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M&A-Aktivitäten – Der Kampf um die Zukunft des Autos spitzt sich zu

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Europa verzeichnete 2018 mit 39 Prozent die meisten M&A-Aktivitäten im Bereich Autotech – noch vor Nordamerika und den Asien-Pazifik-Staaten (APAC). Doch gemessen am globalen M&A-Transaktionsvolumen kommt Europa nur noch eine untergeordnete Rolle zu.

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Bei den weltweit aktivsten Autotech-Investoren liegt Bosch mit 41 Deals an der Spitze, BMW (29) folgt auf Platz drei und Daimler (26) auf Rang fünf.
Bei den weltweit aktivsten Autotech-Investoren liegt Bosch mit 41 Deals an der Spitze, BMW (29) folgt auf Platz drei und Daimler (26) auf Rang fünf.
( Bild: GP Bullhound )

Das Beratungsunternehmen GP Bullhound hat seinen Report Autotech: “The Mother of All Tech Battles” vorgestellt. Im Fokus stehen dabei die

vier Schlüsselbereiche, die den Automobilsektor in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren erheblich verändern werden: Autonomes Fahren, E-Mobilität, Shared Mobility und Connected Cars. Ein Ergebnis der Auswertung: Europa spielt mit lediglich 7 Prozent Anteil am globalen M&A-Transaktionsvolumen nur eine untergeordnete Rolle, obwohl hiesige Unternehmen für mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Anzahl aller weltweiten Transaktionen im Autotech-Sektor verantwortlich sind. In Europa sind somit die Transaktionen deutlich kleiner als auf den anderen Kontinenten.

Deutlich wird außerdem, dass die M&A-Aktivitäten in Europa, Asien und Nordamerika in den letzten Jahren stetig gestiegen sind und mit 166 Transaktionen 2018 einen Rekordwert erreichten – im Vorjahr waren es noch 144. Obwohl Europa der weltweit aktivste Markt für Autotech-M&A-Transaktionen ist, sind beim Transaktionsvolumen der Asien-Pazifik-Raum und Nordamerika mit 72 Prozent bzw. 21 Prozent weiterhin führend. Der Gesamtwert der weltweiten Fundraising-Aktivitäten im Automobil-Tech-Sektor stieg in den letzten fünf Jahren um 293 Prozent auf 27 Milliarden Euro.

„Der europäische Autotech-Sektor ist in den letzten Jahren immer stärker geworden und die Zahlen in unserem Bericht belegen bedeutende Innovationen und Investitionen auf dem gesamten Kontinent. Die nächste Herausforderung für die europäischen Unternehmen aus der Automobil-Technologie-Branche besteht darin, weiter zu skalieren, um gegenüber den großen Anbietern wettbewerbsfähig zu bleiben. Erschwert wurde dies bisher durch die Tatsache, dass europäische Unternehmen schlicht Schwierigkeiten damit haben, Finanzierungen in der gleichen Größenordnung zu erhalten wie die Konkurrenz aus dem APAC-Raum und Nordamerika”, kommentiert Sven Raeymaekers, Partner bei GP Bullhound.

Der neue Report zeigt außerdem, wie die Technologie-Riesen – darunter Google, Intel, Tesla und Uber – etablierte Automobilunternehmen zunehmend herausfordern, wenn es um Innovationen beim autonomen Fahren, Connected Cars, Elektrofahrzeugen und Shared Mobility-Lösungen geht. So ist Tesla in den USA auf dem besten Weg, die beiden deutschen Vorzeige-Automobilhäuser BMW und Mercedes-Benz in Sachen Verkaufszahlen zu überholen. Gleichzeitig gaben mehrere bekannte Automobilhersteller kürzlich Gewinnwarnungen heraus.

„Der Kampf zwischen den globalen Technologie-Riesen und den traditionellen Automobilherstellern hat längst begonnen. Klar ist: Die Größen der Tech-Szene haben den Vorteil, dass sie auf viel größere Ressourcen zurückgreifen können. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass sich die klassischen Hersteller bereits geschlagen gegeben haben. Im Gegenteil: Sie investieren gerade in erheblichem Maße in die vier in unserem Report hervorgehobenen Schlüsselsektoren. Natürlich profitieren sie auch davon, dass ihnen Verbraucher bereits vertrauen. Deshalb glaube ich, dass der Kampf um die Zukunft der Autoindustrie noch lange nicht entschieden ist", ergänzt Guillaume Bonneton, Partner bei GP Bullhound.

Die Zahlen des Reports machen zudem deutlich: Autonomes Fahren dürfte der Shared Mobility in Zukunft im Rennen um den bedeutendsten Autotech-Sektor Konkurrenz machen. Darauf deutet das deutlich gestiegene Transaktionsvolumen hin, das zwischen 2014 und 2018 von 0,2 Milliarden auf satte 8 Milliarden Euro anstieg. Gleichzeitig näherte sich das durchschnittliche Transaktionsvolumen mit 70 Millionen Euro für autonomes Fahren im zurückliegenden Jahr dem der Shared Mobility mit 75 Millionen Euro pro Transaktion stark an. Zudem gingen die Investitionen in den Shared Mobility-Sektor deutlich zurück: Gab es 2017 noch ein Dealvolumen in Höhe von 17 Milliarden Euro, waren es 2018 noch 8 Milliarden Euro.

Der Report von GP Bullhound listet zudem die weltweit aktivsten Autotech-Investoren zwischen 2014 und 2018 auf. Grundlage ist die Anzahl der Deals. Dabei zeigt sich, dass gerade deutsche Unternehmen besonders umtriebig sind: So liegt Bosch mit 41 Deals an der Spitze, BMW (29 Deals) folgt auf Platz drei, während Daimler mit 26 Transaktionen auf dem fünften Rang landet.

Mit Blick auf die Zukunft identifiziert der Bericht die Mikromobilität – mit Fahrrädern, Rollern und Mopeds – als eines der Marktsegmente mit dem größten Wachstumspotenzial. So stiegen die Investitionen im Segment der Shared Scooter von 12,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 3,1 Milliarden Euro bis Ende 2018.

Der vollständige Report Autotech: The Mother of All Battles steht hier zum Download bereit.

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