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Produktionsstopp in der Automobilindustrie wegen Coronavirus

| Redakteur: Julia Schmidt

Nach vereinzelten Infektionen von Mitarbeitern mit dem Covid-19-Erreger macht VW die Produktion vielerorts dicht. Auch bei Renault, PSA oder dem Fiat-Chrysler-Konzern stehen zahlreiche Fabriken still. An der Grenze zwischen Italien und Österreich droht zudem die Abwicklung des Warenverkehrs bis zu drei Tage zu dauern.

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Der VW-Konzern will die Produktion vorübergehend aussetzen.
Der VW-Konzern will die Produktion vorübergehend aussetzen.
(Bild: VW)

Der VW-Konzern will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorübergehend aussetzen. An den allermeisten Standorten solle an diesem Freitag (20. März) die letzte Schicht laufen, hieß es am Dienstag (17.3.) aus dem Betriebsrat in Wolfsburg. In den vergangenen Tagen hatte es auch in deutschen Werken erste bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 gegeben. Der Betriebsrat beriet nun mit dem Vorstand über die Lage. Aus Sicht der Mitarbeitervertreter reicht die beschlossene Unterbrechung der Fertigung bisher aber nicht aus.

„Im Vordergrund stand die Situation der Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich, wo auf den Montagelinien Schulter an Schulter an unseren Fahrzeugen gearbeitet wird“, hieß es. Das Robert-Koch-Institut empfehle jedoch etwa Mindestabstände, die an den einzelnen Arbeitsstationen nicht einzuhalten seien. „Wir dringen hier auf verbindliche Ansagen“, erklärte der Betriebsrat in Richtung Management.

Zwei Wochen Unterbrechung

Welche Folgen der Schritt für die Produktion beim größten Autohersteller der Welt hat und wie lange die Maßnahme anhält, war zunächst unklar. VW-Chef Herbert Diess sagte, viele Standorte richteten sich auf zwei Wochen Unterbrechung ein. Die deutschen VW-Standorte waren nach jüngsten Angaben des Konzerns bisher nur von relativ wenigen nachgewiesenen Sars-Cov-2-Infektionen betroffen. Am vergangenen Wochenende waren Fälle im Werk Baunatal bei Kassel sowie im Stammwerk Wolfsburg bekannt geworden.

Den betreffenden Beschäftigten soll es jüngsten Angaben zufolge gut gehen, sie sind in häuslicher Quarantäne. VW hatte zuletzt etwa Hygiene- und Abstandsvorschriften verschärft, auch Kantinen sollten geschlossen werden. Dienstreisen wurden eingeschränkt, größere Versammlungen verschoben.

Vorstand und Betriebsrat hatten sich kürzlich an die Belegschaft gewandt. „Uns ist klar, dass wir auch bei Volkswagen mit Fällen von Corona rechnen müssen“, hieß es in einem Brief an die Mitarbeiter. „Es geht aber darum, die Ausbreitung einzudämmen. Denn so schützen wir die Schwachen in der Gesellschaft: unsere Eltern und Großeltern, Lungenkranke, Asthmatiker und alle anderen Risikopersonen.“

Der größte deutsche Industriekonzern hat weltweit mehr als 670 000 Beschäftigte, auch in vielen anderen Ländern gelten inzwischen erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Bisher waren die Lieferketten nach offiziellen Angaben nicht nennenswert unterbrochen oder gefährdet.

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausbrach und Volkswagen zeitweilig auch schon Fabriken schließen musste, entspannte sich die Lage zuletzt wieder etwas. Im Februar waren die Verkäufe in der Volksrepublik abgestürzt: Sie sanken im wichtigsten Einzelmarkt im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel. Der Effekt war maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch bei globaler Betrachtung ein erhebliches Minus um 24,6 Prozent in der Absatzstatistik stand.

Opel schließt unter anderem Rüsselsheim und Eisenach

Auch der Opel-Mutterkonzern PSA schließt wegen der Covid-19-Pandemie in den kommenden Tagen 15 Autofabriken in Europa. In Deutschland sind ab dem heutigen Dienstag die Standorte Rüsselsheim und Eisenach betroffen, teilte der Hersteller gestern in Rueil-Malmaison bei Paris mit. Die Schließungen sollen bis zum 27. März dauern.

PSA führte als Gründe Unterbrechungen in der Zulieferkette und einen deutlichen Rückgang auf den Automobilmärkten an. Betroffen sind auch Standorte in Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und in der Slowakei.

Auch der ohnehin kriselnde PSA-Rivale Renault stoppt seine Produktion in Frankreich. Davon seien zwölf Werke mit 18.000 Mitarbeitern betroffen, teilte der Konzern mit.

Audi kämpft mit Nachschubproblemen

Auch bei Audi macht sich die Ausbreitung von Sars-CoV-2 bemerkbar. In Brüssel stand vorübergehend die Produktion still, weil Mitarbeite aus Sorge um Virenschutz vorrübergehend die Arbeit niedergelegt hatten, meldet die FAZ. Zwar konnten die Bedenken in Gesrpächen zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaft mittlerweile ausgeräumt werden, meldete ein Sprecher des Unternehmens. Dennoch bekommt der Konzern die Folgen der aktuellen weltweiten Krise zu spüren: Aufgrund der Lage in China kämpft Audi seit Monaten mit Nachschubproblemen um Batteriekomponenten, die besonders für die Elektro-LKW-Reihe E-Tron benötigt werden.

Produktionsstopp auch in europäischen Fabriken von Fiat Chrysler und bei Ferrari

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) schließt wegen des Ausbruchs des Coronavirus vorübergehend die meisten Werke in Europa. Davon ist auch die Maserati-Produktion betroffen. In Italien gelte der Beschluss zunächst bis Ende März für sechs Produktionsstätten (Melfi, G. Vico/Pomigliano, Cassino, Carrozzerie Mirafiori, Grugliasco und Modena), in Serbien (Kragujevac) und Polen (Tychy) für jeweils eine, teilte der Autobauer am Montag mit. Damit reagiere die Firma auf die sinkende Nachfrage.

FCA habe auch Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um die Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 einzudämmen. So seien unter anderem Abstände zwischen Arbeitsplätzen vergrößert und Desinfektionsmittel bereitgestellt worden.

Auch Maserati-Konkurrent Ferrari hat bekannt gegeben, wegen des Coronavirus-Ausbruchs für zwei Wochen seine beiden Werke zu schließen. Das Unternehmen hatte ursprünglich versucht, die Fabriken am Laufen zu halten, doch nun ließen „die ersten ernsthaften Probleme in der Lieferkette“ eine weitere Produktion nicht mehr zu, teilte Ferrari in einer Erklärung am Samstag mit. Die Werke in Maranello und Modena würden daher ebenfalls bis zum 27. März geschlossen bleiben.

Auch die für die Formel-1 zuständige Scuderia Ferrari habe den Betrieb eingestellt. Die Entscheidung wurde „aus Respekt“ und für den „Seelenfrieden“ der Arbeiter und Zulieferer von Ferrari getroffen, sagte der Vorstandsvorsitzende Louis Camilleri.ebenfalls.

Einzig an BMW scheint die aktuelle Problematik weitgehend ohne nennenswerte Auswirkungen vorüberzuziehen. „Es gibt derzeit keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in unserer Lieferkette“, teilte ein Sprecher des Unternehmens der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit. Auch die Frage von Kurzarbeit stelle sich für BMW derzeit nicht.

Grenzchaos droht, Lieferketten zu stören

Trotz der Beteuerungen von VW, dass ihre Lieferketten derzeit nicht nennenswert beeinflusst würden, wirkt sich vielerorts die aktuelle Situation an den deutschen Grenzen merklich auf den intereuropäischen LKW-Verkehr aus - und damit auch auf die Supply Chains zahlreicher Unetrnehmen. Seit Montagmorgen ist die Einreise aus den angrenzenden Ländern Österreich, Frankreich, Dänemark, Luxemburg und der Schweiz massiv eingeschränkt. Gerade an der deutsch-französischen Grenze kommt der Warenverkehr großteils zum Erliegen: Nach fast 30 Jahren Schengen-Abkommen fehle vielerorts die Infrastruktur für Kontrollen sowie oft der Platz, mehrere Spuren einzurichten, meldet Spiegel Online. Entsprechend zäh fließe der Verkehr voran.

Der LKW-Verkehr zwischen Österreich und Deutschland komme zwar besser voran. Aber gerade am Übergang zwischen Österreich und Italien ist die Lage kritisch: Am Brennerpass meldete der Bundesverband des Groß- und Außenhandels bereits Rückstaus von 80 Kilometern Länge gemeldet. Hieraus könnten "Abwicklungszeiten von bis zu drei Tagen resultieren", erklärte ein Sprecher gegenüber Spiegel Online. In Tschechien seien zudem Gebiete für Frachttransporte mittlerweile komplett gesperrt worden.

(Mit Material von dpa und KFZ-Betrieb.de).

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