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Mobilität heute und morgen: Fünf Fake-News und eine Wahrheit

| Autor/ Redakteur: Peter Eck / Benjamin Kirchbeck

Des vormals Deutschen liebstes Kind ist in Rekordzeit zum Schmuddelbalg verkommen. Wer immer in Politik, Medien und sozialen Netzwerken was auf sich hält, beziehungsweise glaubt, bei anderen Wählerstimmen holen, Auflage generieren oder Klicks realisieren zu müssen, schlägt auf den armen alten Vierreifer ein. Ein Kommentar.

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Wer weiß schon wirklich, was die Zukunft bringt? Eine Reise nach Frankfurt zur IAA könnte sich für Freund und Feind des Autos aber trotzdem lohnen.
Wer weiß schon wirklich, was die Zukunft bringt? Eine Reise nach Frankfurt zur IAA könnte sich für Freund und Feind des Autos aber trotzdem lohnen.
(Bild: Clipdealer)

Die gerade stattfindende IAA ist dazu ein ebenso guter Anlass wie ein tragischer Verkehrsunfall. Die gerade unserem Volk so inhärente Lust am Untergang sorgt für zusätzlichen Schub. Fakten bleiben natürlich gern auf der Strecke. Den Menschen werden lieber von allen Seiten – auch von der Industrie, wenn´s gerade passt – ziemlich unterschiedliche und ziemlich eingeschränkte Sichtweisen von Gegenwart und Zukunft präsentiert. Liest und hört man mal so rein, könnte man zum Beispiel meinen:

Man kann auf das Auto doch gut und gerne verzichten!

Ja, wenn ich Redakteur bei den Öffentlich-Rechtlichen bin, und mit meinem Fahrrad die 700 Meter aus meiner Altstadtwohnung zum Sender in 10 Minuten zurücklegen kann, mag das stimmen. Auch für viele Studenten ist der Weg zur Uni so weit nicht. Die Hälfte der Deutschen – nur mal so als Beispiel - wohnt aber auf dem Land. Gnade Gott dem, wer da allein auf Bus und Bahn angewiesen ist. Unsere vollen Autobahnen und Städte beweisen doch täglich eindrucksvoll: Die meisten Menschen sind auf das Auto dringend angewiesen. Freiwillig steht schließlich niemand im Stau.

Okay, es wird weiterhin Autos geben, aber wir fahren bald alle elektrisch

Nichts könnte falscher sein, auch wenn man den Eindruck haben könnte. Schließlich erwecken auch manche Hersteller aus durchschaubaren Gründen diesen Eindruck gerne. Richtig ist: E-Autos sind (noch) teuer, Ladepunkte selten und die ökologische Bilanz ist zumindest umstritten. Wir werden noch lange Zeit auch mit Verbrennern leben (müssen). Und für die meisten aktuell ein Auto suchenden Menschen, ist ein Fahrzeug mit Otto- oder mit (ja) auch Dieselmotor die vernünftigste Wahl.

Diesel? Diese Drecksschleudern kann man sich doch nicht mehr kaufen!

Wer sich heute ein neues Fahrzeug mit Selbstzünder anschafft, entscheidet sich vermutlich für das im Vergleich mit den Alternativen kleinste Umweltübel, E-Autos und Benziner inklusive. Wer seinen Diesel vernünftig fährt, kommt nicht nur mit geringen Verbräuchen aus und minimiert damit den CO2-Ausstoß, auch die vormaligen Problemzonen des Diesels, also Stickoxid und Feinstaub, haben die Ingenieure unter dem Druck der WLTP-Norm und einer aufmerksamen Öffentlichkeit in den Griff gekriegt.

Der Plug-in-Hybrid ist ein Irrweg!

Tatsächlich war die Kombination aus einem Verbrennungs- und einem Elektromotor bislang kaum wirklich effektiv. Häufig sprang schon nach 30 E-Kilometern der Verbrenner an und zog sich dann aufgrund des hohen Fahrzeuggewichts (2 Motoren!) ziemlich viel Sprit rein. Doch jetzt kommen Plug-ins auf den Markt die aus den vergrößerten Batterien über 100 E-Kilometer ziehen können. Also auch unter schlechten Bedingungen 70 bis 80 reale Kilometer. Wer dann noch Zuhause nachladen kann und nicht auf die bislang kaum zufriedenstellende Infrastruktur zurückgreifen muss (und wer es sich leisten kann), dem sei ein moderner PHV empfohlen. Eine Tankstelle sieht ein solches Fahrzeug in der Praxis nur noch selten, vielleicht auf der Urlaubsfahrt.

Die IAA ist ein Relikt von gestern, wahrscheinlich ist es sowieso die letzte Ausstellung!

Wenn man die Prognosen der Zukunfts- und Schwarzseher mal so nach zehn Jahren auf den Prüfstand stellen würde, könnte man den heutigen Lautsprechern mit mehr Gelassenheit begegnen. Wer weiß schon wirklich, was die Zukunft bringt? Eine gegenwärtige Reise nach Frankfurt könnte sich für Freund und Feind des Autos immerhin lohnen. Schließlich erhält man wichtige Informationen, wie es mit der Mobilität weitergehen wird oder könnte. Und wer will, kann die Reise ja auch zur Teilnahme an einer Demo nutzen – oder sich auf einem der zahlreichen Veranstaltungen zusätzliche Infos holen.

Die Wahrheit (leider)

„Ein Fanatiker ist ein Mensch, der seine Ansicht nicht ändern kann, und das Thema nicht wechseln will“. Das hat der schon lange verstorbene ehemalige britische Premierminister Winston Churchill einst weise gesagt. Eine Erkenntnis, die gegenwärtig nicht nur auf manchen Politiker seines Heimatlandes zutrifft, sondern auch auf nicht wenige, auf den Flügeln ihrer moralischen Überlegenheit reitenden Schwarzmaler. (sp-x)

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