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Online Fahrtenbücher der Premium-Hersteller – Steuer-Paradies hinterm Lenkrad?

| Autor / Redakteur: Stefan Schickedanz / Benjamin Kirchbeck

Das Führen eines Fahrtenbuchs zählt zu den besonders ungeliebten Aufgaben von Autofahrern.
Das Führen eines Fahrtenbuchs zählt zu den besonders ungeliebten Aufgaben von Autofahrern. (Bild: Daimler)

Kaum jemand kennt die Möglichkeiten digitaler Fahrtenbücher. Dabei könnten viele, die ihren BMW, Mercedes oder Audi überwiegend dienstlich nutzen, mit den Apps der Autohersteller mehre Tausend Euro Steuern sparen. So funktioniert der legale Steuertrick.

Viele Selbständige und Angestellte mit Dienstwagen verschenken jedes Jahr bares Geld. Weil die Anforderungen an ein Fahrtenbuch hoch sind und der Umstand, es penibel zu führen groß ist, versteuern viele ihr betrieblich genutztes Fahrzeug nach der 1-Prozent-Methode. Das heißt, sie müssen ein Prozent des Brutto-Listenpreises pro Monat als zusätzliche Einnahmen versteuern. Weil heute schon ein gut ausgestattetes Fahrzeug der Kompaktklasse ganz schnell mit einigen sinnvollen Extras die 30.000-Euro-Grenze überschreitet, sind schnell 4.000 Euro im Jahr zusammen. Dazu kommen monatlich 0,03% des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Rabatte, die im Autohandel zum täglichen Geschäft gehören, werden genauso wenig berücksichtigt wie Bescheidenheit: Wer sich mit einem Vorführfahrzeug, Jahreswagen oder gar einem älteren, aber gut ausgestatteten Gebrauchten begnügt, wird über Gebühr vom Fiskus zur Kasse gebeten. Denn auch hier wird der offizielle Neupreis zu Grunde gelegt. Im ungünstigsten Fall übersteigen die für die Privatnutzung zu zahlenden Steuern die tatsächlichen Fahrzeugkosten.

Unseren Versuch, ein Fahrtenbuch mit Stift im Auto zu führen gaben wir wegen erwiesener Umständlichkeit relativ schnell auf. Alternativ kam eine kostenpflichtige App zum Einsatz, die aber viele umständliche Eingaben erforderte und bei der Übertragung zur ebenfalls auf den Rechner für zahlreiche Datenfehler sorgte. Besser geht das mit Werkslösungen. Vor einigen Jahren bereicherte BMW den vor 20 Jahren gegründeten, inzwischen fürs alle Modellreihen verfügbaren Online-Dienst Connected Drive um ein Online Fahrtenbuch. Das nutzt die SIM-Karte, die wegen des automatischen Notrufs ohnehin in den Fahrzeugen integriert ist und steht über eine Cloud via Webbrowser mit dem Rechner des Nutzers in Verbindung. Dort laufen, sofern er den kostenpflichtigen Online-Dienst gebucht hat, ohnehin alle Fahrzeugdaten wie Kilometerstand, Reichweite, Fehlermeldungen und Wartungstermine automatisch zusammen. Wer das Online Fahrtenbuch dazu bucht, bekommt jede Fahrt gemäß der steuerlichen Vorschriften aus seinem Fahrzeug übermittelt, sofern die Ortungsdienste aktiviert sind.

Bereits im Auto kann der Fahrer seinen eigenen Namen respektive weitere Nutzer anlegen und bei Fahrtantritt einfach auswählen. Durch einen Klick mit dem iDrive kann man auch gleich im Pop-Up-Menü angeben, ob es sich um eine Dienstfahrt, Privatnutzung oder eine Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz handelt. Wer mag, kann auch seine bevorzugten Ziele im Fahrzeug eingeben und für bequemen Abruf im Wiederholungsfall automatisch abspeichern.

Noch bequemer als das Gefummel im Fahrzeug ist natürlich die spätere Eingabe am PC oder Mac über den Webbrowser – wobei aus rechtlichen Gründen sämtliche Änderungen fälschungssicher dokumentiert werden. Dort merkt sich der Connected Drive Dienst ebenfalls häufige Ziele und Fahrtgründe, was die Vervollständigung der Angaben aus den Pulldown-Menüs zum Kinderspiel macht. Nach dem Bestätigen der einzelnen oder zu Touren zusammengefassten Fahrten sind keine Korrekturen mehr möglich, aber zur Übersicht kann man sich beliebig viele individuelle Berichte als PDF abspeichern, um so jederzeit den schnellen Überblick über das Verhältnis privater zu betrieblicher Nutzung zu verschaffen.

Wer sein Fahrzeug überwiegend geschäftlich nutzt, kann damit ganz legal und überaus bequem dem Finanzamt ein Schnippchen schlagen. Außerdem bietet das Online Fahrtenbuch in Verbindung mit dem Connected Drive Account, der sich für mehrere zugeordnete BMWs gemeinsam nutzen lässt, das perfekte Tool zum Flottenmanagement in kleinen Betrieben. Schließlich hat man wie erwähnt neben dem aktuellen Fahrzeugstandort gleichzeitig immer den Wartungsbedarf jedes Fahrzeugs im Blick. Kostenlos ist der Service allerdings nicht. BMW lässt sich mit 249 Euro für 12 Monate beziehungsweise 399 Euro für 24 Monate den Steuer-Vorteil mit einem gewissen „Soli-Zuschlag“ bezahlen.

Den gleichen Ansatz, nur eine Nummer größer, verfolgt auch Mercedes-Benz. Unter dem Label Connect Business bietet der Stuttgarter Hersteller eine Baukastenlösung, die aber in erster Linie auf größere Flotten zielt. Für Selbstständige wird es relativ teuer, aber im Bereich gehobener Fahrzeuge bei überwiegend betrieblicher Nutzung unter Umständen immer noch günstiger als die 1-Prozent-Regelung und dabei ähnlich bequem. Zwar kostet das Digital Driver’s Log monatlich nur 14,95 Euro pro Fahrzeug, doch es kommt eine einmalige Aktivierungsgebühr von 99 Euro plus eine vom einzelnen Fahrzeug unabhängige Jahresgebühr von 649 Euro hinzu. Bei Flottenkunden reduziert sich ab dem fünften Fahrzeug die jährliche Grundgebühr auf 149 Euro, wodurch sich für Betriebe mit vielen Firmenwagen ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis gegeben ist.

Eine kostenlose Lösung bietet der Ingolstädter Rivale in seiner myAudi App. In dieser Software fürs Smartphone können Unternehmer manuell ein Fahrtenbuch führen, das allerdings nicht die vom Finanzamt anerkannten Aufstellungen herausgeben kann. Aber kann man es als Grundlage für ein, in aller Ruhe zu Hause geführtes, regelkonformes Fahrtenbuch nutzen. Das macht zwar mehr Arbeit als die Angebote von BMW und Daimler, kostet aber auch nichts außer etwas Zeit.

Fans der Sportwagen aus Zuffenhausen dürfen sich freuen, wenn sie den, ins Fahrzeug integrierten Fahrtenbuch-Service in der Vergangenheit gebucht haben. Die Systeme von Bestandskunden werden von Porsche sozusagen aus Kulanz weiterhin auch mit Softwareupdates unterstützt. Doch wer jetzt erst ein digitales Fahrtenbuch in seinem schwäbischen Sportwagen einsetzen will, muss sich nach Lösungen von Drittanbietern wie Vimcar umsehen. Die erfordern neben der Software den Einbau zusätzliche Hardware und sind nicht so nahtlos ins vernetzte Fahrzeug eingebunden wie die eigenen Lösungen der Premium-Autobauer.

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sehr schön , ein freiwilliger Schritt hin zur Totalüberwachung . Also etwas für Menschen mit...  lesen
posted am 09.01.2019 um 08:49 von Unregistriert


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