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Probefahrten auf der IAA – Messe zum Mitmachen

| Autor/ Redakteur: Michael Gebhardt/SP-X / Julia Schmidt

Die IAA wandelt sich von der klassischen Autoschau zur Mitmachmesse. Statt nur zur Sitzprobe zu bitten, laden viele Hersteller die Besucher mittlerweile zu Testfahrten auf und abseits des Messegeländes ein. Kommt das Konzept an? Wir waren bei einer Probefahrt dabei.

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Auch der Offroad-Parcours kann „erfahren“ werden.
Auch der Offroad-Parcours kann „erfahren“ werden.
(Bild: SP.X/Michael Gebhardt)

In den Messehallen auf der diesjährigen IAA ist die Stimmung gespalten, die einen beschwören den Aufbruch in eine neue Ära der Mobilität herauf, die anderen haben die einst größte Autoschau der Welt gedanklich bereits zu Grabe getragen. Fakt ist: Mehr als zwei Dutzend Automarken haben 2019 dem für die Autoschau verantwortlichen Verband der deutschen Automobil-Industrie (VDA) die Gefolgschaft verwehrt und sind der einst wichtigsten Branchenmesse ferngeblieben.

Für die Besucher bedeutet das: Sie können sich unter anderem die neusten Modelle von Volvo und Peugeot, von Fiat und Mazda oder auch von Tesla und Renault nicht anschauen. Wer trotzdem nach Frankfurt kommt, darf sich allerdings nicht nur auf Sitzproben in der Messehalle freuen, sondern kann viele Auto-Modelle auch direkt ausprobieren – auf eigens angelegten Parcours und Offroad-Teststrecken auf dem Messegelände, aber auch auf der Straße in der Frankfurter City.

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„Wir müssen die Kunden erstmal in unsere Autos bringen“

So wie Christian Feucht, der sich an diesem Nachmittag hinter das Steuer des neuen Kia XCeed schwingt. Moment mal, Kia? Die Hyundai-Schwester nimmt doch gar nicht an der IAA teil? Da die Deutschlandzentrale aber direkt an das Messegelände grenzt, haben die Koreaner kurzerhand ihr Hoftor geöffnet und laden zur Testfahrt ein. Während sich Christian in den trubeligen Frankfurter Stadtverkehr einreiht, erzählt er von seinem elf Jahre alten Ford Focus Kombi, der noch immer gute Dienste tue. Irgendwann aber steht ein neues Auto an, und die Möglichkeit, sich im Rahmen der IAA verschiedene Modelle schon einmal näher anzuschauen, findet er großartig. Dass es ihm der Kia besonders angetan hat, liegt am Design, erzählt der 33jährige: „Die sind über die Jahre außen richtig schick geworden.“ Das sehen freilich auch die anderen Verkehrsteilnehmer, die auf der Mainzer Landstraße neben uns an der roten Ampel warten. Wie es innen aussieht, merkt man allerdings erst bei einer Testfahrt. Christian gesteht: „Ich hatte nie einen besonderen Bezug zu Kia, bis ich zum ersten Mal mit einem gefahren bin. Da dachte ich mir: ‚Die sind ja richtig gut verarbeitet und man fühlt sich hier wohl.“

Wie Christian dürfte es vielen Kunden gehen, nicht nur bei Kia. Und das ist genau das Ziel, das die Hersteller mit den Testfahrten verfolgen: Gerade kleine Import-Marken könnten wahrscheinlich deutlich mehr Autos verkaufen, wenn die Kundschaft sie überhaupt auf der Einkaufsliste hätte. Viele Käufer fahren aber immer wieder zum gleichen Händler, bei dem sie schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten einkaufen. „Wir müssen die Kunden erstmal in unsere Autos bringen“, lautet deshalb die Devise vieler Autobauer, dann könne man sie auch von sich überzeugen. Das gilt grundsätzlich für alle Fahrzeuge, im speziellen aber für die Elektro-Mobile. Nur wer überhaupt einmal selbst elektrisch gefahren ist, wird wirklich überlegen, ob ein Stromer für ihn in Frage käme. An den Publikums-Tagen rollt zum Beispiel Kia deshalb auch seine Elektro-Flotte in den Fokus.

Auch Christian hat schon einmal überlegt, ob ein Plug-in-Hybrid für ihn und seine junge Familie in Frage käme – seit Januar ist er stolzer Vater einer kleinen Tochter. Die Antwort ist klar: Auf jeden Fall. Ganz ohne Auto gehe es mit Kind und Kegel zwar selbst in der Stadt nicht, doch die meisten Wege, so Christian, könne er mit einem Teilzeit-Stromer problemlos erledigen. Und beim Ausflug zu den Eltern nach Speyer oder auf der Urlaubsreise an die Nordsee springt dann eben der Verbrenner ein.

Das Thema Verbrauch ist sowieso wichtig: „Acht Liter in der Stadt sind viel zu viel“, betont Christian, auch mit Blick auf seinen alten Ford. „Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Dem anhaltenden SUV-Trend kann der junge Mann allerdings auch nicht allzu viel abgewinnen. Den XCeed, mit wir gerade wieder auf die Kia-Vorfahrt einbiegen, findet er zwar schick. „Ich würde mich aber eher für einen klassischen Kombi entscheiden,“ gibt Christian zu. Ob er den nächsten Familientransporter erneut kaufen wird, ist dagegen noch offen – Mietmodelle findet er grundsätzlich attraktiv, solange der Preis stimmt: „Ich muss ein Auto nicht besitzen, mir ist wichtig, dass es sicher ist, gut fährt und ich ungefähr abschätzen kann, was es mich kostet,“ sagt er, und gibt den Kia-Schlüssel wieder aus der Hand. Dann macht er sich auf den Weg auf die Messe, wo ja schließlich noch zahlreiche Autos zur Sitzprobe einladen.

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