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Mobilfunk-Bewegungsdaten – Ja, wo fahren sie denn?

| Autor / Redakteur: Dr. Nicolaus Gollwitzer / Benjamin Kirchbeck

Den Verkehrsplaner interessiert es nicht, ob Frau Müller oder Herr Meier im Bus sitzen. Viel wichtiger ist es, dass von den 40 Personen im Bus 28 zur Arbeit und sieben zum Einkaufen fahren und welcher Prozentsatz das davon gestern auch schon gemacht hat.
Den Verkehrsplaner interessiert es nicht, ob Frau Müller oder Herr Meier im Bus sitzen. Viel wichtiger ist es, dass von den 40 Personen im Bus 28 zur Arbeit und sieben zum Einkaufen fahren und welcher Prozentsatz das davon gestern auch schon gemacht hat. (Bild: Clipdealer)

Mit Hilfe von anonymisierten Bewegungsdaten können wir heute genau sagen, wo wir laufen, fahren, fliegen oder mit dem Bus unterwegs sind. Doch woher kommen die Daten? Wer kann sie nutzen? Wie können wir in Zukunft auch andere Datenquellen verwenden, um besser zu verstehen, wo Mobilität in welcher Form nachgefragt werden wird?

Dass Daten das neue Gold sind, erzählen die Analysten schon seit Jahren. Der Goldrausch hat begonnen, doch wie kommt man an die Schürfrechte? Telefónica NEXT hat mit "So bewegt sich Deutschland" eine sehr umfassende technische Basis geschaffen. Sie erlaubt es, die etwa 5 Milliarden Datenpunkte, die von rund 46 Millionen Kundenanschlüssen im Mobilfunknetz der Telefónica Deutschland täglich erzeugt werden, zu anonymisieren und so nutzbar zu machen.

Anonymisiert dank mehrstufigem Verfahren

Das ist nicht nur wegen der Menge der Daten schwieriger als es klingt. Telekommunikationsunternehmen müssen zur technischen Erbringung des Mobilfunkdienstes bestimmte Daten erheben: Beispielsweise muss eine Mobilfunkzelle wissen, wo sich das Handy aufhält, um mit ihm kommunizieren zu können. Und aufgrund der Sensitivität dieser Informationen unterliegen – speziell in Deutschland – Telekommunikationsunternehmen deswegen auch sehr strengen Regeln bezüglich des Schutzes dieser Kundendaten.

Dr. Nicolaus Gollwitzer leitet seit Anfang 2017 die Telefónica Germany NEXT GmbH als CEO. Zuvor war Dr. Gollwitzer als CEO für Vodafone Automotive in Italien tätig. Nicolaus Gollwitzer ist promovierter Physiker und lebt in Berlin.
Dr. Nicolaus Gollwitzer leitet seit Anfang 2017 die Telefónica Germany NEXT GmbH als CEO. Zuvor war Dr. Gollwitzer als CEO für Vodafone Automotive in Italien tätig. Nicolaus Gollwitzer ist promovierter Physiker und lebt in Berlin. (Bild: Thomas Bönig)

Telefónica NEXT hatte also zunächst die Aufgabe, den Kundenbezug aus den vielen einzelnen Datenpunkten zu entfernen. Man nennt dieses Verfahren auch Anonymisierung. Bei Telefónica NEXT ist dies ein in Begleitung mit der Bundesdaten-schutzbeauftragten entwickeltes, mehrstufiges Verfahren, das zu guter Letzt auch der TÜV Saarland zertifiziert hat. Das Verfahren entfernt aus den Daten einerseits den Personenbezug, so dass auch Telefónica NEXT selbst aus den Ergebnissen der Analysen nicht mehr herausfinden kann, welche Personen diese Daten erzeugt haben.

Die Gruppe zählt – nicht das Individuum

Andererseits ermöglicht es aber auch, Gruppen über einen längeren Zeitraum zu analysieren. Den Verkehrsplaner interessiert es ja auch gar nicht, ob Frau Müller oder Herr Meier im Bus sitzen. Viel wichtiger ist es, dass von den 40 Personen im Bus 28 zur Arbeit und sieben zum Einkaufen fahren und welcher Prozentsatz das davon gestern auch schon gemacht hat.

Wer braucht diese Daten? Zunächst einmal alle, die Verkehr planen. Das können Städte sein, die Verkehrswege optimieren wollen und den Schadstoffausstoß in unseren Innenstädten reduzieren möchten. Das können aber auch Transportunternehmen sein, die Fahrpläne optimieren und ihr Angebot auf die tatsächlichen Mobilitätsbedürfnisse ihrer Kunden ausrichten wollen. Das können aber auch Ladengeschäfte sein, die es interessiert, wie viele Personen sich im Bereich ihres Ladens aufhalten und wo diese Menschen herkommen.

Datenschutz und Datennutzung: Kein Widerspruch

Die Datenanonymisierung bietet Telefónica NEXT allerdings nicht nur für die eigenen Mobilfunkdaten an, sondern für alle Unternehmen, die über sensible Kundendaten verfügen und diese statistisch auswerten wollen. Dies können zum Beispiel auch Automobilhersteller oder Flottenbetreiber sein, die so erfahren, wo und wie ihre Produkte genutzt werden. Gerade in diesem Segment hat die Datenanalyse wieder einen unmittelbaren Nutzen für jeden von uns. So könnten Nutzer der Daten aus dem Connected Car statistisch Ort und Zeit von Unfallschwerpunkten ermitteln oder feststellen, wo gefährliche Schlaglöcher den Reifen des Autos schaden können. Damit man aber einzelne Personen in ihren Autos darüber informieren darf, braucht man deren Einverständnis.

Dieses Einverständnis heißt Opt-in und muss in Deutschland und in Zukunft auch in Europa – Stichwort EU-Datenschutzgrundverordnung – sehr granular abgefragt und immer in den Bezug zu einem Anwendungsfall gesetzt werden. Wo es in der Vergangenheit mancherorts ausreichend war, den Kunden um seine Standortdaten zu bitten, muss man heute einzeln für jede Nutzungsart dieser Daten und für jeden Anwendungsfall getrennt die Opt-Ins einfordern und dokumentieren. Das kann hinsichtlich der Vielzahl an denkbaren Applikationen und Diensten, die auf den Daten von internetfähigen Geräten erhoben werden können, sehr komplex werden.

Aber solche komplexen Prozesse lassen sich mit eigens dafür entwickelten Plattformen einfach und nutzerfreundlich gestalten: Telefónica NEXT hat für diese Fälle eine eigene IoT Plattform entwickelt, die diese Opt-ins der Kunden verwaltet und den Geräteherstellern die Sicherheit gibt, dass sie Gerätedaten datenschutzkonform mit dem Einverständnis der Nutzer verwenden und auch finanziell partizipieren können.

Datenschutz und Datennutzung müssen sich also nicht widersprechen. Anbieter brauchen aber die richtigen Werkzeuge, um erfolgreich zu sein. Das war aber bei jedem Goldrausch in der Vergangenheit auch schon so.

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