenn sie einige Fahrten mit dem ÖPNV ersetzen“, sagt Andreas Knie, Autor der Studie. Hierfür müssten jedoch die gesetzlichen Voraussetzungen für Ride-Pooling-Dienste gelockert und von den Kommunen koordiniert werden.

Bislang sind die Ride-Pooling-Angebote nur als Ausnahmen mit starken Beschränkungen zugelassen. Die Dienste benötigen nach Ansicht der Forscher zudem eine wesentlich höhere Flottenzahl, um die gewünschten Flächen in den Städten angemessen bedienen zu können. Dabei könnten Ride-Pooling-Dienste regulatorisch klar von herkömmlichen Taxis getrennt werden: Zwar zahlen die Kunden maximal zwei Drittel des vergleichbaren Taxifahrpreises, dafür müssen sie aber in der Regel die Fahrt mit anderen Fahrgästen teilen und Umwege in Kauf nehmen. Eine wesentliche Einschränkung für den Dienst ist zudem die vorgeschriebene Rückkehrpflicht: Nach jedem ausgeführten Auftrag müssen die Fahrzeuge wieder zurück in den Betriebssitz, was zu längeren Anfahrts- und Rückkehrwegen ohne Fahrgäste führt. Die komplette Studie können Sie hier einsehen.

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