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Mehr Empathie im Straßenverkehr durch Virtual Reality

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Auf unseren Straßen sind mehr Menschen unterwegs als jemals zuvor, darunter eine stetig steigende Zahl an Fahrradfahrern. Das Klima zwischen den Verkehrsteilnehmern ist dabei nicht immer konfliktfrei. Ford will nun mit dem Virtual Reality Erlebnis „WheelSwap“ für mehr gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr zu sorgen.

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Die sogenannte „WheelSwap“-Simulation ist ein Teil der Share The Road-Kampagne von Ford. Ziel ist das gegenseitige Verständnis im Straßenverkehr signifikant zu erhöhen.
Die sogenannte „WheelSwap“-Simulation ist ein Teil der Share The Road-Kampagne von Ford. Ziel ist das gegenseitige Verständnis im Straßenverkehr signifikant zu erhöhen.
(Bild: Clipdealer)

Stuttgart, Essen, Berlin, Dortmund und Köln erreichen im ADFC Fahrradklima-Test in der Gesamtbewertung die schlechtesten Schulnoten der Großstädte mit mehr als einer halben Millionen Einwohner. Das Virtual Reality Erlebnis ermöglicht Autofahrern und Radfahrern in den fünf Städten, kritisches Verhalten im Straßenverkehr aus der jeweils anderen Perspektive zu erleben. Die Simulation soll so einen Anstoß für mehr Verständnis und Respekt im Straßenverkehr setzen.

Und der Perspektivwechsel hilft: Die Mehrheit aller Teilnehmer ist bereit, sein Verhalten gegenüber dem jeweils anderen Verkehrsteilnehmer zu überdenken. Grundsätzlich gilt, dass bereits über 70 Prozent der Teilnehmer angeben, sich sehr aufmerksam im Straßenverkehr zu bewegen. Dennoch sensibilisiert das VR-Erlebnis zusätzlich: Nachdem sie in die Rolle des jeweils anderen Verkehrsteilnehmers geschlüpft sind, setzten sich 87 Prozent aller Teilnehmer das Ziel, sich in Zukunft noch achtsamer im Straßenverkehr zu bewegen. Insbesondere diejenigen, die im virtuellen Raum das Verkehrsgeschehen aus Sicht eines Fahrradfahrers durchleben, haben die Absicht ihr Verhalten insbesondere gegenüber Fahrradfahrern zu ändern (52 Prozent).

Angespanntes Klima auf Deutschlands Straßen

Dass das Verhältnis von Auto- und Radfahrern auf den deutschen Straßen nicht immer einfach ist, zeigt die Befragung der Probanden. Die Antworten liefern Einblick in ein gespaltenes Verhältnis: Fragt man ohne jede Wertung danach wer bei einem Unfall zwischen Auto und Rad Schuld hat, sehen rund ein Drittel der Befragten den Fehler nur beim Autofahrer. Das negative Bild des Autofahrers ist besonders in der Altersgruppe der unter 18-jährigen verbreitet – hier sehen fast die Hälfte der Teilnehmer das Fehlverhalten bei dem Autofahrer. Je älter die Befragten, desto eher werden Fehler auch auf beiden Seiten gesehen.

Auch die Schilderungen konkreter Erfahrungen im Straßenverkehr zeichnen ein angespanntes Bild. So berichten mehr als die Hälfte aller Befragten Radfahrer von aggressivem Verhalten in Sprache und Gesten von Autofahrern. Auch Situationen physischer Konfrontation und tätlicher Angriffe sind keine Seltenheit. Von Radfahrern geht im direkten Vergleich weit weniger Aggression aus, dennoch erlebten die Autofahrer auch fragwürdiges Verhalten bis hin zu tätlichen Angriffen von Radlern.

Im Städtevergleich ergeben sich besondere Schwerpunkte: Spitzenreiter im Fluchen sind die Dortmunder Autofahrer (84 Prozent). Unhöfliche Gesten wurden besonders in Stuttgart (84 Prozent), physische Konfrontationen in Köln (35 Prozent) und tätliche Angriffe in Köln sowie Essen (je 16 Prozent) registriert. Dortmunder sind am häufigsten Zeugen von fluchenden Fahrradfahrern (82 Prozent). Die Berliner Fahrradfahrer neigen hingegen weit überdurchschnittlich zu physischer Konfrontation (27 Prozent). Von körperlichen Angriffen von Radlern wissen aber besonders die Kölner (7 Prozent) und Essener Befragten zu berichten (6 Prozent).

Schulung für Paketboten

Auch Fahrer des Hermes-Paketdienstes haben mittels Virtual Reality die Möglichkeit erhalten, kritische Verkehrssituationen aus der Perspektive eines Radfahrers zu erleben. Mehr als 35 Fahrer des Hermes-Paketdienstes nahmen an einer „WheelSwap“-basierten Schulung in einem Londoner Depot teil. Hermes liefert jährlich 390 Millionen Pakete aus und beschäftigt Tausende von Lieferfahrern. Die Übung bot den Paketboten eine nützliche Gelegenheit, die Straße aus einer anderen Perspektive zu betrachten. 88 Prozent waren sich einig, dass die Erfahrung sie ermutigen würde, ihr künftiges Verhalten tatsächlich zu ändern.

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