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Modal Split während Corona: Mehr als nur ein Kurzzeiteffekt?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Corona-bedingten Restriktionen der vergangenen Wochen haben sich, wie nicht anders zu erwarten war, auch auf die Mobilität in Deutschland ausgewirkt. Allerdings fielen die Effekte der Pandemie im Detail oft anders aus als vermutet.

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Das Fahrrad baute seinen Anteil an dem Verkehrsträger-Mix in in den vergangenn Wochen von 2 auf 7 Prozent aus.
Das Fahrrad baute seinen Anteil an dem Verkehrsträger-Mix in in den vergangenn Wochen von 2 auf 7 Prozent aus.
(Bild: BMW )

Die Mobilität hierzulande verringerte sich von Mitte Februar bis Mitte April zwar vorhersehbar deutlich, aber bei weitem nicht in dem Maß, wie es den Umstände nach mit den teilweisen Ausgangssperren und dem Trend zu Home-Office oder zur Kurzarbeit als denkbar angenommen wurde. Vielmehr blieb eine gewisse „Grundmobilität“ erhalten. Diese sogenannte Unterwegszeit ging einer Infas-Studie zufolge nicht in dem Ausmaß zurück wie etwa die Summe der täglich zurückgelegten Kilometer.

Als deutlichen Verlierer der Corona-Pandemie ging der ÖPNV hervor. Der Anteil von Bus und Bahn am Modal Split, also der anteiligen Aufteilung des Transportaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsträger, ging nach Auskunft des Potsdamer Start-up-Unternehmens Motiontag, von zuvor einem Drittel auf nur noch 9 Prozent zurück. Der Anteil der mit Bus und Bahn zurückgelegten Kilometer nahm während der Corona-Krise sogar überproportional um über 75 Prozent ab.

Zweieinhalbfache Wegstrecke zu Fuß oder mit dem Rad

Dass Busse und Bahnen von den Bürgern weitgehend gemieden werden, erscheint allerdings wenig verwunderlich, da die Fahrgäste in diesen Transportmitteln näher mit fremden Personen in Kontakt kommen als bei anderen. Da zudem viele Verkehrsunternehmen ihr Angebot eingeschränkt und zudem darauf verzichtet hätten, ihre Busse und Bahnen regelmäßig zu desinfizieren, nutzten viele Bundesbürger, die sonst mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs waren, doch ihren Privatwagen bzw. legten kürzere Entfernungen zu Fuß oder mit dem Rad zurück.

Das Fahrrad baute seinen Anteil an dem Verkehrsträger-Mix in absoluten Zahlen von 2 auf 7 Prozent aus. Die zu Fuß zurückgelegten Wege wuchsen von zuvor 4 auf nunmehr 14 Prozent. Und der sogenannte motorisierte Individualverkehr (MIV) mit dem Auto nahm von 63 auf 70 Prozent zu. Wie deutlich die Verschiebungen hin zu den individuellen Fortbewegungsmitteln in der Corona-Krise ausfielen, wird daran sichtbar, dass die Bundesbürger rund zweieinhalbmal so viel Wegstrecke zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt haben wie vor der Pandemie.

Diese wirkte sich demnach auch massiv auf die pro Tag zurücklegten Kilometer pro Person aus: Die Wegstrecken verringerten sich seit der ersten März-Woche dieses Jahres um rund 45 Prozent. Aus den im Mittel üblichen rund 40 Kilometern pro Person und Tag wurden zuletzt nur noch rund 15 Kilometer. Das entspricht einem Rückgang um fast zwei Drittel. Auswirkungen hat die Corona-Pandemie demnach ebenfalls auf die Verteilung der Mobilität über den Tag. Wie die Studie ausweist, findet sie in den Abend- und Nachtstunden, genauer gesagt ab 20 Uhr, praktisch gar nicht mehr statt – und zwar bei allen Verkehrsmitteln.

Dem ÖPNV drohen längerfristige Einbußen

Die Daten verdeutlichen, warum sich viele Verkehrsteilnehmer auch für die Zeit nach der Pandemie auf den Straßen Zustände wie während der Corona-Krise wünschen. Denn so leere Verkehrswege, so seltene Staus und so wenig Stress bei der Fortbewegung haben viele Menschen schon lange nicht mehr erlebt. Einige fühlten sich vielleicht an die autofreien Sonntage Anfang der 1970er-Jahre erinnert, als man wegen der Fahrverbote infolge der Ölkrise auf leergefegten Autobahnen Fahrrad fahren konnte.

Ob nach der Krise allerdings tatsächlich alles anders sein wird als vorher, wie derzeit vielfach behauptet, wird sich im Bereich der Mobilität nach Ansicht der Studienautoren nicht erst in Wochen oder Monaten zeigen, wenn wieder Alltag einkehrt, sondern möglicherweise schon bei der nächsten Verschlechterung des Wetters. Dann dürfte nämlich interessant zu beobachten sein, ob die Bereitschaft zur Fortbewegung mit dem Fahrrad oder zu Fuß noch ebenso so hoch ist wie in den Corona-Tagen mit schönem Frühlingswetter.

Eine mögliche Folge der Corona-Krise wollen jedoch viele Experten trotz aller Unwägbarkeiten schon jetzt nicht ausschließen: dass der ÖPNV langfristige Einbußen hinnehmen muss. Denn er habe einen Imageverlust erlitten und werde verstärkt als unsauber sowie als grundsätzlich mit einem größeren Ansteckungsrisiko behaftet wahrgenommen, heißt es zur Begründung. Wenn die Passagiere, die dem ÖPNV möglicherweise verloren gehen, dann allerdings mehr mit dem Auto unterwegs sein werden, dürfte das den zukünftigen Planungen bezüglich Umweltbelastung und Mobilität nicht in die Karten spielen, warnen Skeptiker.

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