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PLUCC: Karosseriebau neu gedacht

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Karosseriebau von morgen wird weitaus komplexere Strukturen aufweisen, als es derzeit abgebildet werden kann. Die 3Pman GmbH will mit einem neu entwickelten Leichtbau-Struktur-System Abhilfe schaffen.

(Bild: 3Pman GmbH)

Die 3Pman GmbH hat ein neues modulares Karosserie-System entwickelt. Worin unterscheidet sich Ihr System von bereits anderen modularen Baukästen?

Die aktuell im Fahrzeugbau angewandten modularen Bauweisen sind plattformbasierte Ableitungen, auf dessen Grundgerüst die entsprechende. Karosserieform aufgebaut wird. Bei PLUCC ist das anders, hier sind einzelne Bauteile oder Baugruppen mit dem patentierten Schnell-Stecksystem miteinander kombinierbar. Es wird keine klassische Plattform angewendet, sondern es werden einzelne Bauteile aus einer Baugruppe, wie zum Beispiel ein Vorderwagen oder eine Bodengruppe ausgewechselt, um ein kleineres, größeres, schmaleres oder breiteres Fahrzeug zu bauen. Dabei werden die austauschbaren Bauteile mit einem baugleichen Verschlussteil verbunden. Einen entscheidenden Vorteil bietet dies im Reparaturfall als auch beim Ein- oder Umbau von unterschiedlichen Antriebskonzepten.

Wie kann man sich das PLUCC-System im Detail vorstellen?

Beim PLUCC-Verbindungssystem werden mindesten zwei Bauteile formschlüssig ineinander gesteckt und mit einem Verschlussteil und einer schraubartigen Verbindung entsprechend der notwendigen Steifigkeit verbunden. Das System ist dann sofort einsatzfähig und hält allen zuvor ausgelegten Lastfällen stand. Für den Fall einer Demontage kann das Stecksystem ohne Steifigkeitsverlust wieder auf den Originalzustand montiert werden. Prinzipiell können beliebig viele Bauteile unterschiedlicher Topologie je nach gewünschter Karosserie zusammengesteckt werden.

Wie werden sicherheits- und zulassungsrelevante Anforderungen abgedeckt?

Dieser Aspekt spielt selbstverständlich auch bei PLUCC eine wichtige Rolle. Das System wird nach allen zulassungsrelevanten Gesichtspunkten ausgelegt, wobei aber der Umfang von Art und Nutzung des Fahrzeugs angepasst werden muss. Fahrzeuge, die mit PLUCC-Technologie ausgerüstet werden, erhalten ein Grundset-up, dass alle wesentlichen Karosserieentwicklungen beinhaltet und somit natürlich auch den NVH-Aspekt (Noise, Vibration, Harshness) berücksichtigt.

Welche Materialien kommen bei PLUCC zum Einsatz?

PLUCC ist grundlegend ein materialunabhängiges System. Denkbar ist die Verwendung von Metall- und Faserverbund oder diverse Material-Hybridbauweisen. Die einfache Bauweise von PLUCC ist für die Faserverbund-Technologie prädestiniert, wobei jedoch keines der etablierten Lege-Verfahren aufgrund des hohen Aufwands verwendet werden soll. Auch sind unterschiedliche Metallbauweisen in Stahl- und Aluminium denkbar, wobei konstruktionsspezifische Randbedingungen zu beachten sind, um möglichst dünnwandig auslegen zu können.

Sie wollen die 3D-Drucktechnik für die Produktion verwenden. Welche Vorteile erhoffen Sie sich hiervon?

Die Anwendung des 3D-Drucks wäre ideal, ist aber auch nach neuesten technischem Stand derzeit nur eingeschränkt realisierbar. Der 3D-Druck-Einsatz würde die Anwendung des PLUCC-Systems auf eine deutlich höhere Wertigkeit in Bezug auf Flexibilität setzen, da der Kern der Entwicklung diese hohe Flexibilität symbolisiert. Das heißt, dass Bauteile wie beispielsweise der Längsträger eines Vorderwagens,als austauschbares Teil durch Topologie-Anpassung für entsprechende Lasten gegenüber dem Originalteil umkonstruiert wird. Es lässt sich aber wie das ursprüngliche Bauteil auch wieder in seine ehemalige Position einbauen und übernimmt dann wieder die Funktion des Längsträgers für geänderte Lasten. Damit könnte der Leichtbau durch den gezielten Austausch einzelner Elemente sofort spürbar und letztendlich nur durch Engineering-Eingriff umgesetzt werden.

Für welche Fahrzeugsegmente und Mobility-Bereiche sehen Sie die größten Einsatzchancen Ihres Konzepts?

Das große PLUCC-Potential steckt in der vielseitigen Anwendung in Bezug auf den Fahrzeugbau und weit darüber hinaus. Da sowohl die Gestaltung der Bauteile als auch die technischen Parameter durch die Konstruktionsweise hoch flexibel ausgelegt werden, sind alle Anwendungen im Fahrzeugbau gleichermaßen umsetzbar. Um zukünftige technologische Ausrichtungen zu berücksichtigen sind die Karosseriesysteme auf Mobilitätskonzepte mit Elektro- oder Hybrid-Antrieb ausgerichtet . Diese können aber nur so weit entwickelt werden, wie sie durch politische Rahmenbedingungen unterstützt werden. PLUCC kann diese diese neuen Konzepte unterstützen, hat aber auch den Anspruch derzeitige am Markt etablierte Antriebskonzepte vollumfänglich abzudecken. Dazu zählen die Pkw-Entwicklung in Bezug auf Personenbeförderung-Systeme wie Busse, als auch der Nutzfahrzeugbau mit Aufbauten, Aufliegern und dem Grundchassis. Weiteres Potential steckt im Sonderfahrzeugbau, wie Bergungsfahrzeuge, Kräne oder Bagger.

Über die 3Pman GmbH

Die 3Pman GmbH wurde 2013 in Graz als Consulting-Unternehmen u.a. für Informationstechnologie und Unternehmensberatung gegründet. Seit 2017 betreibt die GmbH zudem eigene technische Entwicklungen im Leicht- und Karosseriebau. Die Schwerpunkte liegen dabei auf innovativen Verbindungstechnologien, die für den branchenübergreifenden Einsatz konzipiert sind.

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