Ein Angebot von /

Luftverschmutzung – Welche Rolle Öko-Routing für Großstädte spielen kann

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Siemens Mobility, ThinxNet und Hawa Dawa optimieren Fahrtrouten um die Luftbelastung zu in Großstädten gezielt zu reduzieren.
Siemens Mobility, ThinxNet und Hawa Dawa optimieren Fahrtrouten um die Luftbelastung zu in Großstädten gezielt zu reduzieren. (Bild: Clipdealer)

Können Großstädte wie München ihre Umweltschutz-Ziele mit einer intelligenten Infrastruktur schneller erreichen? Mit Hilfe von Echtzeit-Sensoren bekamen 1.600 Autofahrer alternative Verkehrsrouten um die Luftverschmutzung an Hotspots zu reduzieren. Doch wie war die Resonanz? Und welche Einsparungen konnten bei Stickoxide, Kohlendioxid und sogar Gesamtfahrleistung erzielt werden?

Siemens Mobility, ThinxNet und Hawa Dawa haben vor kurzem das Pilotprojekt "Saubere Luft in München" (SLIM) abgeschlossen, das Autofahrer motiviert individuelle, umweltschonende Routen zu verwenden und in der Folge die Luftverschmutzung an Hotspots reduziert. Das Pilotprojekt basiert auf einem alternativen Ansatz zur allgemeinen City-Maut, der auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombiniert werden könnte, um die intermodale Mobilität zu verbessern.

Die Ergebnisse

Das Projekt nutzte Echtzeit-Sensoren zur Messung der Luftverschmutzung und analysierte die Daten, um den Verkehr optimal in ganz München zu steuern. Den teilnehmenden Autofahrern wurden auf der von ThinxNet entwickelten Plattform "ryd" individuelle, alternative Fahrempfehlungen zur Verfügung gestellt. Das vierwöchige Pilotprojekt wurde im November 2018 gestartet und erbrachte vielversprechende Ergebnisse. 35 bis 40 Prozent der Fahrer waren bereit, den individuellen Routen zu folgen und zur Verringerung der Luftverschmutzung beizutragen.

Erste Ergebnisse des Pilotprojekts sind die Einsparung von 83 Kilogramm Kohlendioxid und 114 Gramm Stickoxide durch die über 1.600 beteiligten Autofahrer und eine um 633 Kilometer reduzierte Gesamtfahrleistung neben dem Hauptziel der Reduzierung der Luftbelastung an Hotspots. Wenn das Programm auf 20.000 Fahrer innerhalb einer Stadt ausgedehnt würde, wären die Einsparungen gleichbedeutend mit der Anpflanzung von mehr als einem Hektar bewaldeter Fläche.

Das Clean-Air-Projekt sollte beweisen, dass Großstädte wie München und viele andere Städte ihre Umweltschutz-Ziele mit einer intelligenten Infrastruktur schneller erreichen könnten. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat München die zweithöchste Stickstoffdioxid-Belastung in Deutschland. Der Verkehr in München gehört nach der Traffic Scorecard von Inrix anhaltend zu denen in Deutschland, die am stärksten unter Staus zu leiden haben. Autofahrer stehen hier durchschnittlich 51 Stunden pro Jahr im Stau. Die Europäische Kommission schätzt die durch Luftverschmutzung verursachten Gesundheitskosten innerhalb der EU auf 330 Milliarden Euro bis 940 Milliarden Euro pro Jahr. Den größten Anteil daran hat der Straßenverkehr.

"Durch vernetzte Mobilität können wir nicht nur die Effizienz des Verkehrs verbessern, sondern auch seine Umweltbelastung reduzieren. Unser Digital Lab ist führend bei der Nutzung von Datenanalyse und künstlicher Intelligenz im Straßenverkehr. Damit tragen wir aktiv zur Verbesserung der Luftqualität in München bei", sagt Michael Peter, CEO von Siemens Mobility.

Die Hintergründe

Hawa Dawa lieferte lokale Schadstoffprognosen an das Intelligent Traffic Systems Digital Lab von Siemens Mobility, wo Data Scientists und Verkehrsmanagement-Experten die Daten zusammen mit anonymisierten Fahrdaten der Smart-Car-Plattform ryd analysierten. Daraus wurden individuelle, umweltfreundliche Routen ermittelt. Die vorgeschlagenen "grünen" Routen wurden den ryd-Nutzern bei Fahrtantritt über eine App zur Verfügung gestellt. Die beteiligten Autofahrer wurden durch einen Wettbewerb im Pilotprojekt-Zeitraum zur Nutzung der alternativen Routen motiviert. Während des Wettbewerbs erhielten die umweltfreundlichsten Fahrer ryd-Punkte, die zum Beispiel in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden konnten.

"Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen dieses Pilotprojekts. Sie beweisen, dass die ryd-Community einen entscheidenden Beitrag leisten kann und dass unsere Daten für Smart-City-Anwendungen nützlich sind. Als offene Plattform freuen wir uns darauf, unser Know-how in ein gemeinsames Produkt mit Siemens Mobility und Hawa Dawa einzubringen und neue Wege zu sauberer Luft in unseren Städten aufzuzeigen", sagt Johannes Martens, Geschäftsführer der ThinxNet GmbH, welche die ryd-Plattform entwickelt hat.

"Wir glauben, dass individuelles Öko-Routing für einzelne Fahrzeuge ein extrem hohes Potenzial als politische Option zur Bekämpfung verkehrsbedingter Luftverschmutzung in Städten hat. Unser Pilotprojekt konnte in kurzer Zeit die positiven Effekte auf das individuelle Verhalten nachweisen. Das deutet auf das riesige ungenutzte Potenzial hin, neben anderen intelligenten Mobilitätsoptionen in Ballungsräumen auch ökosensitive Routen auszuprobieren. Der Beitrag von Hawa Dawa zur Überwachung, Vorhersage und Beeinflussung der Luftqualität ist einen entscheidender erster Schritt bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung", erklärte Karim Tarraf, Geschäftsführer von Hawa Dawa.

Längerfristig wollen die Projektpartner andere europäische Städte bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele und beim Ausbau von intermodalen Mobilitätskonzepten unterstützen.

Brennstoffzelle – Im Schatten der Batteriemobile

Brennstoffzelle – Im Schatten der Batteriemobile

07.03.19 - Die Brennstoffzelle ist der Batterie in vielerlei Hinsicht überlegen – und hat den Wettkampf dennoch vorerst verloren. Ein Hauptargument sind die Infrastrukturkosten. Dieses Kräfteverhältnis ist wandelbar, doch die zu nehmende Hürde wäre enorm. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Ich begrüße JEDE Maßnahme, die hilft, die Umweltbelastung zu reduzieren, teile aber die Skepsis...  lesen
posted am 08.03.2019 um 16:56 von Eseck

Sollte der immer weiter wachsende Verkehr in den Städten nicht eher durch low tech Lösungen...  lesen
posted am 08.03.2019 um 12:13 von Unregistriert

20000 Autofahrer können so viel Abgase und Schadstoffe vermeiden wie 1 Hektar Wald??? Das ist doch...  lesen
posted am 08.03.2019 um 11:13 von Unregistriert

Interessant wäre, wie die Hochrechnung von 1.600 auf 20.000 Teilnehmer gemacht wurde. Denn die...  lesen
posted am 08.03.2019 um 09:52 von bholzmayer


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45789891 / Forschung)