Ein Angebot von /

Millimeterwellen-Radar im Mobilitätssektor – Intelligentere Autonomie am Edge

| Autor / Redakteur: Robert Ferguson, Matthieu Chevrier, Alan Rankin / Benjamin Kirchbeck

Die Radarsensoren können u.a. an einer Kreuzung an der Haltelinie (1) oder am Ampelmast (2) montiert werden, wobei letzteres keinen Einbau in die Fahrbahndecke erfordert.
Die Radarsensoren können u.a. an einer Kreuzung an der Haltelinie (1) oder am Ampelmast (2) montiert werden, wobei letzteres keinen Einbau in die Fahrbahndecke erfordert. (Bild: TI)

Sensorik am Edge ist weder vom Konzept noch vom praktischen Einsatz her etwas Neues. Mit der Einführung der Millimeterwellen-Radartechnik ergeben sich neue Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen.

Traditionell hatte die Effektivität der Sensing-Anwendungen relativ eng gesteckte Grenzen. Denken Sie nur einmal daran, wie häufig sich automatische Türen durch vorbeigehende Personen fälschlicherweise öffnen oder offen bleiben, wenn beispielsweise ein Einkaufswagen im Einzugsbereich des Sensors abgestellt wird. Der Sensor erkennt hier ein größeres Objekt in geringer Distanz von der Tür und vergeudet daraufhin Energie durch das Öffnen der Tür und das Entweichen klimatisierter Luft ins Freie.

Stellen Sie sich im Gegensatz dazu vor, die Tür würde sich nicht nur aufgrund der Nähe einer Person öffnen, sondern weil eine sich nähernde Person ihre Geschwindigkeit ändert und damit ihre Absicht zum Eintreten anzeigt. Ein extremer Fall läge hier vor, wenn ein aufgeregtes Kind direkt auf die Tür zuliefe. Ein reiner Näherungssensor könnte hier nicht schnell genug reagieren. Ein Sensor aber, der sowohl die Geschwindigkeit als auch die Richtung der Bewegung detektieren kann, könnte die Tür so ansteuern, dass sie sich genau rechtzeitig öffnet.

Der Sensor wäre so intelligent, dass er einzelne Personen und gängige Objekte erkennen und dem Gebäudenetzwerk damit nützliche Informationen zur Verfügung stellen könnte. Ein Ladengeschäft hätte beispielsweise Angaben über die Zahl der anwesenden Kunden, und die Marktleiter würden informiert, wenn Einkaufswagen vom Parkplatz geholt werden müssten. Angesichts der großen Verbreitung automatischer Türen könnten Sensoren dieser Art unter dem Strich sehr viel Energie sparen helfen und als Bestandteil der Gebäudeautomatisierung zu mehr Schutz, Sicherheit und Komfort beitragen.

Diese Art von Verbesserungen für herkömmliche Anwendungen wird derzeit durch die Einführung der Millimeterwellen-Radartechnik (mmWave) Realität. Auf der Basis integrierter Schaltungen (ICs), die in Bezug auf Größe, Stromverbrauch und Kosten optimiert sind, werden mmWave-Sensoren als Single-Chip-Lösungen angeboten, die sogar in Systeme mit beengtesten Platzverhältnissen passen. Die größte Bekanntheit hat die mmWave-Radartechnik im Bereich der Fahrassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) und der Selbstfahr-Funktionen für Autos erlangt.

Ein Beispiel ist der Abstandsregeltempomat. Wie allerdings das Beispiel der automatischen Tür zeigt, kann die gleiche Technik auch in anderen Marktsegmenten außerhalb des Automobilbereichs auf unterschiedlichste Weise effektiv eingesetzt werden. Verbesserungen sind mit mmWave-Radar beispielsweise auf folgenden Gebieten möglich:

  • Ampelsteuerung und Verkehrsregelung an Kreuzungen und Autobahnauffahrten
  • Bau- und Landmaschinen
  • Verfolgung von Personen und Objekten in Schutz- und Sicherheitssystemen
  • Automatische Beleuchtungs- und Komfortsysteme
  • Lenkung von Industrierobotern und Drohnen

Verkehrsüberwachung: Präzisere Detektierung des Fahrwegs und der Dichte von Verkehrsströmen.
Verkehrsüberwachung: Präzisere Detektierung des Fahrwegs und der Dichte von Verkehrsströmen. (Bild: TI)

In vielen Anwendungen ermöglicht die mmWave-Radartechnik intelligente Autonomie für die Entscheidungsfindung an der Edge. Entfernte Systeme mit effektiver Sensorik können dadurch schnell und effizient auf lokale Situationen reagieren, anstatt zum Einholen von Instruktionen Daten an eine Steuerzentrale oder per Internet übertragen zu müssen.

Wenn aber die Vorteile der mmWave-Radarsensorik in so vielen Anwendungen zum Tragen kommen sollen, ist entsprechendes Know-how in einer Vielzahl von Halbleiter-Technologien erforderlich – von der Funktechnik über weitere Radar- und Sensing-Technologien, das Hochfrequenz-Design, analoge Signalketten-Funktionen, die Hard- und Software von Low-Power-Mikrocontrollern und die fortschrittliche Signalverarbeitung bis zur System- und Netzwerk-Kommunikation, um nur einige zu nennen. Für das Design und die Herstellung leistungsfähiger mmWave-Radarsensor-Lösungen, die ausreichend klein und erschwinglich für ein solch breit gefächertes Anwendungsspektrum sind, ist also Expertise in der Integration, Konfektionierung und Qualifikation dieser und weiterer Funktionen nötig.

Millimeterwellen-Radar für intelligentere Autonomie an der Edge

Wie alle anderen Radarlösungen, sendet auch mmWave-Radar elektromagnetische Signale aus, die daraufhin von Objekten – darunter auch Menschen und Tiere – reflektiert werden. Wenn sie an ihren Ursprungsort zurückkommen, lassen sich anhand dieser reflektierten Signale die Entfernung, die Geschwindigkeit und der Winkel der detektierten Objekte errechnen. Die Besonderheit der mmWave-Technologie ist, dass sie mit Frequenzen im Millimeterband, d. h. von 30 bis 300 GHz arbeitet. In diesem Abschnitt des elektromagnetischen Spektrums gibt es mehrere ISM-Teilbänder (Industrial, Scientific and Medical), die für die kommerzielle Verwendung freigegeben sind.

Die Verwendung von Frequenzen im Millimeterwellenbereich erlaubt den Einsatz sehr kleiner Antennen, die sich in die Sensoreinheit integrieren lassen und eine vermehrte Miniaturisierung der Systeme gestatten. Die kompakten mmWave-Sensoren lassen sich deshalb problemlos überall dort anbringen, wo sie gerade benötigt werden – hinter dem Kunststoff-Stoßfänger eines Autos ebenso wie im Gehäuse einer Überwachungskamera, eines Roboters oder einer Drohne, neben einer Umgebungs- oder Verkehrssteuerungs-Einheit usw. Hinzu kommt, dass die mmWave-Radartechnik auch unter Bedingungen funktionsfähig ist, unter denen Kameras und optische Sensoren wie etwa Lidar ihre Probleme haben. Dunkelheit, gleißendes Sonnenlicht, Regen, Dunst, Nebel und Rauch beeinträchtigen den Betrieb von mmWave-Sensoren dagegen nicht. Außerdem kann Radar Hindernisse wie etwa Glas, Plexiglas und undurchsichtige Kunststoffplatten sowie dünne Trockenbau- und Sperrholzwände durchdringen. Aufgrund dieser Eigenschaften ist mmWave-Radar nicht nur bei widrigen Umgebungsbedingungen funktionsfähig, sondern erlaubt auch eine unauffällige Montage der Sensoren hinter Verkleidungen. Auch an vielen Orten ohne Sichtverbindung ist der Einsatz möglich.

Die meisten mmWave-Sensoren arbeiten nach dem FMCW-Verfahren (Frequency-Modulated Continuous-Wave). Sie senden also anstelle der traditionell üblichen Radarimpulse (Bleeps) fortlaufend ein frequenzmoduliertes Signal aus. Die FMCW-Technik bietet bestimmte Vorteile, wie etwa die Fähigkeit zur präzisen Entfernungsmessung. Als weiteres Feature kommt bei der mmWave-Technik die Fähigkeit hinzu, eine bestimmte Signatur in das Signal hineinzucodieren, sodass mehrere Systeme im selben Bereich arbeiten können, ohne sich gegenseitig zu stören. Die Sender können außerdem mit verschiedenen Zeiten oder Phasen kaskadiert werden, um die Auflösung zu verbessern und mit entsprechender Signalverarbeitung Objekte wie etwa Fußgänger, Haustiere oder andere Tiere, Fahrzeuge, Einkaufswagen, Pylone und weitere Details der Szenerie zu identifizieren, anstatt sich auf die reine Präsenz- und Bewegungserkennung zu beschränken.

Drohnen: Autonomes Fliegen zur Baugrundvermessung oder Paketzustellung.
Drohnen: Autonomes Fliegen zur Baugrundvermessung oder Paketzustellung. (Bild: TI)

Hohe Genauigkeit, klare Bilddarstellung und große Distanzen

mmWave-Radarsensoren sind über einen weiten Entfernungsbereich sehr genau – von einer Distanz von wenigen Zentimetern bis zur Länge eines Stadions. Versuche ergaben, dass ein Sensor in 1 m Entfernung Objekte von einer Größe erkennen kann, die der Dicke einer Münze entsprechen. Bei Entfernungen, die bei der Erfassung von Verkehrsflüssen und Bewegungen von Personen eine Rolle spielen, können die Sensoren große Objekte wie etwa Pkw und Lkw bis in eine Entfernung von 200 m und mehr detektieren.

Da ein mmWave-System Bewegungen um einen Millimeterbruchteil erkennen kann, eignet sich diese Technik zum Erfassen von kleinsten Bewegungen wie etwa des Pulses oder der Wimpernschläge stillsitzender Personen. Die Wahrnehmung derart kleiner Bewegungen kann in Bürogebäuden nützlich sein, in denen es immer wieder vorkommt, dass in Räumen, in denen sich Personen befinden, dass Licht ausgeschaltet wird, weil die Präsenzdetektoren nur relativ große Bewegungen registrieren. Still am Schreibtisch sitzende Personen bleiben deshalb unerkannt. mmWave-Sensoren dagegen würden das Licht eingeschaltet lassen, denn sie würden kleine Bewegungen wie das Schreiben auf der Tastatur oder geringfügige Kopfbewegungen registrieren.

Die Entfernungsmessungen von mmWave-Sensoren sind sehr genau und hochauflösend. Wenn es um Aufgaben wie das Messen des Füllstands in einem Lagertank oder einem Getreidesilo geht, kann der Sensor somit einerseits den Füllstand genau bestimmen, während andererseits beinahe bis auf den letzten Tropen oder das letzte Korn ermittelt werden kann, wann das Material zur Neige geht.

Die hochauflösende 77-GHz-Radartechnik verbessert die Leistungsfähigkeit industrieller Füllstandsmesser-Anwendungen.
Die hochauflösende 77-GHz-Radartechnik verbessert die Leistungsfähigkeit industrieller Füllstandsmesser-Anwendungen. (Bild: TI)

Unter den verschiedenen Techniken, die zum Detektieren entfernter Objekte verwendet werden, füllt die mmWave-Technik eine spezielle Nische aus, sodass sie je nach den Anforderungen der Anwendung allein oder gemeinsam mit anderen Sensing-Technologien eingesetzt werden kann. Die mmWave-Technik ragt beispielsweise durch ihre Fähigkeit zur Verfolgung der Geschwindigkeiten und Winkel mehrerer sich bewegender Objekte heraus. Außerdem kann das Sichtfeld des Sensors auf einen kleinen Winkel eingeengt werden. Mit diesen Eigenschaften erlaubt die Technik eine intelligente Verkehrssteuerung. Zum Beispiel lässt sich eine Ampel mit einem kleinen Sensor im Gehäuse des Systems steuern, anstatt eine Leiterschleife, die abgesehen davon periodisch erneuert werden muss, in die Fahrbahn einzubauen. In einer Smart City können Sensoren, die an wichtigen Stellen von Straßen und Schnellstraßen installiert werden, den Verkehrsfluss überwachen und umgehend Entscheidungen fällen (z. B. Sperren einer Auffahrt im Fall eines Staus), während diese Aktion gleichzeitig an eine Steuerzentrale gemeldet wird.

Die Radarsensoren können u.a. an einer Kreuzung an der Haltelinie (1) oder am Ampelmast (2) montiert werden, wobei letzteres keinen Einbau in die Fahrbahndecke erfordert.
Die Radarsensoren können u.a. an einer Kreuzung an der Haltelinie (1) oder am Ampelmast (2) montiert werden, wobei letzteres keinen Einbau in die Fahrbahndecke erfordert. (Bild: TI)

In Sicherheits-Anwendungen, die mit dem Zutritt zu einem Gebäude und dessen Belegung zu tun haben und somit bei Bränden oder anderen Notfällen von kritischer Bedeutung sind, können mmWave-Sensoren Personen auf dem Gelände verfolgen, auch wenn diese für Kameras nicht direkt sichtbar sind. Da mmWave-Sensoren zum Fällen von Entscheidungen nicht auf visuelle Bilder angewiesen sind, können sie auch in Bereichen wie etwa Toiletten und Umkleideräumen, in denen Kameras zum Schutz der Privatsphäre nicht zugelassen sind, für Schutz und Sicherheit sorgen. Für den routinemäßigen Schutz kann mmWave-Radarsensorik die Häufigkeit von Fehlalarmen verringern, die bei reinen Videosystemen entstehen. Hierdurch lässt sich hierdurch der Zeit- und Kostenaufwand sparen, der für die Reaktion auf solche unnötigen Vorkommnisse entstünde.

Mehr Intelligenz für Mobil- und Bewegungssysteme in Fahrzeugen

In Fahrzeugen unterstützt die mmWave-Radartechnik die Fahrassistenzsysteme sowie die stetige Weiterentwicklung des automatisierten Fahrens. ADAS-Funktionen sind beispielsweise der Abstandsregeltempomat, automatische Bremsfunktionen, die Objekterkennung beim Rückwärtsfahren, die Totwinkelerkennung, der Spurwechselassistent und die Querverkehrswarnung. Bei allen diesen Systemen dient das Radar zur Detektierung von Objekten, Fußgängern und anderen Fahrzeugen sowie der Verfolgung ihrer Entfernungen, Geschwindigkeiten und Wege. Da sich Pkw und Lkw in einem komplexen Umfeld bewegen, sind unterschiedliche Sensoren erforderlich, um ein möglichst umfassendes Bild des Fahrwegs zu erfassen. mmWave-Radarsensoren arbeiten also im Zusammenwirken mit Kameras, Ultraschall und Lidar, wobei jeder Sensortyp seine jeweiligen Stärken einbringt, um die anderen zu ergänzen. Die einzigartige Fähigkeit der Radartechnik, bei Nacht und schlechten Sichtverhältnissen zu „sehen“, macht die mmWave-Sensoren zu einem entscheidenden Bestandteil der gesamten Sensorausstattung eines Fahrzeugs.

Doch auch im Innenraum des Fahrzeugs kommt der mmWave-Radartechnik eine Aufgabe zu. So kann die Detektierung kleinster Bewegungen zur Überwachung der Atem- und Herzfrequenz von Personen dienen. Diese Möglichkeit zur Feststellung, ob der Fahrer wach ist, leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit, zumal sich die Tendenz zum Einschlafen mit zunehmender Automatisierung des Fahrens verstärken wird. Um die Sicherheit geht es auch, wenn ein Kleinkind in einem heißen Auto eingeschlossen wird. Ein mmWave-Sensor kann das Kind detektieren und die Alarmanlage des Fahrzeugs aktivieren. Per Radar können auch Insassen erkannt werden, um eine angenehmere Klimatisierung zu erreichen, und beim Öffnen der Tür lässt sich ein Beschädigen eines benachbarten Fahrzeugs vermeiden. Bei künftigen Innovationen mit Head-up-Displays lässt sich per Radar die Blickrichtung des Fahrers ermitteln, um das Display dort zu platzieren, wo es im Interesse optimaler Sichtbarkeit hingehört.

Obwohl ihre Entwicklung ursprünglich durch den Automotive-Markt vorangetrieben wurde, findet die mmWave-Radartechnik auch bei anderen mobilen Anwendungen breite Anwendung. Zum Beispiel können auch Arbeits- und Baufahrzeuge sowie landwirtschaftliche Fahrzeuge von der Radarführung profitieren. Bei Lastwagen und Gabelstaplern können mmWave-Radarsensoren Informationen darüber liefern, wie nah sich das Fahrzeug an Laderampen und anderen Strukturen befindet. Schwere Maschinen wie zum Beispiel Planierraupen, Bagger und Landmaschinen können diese Technik nutzen, um stationäre und bewegliche Hindernisse zu umfahren und Aufgaben im Bauwesen, bei der Ernte und bei der Bodenbearbeitung effektiver zu erledigen.

Gabelstapler: Intelligente Sicherheit durch Detektierung von Objekten bei eingeschränkter Sicht.
Gabelstapler: Intelligente Sicherheit durch Detektierung von Objekten bei eingeschränkter Sicht. (Bild: TI)

Da die Erkennung von Fahrzeugbewegungen unabhängig von einem etwaigen Schlupf der Räder erfolgt, kann die mmWave-Technik auch die gleichmäßige Saatgutverteilung gewährleisten.

ADAS-ähnliche Leitfunktionen benötigen auch kleinere Systeme, die sich bewegen und vielleicht sogar fliegen. Drohnen beginnen Landwirten beim Spritzen der Bestände zu unterstützen und können letztendlich sogar zur Auslieferung dienen. Für die Navigation sowie das Beobachten oder Vermessen von Flächen können Drohnen erheblich von der mmWave-Technik Gebrauch machen. Logistikroboter kommen in großen Lagergebäuden zum Einsatz, wo sie zum Einlagern, Holen und Liefern von Ware genutzt werden. Je ausgefeilter die Lenkung und Bewegungssteuerung ist, um so weniger starr muss die Lagerfläche organisiert werden und umso mehr Roboter sich auf derselben Fläche einsetzen. Bei der Erledigung eines Auftrags kann die Lenkung per mmWave-Technik die Auslastung und Flexibilität der Roboter innerhalb des Bereichs verbessern, sodass ein und dasselbe Lager in kürzerer Zeit mehr Lieferungen erledigen kann.

Roboter, die an Fertigungslinien eingesetzt werden oder für andere Aufgaben in einer Fabrik wie zum Beispiel das Testen dienen, sind häufig an einem festen Platz installiert, besitzen aber Arme mit einem weiten Bewegungsbereich. Immer häufiger werden Roboter aber für die unmittelbare Zusammenarbeit mit Menschen konstruiert. Üblicherweise stattet man solche Roboter mit optischer Sensorik (d. h. mit Lidar oder 3D-Time-of-Flight-Technik) aus, um die Aufgaben zu steuern und sowohl die Mitarbeiter als auch Anlagen vor Kollisionen zu bewahren. mmWave-Radar kann zusätzliche tätigkeitsrelevante Informationen beisteuern und die Fähigkeiten der Maschine erweitern, indem dem Roboter beispielsweise die Fähigkeit verliehen wird, verschiedene Materialien zu unterscheiden. Hinzu kommt, dass sich die Bedingungen in der Fabrik fortlaufend ändern, sodass aus Sicherheitsgründen mehr als eine Art von Sensorik erforderlich ist. mmWave-Radar kann Mitarbeiter identifizieren, wenn sie sich einem Bereich nähern, und gleichsam als „Auge“ des Roboters fungieren, wenn die Sichtverhältnisse durch Staub oder andere Einflüsse beeinträchtigt werden.

Solche zusätzlichen Sensorinformationen können dazu beitragen, dass die Roboter abhängig vom Arbeitsablauf und den Umgebungsbedingungen bei ganz verschiedenen Geschwindigkeiten effizienter arbeiten, anstatt – wie heute üblich – auf eine oder zwei Geschwindigkeiten beschränkt zu sein.

Robotik: Nie dagewesene Genauigkeit im Mikrometerbereich.
Robotik: Nie dagewesene Genauigkeit im Mikrometerbereich. (Bild: TI)

Bewältigung der Herausforderungen des mmWave-Designs

Schon jetzt gibt es eine breite Palette von Anwendungen für die mmWave-Radarsensorik, und ständig werden neue Einsatzgebiete entdeckt. Halbleiterlösungen für die Anforderungen dieser vielfältigen Bereiche müssen eine Vielzahl von Funktionen integrieren, deren Spanne von Hochfrequenz-Transceivern über analoge Funktionen wie etwa Taktbausteine und A/D-Wandler bis zu schnellen Verarbeitungs-Funktionen und Konnektivität reicht. Je nach den Erfordernissen der einzelnen Applikation kann auch Hardwarebeschleunigung und ein programmierbarer digitaler Signalprozessor (DSP) oder ein Mikrocontroller (MCU) erforderlich sein, und die Konnektivität kann sowohl die Netzwerk-Kommunikation als auch gewöhnliche System-Schnittstellen umfassen.

Die hohen Frequenzen und die große Funktionsvielfalt können das Design von mmWave-Radarsensoren zu einer komplizierten Angelegenheit machen, wenn mit diskreten Bauteilen gearbeitet wird. Die Single-Chip-Integration dagegen erspart den Systementwicklern eine Menge Arbeit (Bild 3). Da es im mmWave-Bereich mehrere Teilbänder im ISM-Band (mit bestimmten länderspezifischen Unterschieden) gibt, müssen Halbleiter-Lösungen hinsichtlich der HF-Technik so flexibel sein, dass sich Transceiver für unterschiedliche Anforderungen realisieren lassen. Als weitere hilfreiche Faktoren für die Entwickler kommen die System-Miniaturisierung und der geringe Stromverbrauch hinzu, denn die Systeme werden häufig unter beengten Platzverhältnissen verbaut und beziehen ihren Strom gelegentlich aus Batterien. Da sich das Design von mmWave-Antennen ebenfalls komplex gestalten kann und die Software für eine bestimmte Anwendung oftmals Signalverarbeitungs-Know-how voraussetzt, kommt der Entwicklungs-Unterstützung in diesen Bereichen große Bedeutung zu.

Angesichts der vielen Herausforderungen, die die Implementierung von mmWave-Radaranwendungen birgt, benötigen Systementwickler optimierte Angebote mit erhöhtem Integrationsgrad, damit letztendlich möglichst viele Design-Herausforderungen bewältigt werden. Gemäß diesem Bedarf erarbeitet TI mmWave-Radartechnologien bestehend aus der Hardware, der Software und den Tools, die die Entwickler von Sensing-Anwendungen brauchen. So stellte TI den branchenweit ersten Single-Chip-mmWave-Sensor in CMOS-Technologie vor, um die Designkomplexität, den Platzbedarf und den Stromverbrauch zu minimieren. Mit seinem Know-how in der CMOS-basierten HF-Technik ist TI in der Lage, die Sendefrequenzen an die jeweiligen Marktanforderungen anzupassen und unterschiedliche Sensing-Lösungen auf den Verarbeitungsbedarf verschiedener Automotive- und Industrie-Märkte maßzuschneiden. Die mmWave-Radarbausteine enthalten darüber hinaus standardmäßige I/O-Ports und Anbindungen an Industrie-Netzwerke wie etwa CAN. Falls es die Applikationen erfordern, erlaubt das fundierte Netzwerk-Know-how von TI hier eine weitergehende Integration.

Komplettlösungen beinhalten eingehende Unterstützung mit Evaluation Modulen und Referenzdesigns für eine große Zahl von Anwendungen sowie downloadbarem Quellcode, um die Produktentwicklung zu beschleunigen und schneller Einnahmen erwirtschaften zu können. Online-Labors und Experimente, zu deren Umfang auch Quellcode und Testinformationen gehören, veranschaulichen die zahlreichen innovativen Einsatzmöglichkeiten der Radar-Sensorik von der Personenverfolgung über die Füllstandsmessung, automatische Türen und Roboter bis zur Verkehrsüberwachung, um nur einige zu nennen. Zusätzliche Unterstützung steht Kunden in Form eines ganzen Ökosystems an Co-Entwicklern zur Verfügung, die sich auf Designs, Software und Entwicklungs-Tools spezialisiert haben, um Hilfestellung bei der Implementierung der mmWave-Technologie zu leisten.

Die mmWave-Radarsensorik steht an der Schwelle zum Einstieg in ein mehrdimensionales Anwendungsgebiet, und TI arbeitet an Innovationen, um seine Produkte und seinen Support zusammen mit dem Markt wachsen zu lassen. Abgesehen davon, dass durch die Integration von Funktionen und die Entwicklung von Software mehr Bauelemente für mehr Anwendungen maßgeschneidert werden, werden die bereichsübergreifenden technologischen Weiterentwicklungen von TI dabei helfen, neue Arten von Radar-Anwendungen zu ermöglichen, um den Systementwicklern vermehrte Möglichkeiten zur Umsetzung ihrer Visionen bieten. Zu den Gebieten für potenzielle Entwicklungen gehören die Vereinfachung des Antennendesigns, die Kaskadierung mehrerer Sensoren im Interesse einer höheren Auflösung, die Hyperspektral-Bildgebung, Algorithmen für fortschrittliche Funktionen und vieles mehr.

Wie sich per mmWave-Sensoren Fahrzeuginsassen erkennen und schützen lassen

Wie sich per mmWave-Sensoren Fahrzeuginsassen erkennen und schützen lassen

31.08.18 - Um die Insassen eines Fahrzeuges effektiv zu schützen, ist es elementar, exakt festzustellen, ob und auf welchen Sitzen sich Personen in einem Fahrzeug befinden. Die Millimeterwellen-Sensortechnik (mmWave) kann die Präsenz einer Person selbst unter schwierigen Bedingungen wie etwa in hellem Sonnenlicht oder bei Dunkelheit erkennen. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45494210 / Sensoren)