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Lithium – Deutschlands Griff nach dem „weißen Gold“

| Autor / Redakteur: Georg Ismar / Benjamin Kirchbeck

Bolivien, Uyuni: Aus einem Kanal werden Rohstofflösungen, die unter der Salzkruste des Salars de Uyuni in Bolivien lagern, abgesaugt. Ein deutsches Unternehmen soll nun erstmals direkten Zugriff in Südamerika auf den für Batterien von Elektroautos notwendigen Rohstoff Lithium bekommen.
Bolivien, Uyuni: Aus einem Kanal werden Rohstofflösungen, die unter der Salzkruste des Salars de Uyuni in Bolivien lagern, abgesaugt. Ein deutsches Unternehmen soll nun erstmals direkten Zugriff in Südamerika auf den für Batterien von Elektroautos notwendigen Rohstoff Lithium bekommen. (Bild: dpa)

Im Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien schlummern die größten Lithiumreserven der Welt. Nun bekommt erstmals ein deutsches Unternehmen darauf Zugriff. Doch der Deal zeigt mehr denn je auch die Probleme im Ringen um das „weißes Gold“ auf: Wer die Produktionsstätten im Salzsee besucht, fühlt sich hier, auf 3.600 Metern Höhe, mitten in China.

Salz, so weit das Auge reicht. Mittendrin surreal anmutende Lagunen, mal türkis, mal rot-violett, gesäumt von Flamingos, bizarren Steinformationen und meterhohen Kakteen. Der Salar de Uyuni, der größte Salzsee der Welt, ist für viele der Höhepunkt einer Südamerikareise. Natur pur, tagelang geht es mit dem Jeep durch das bolivianische Hochland. Aber noch lukrativer als das Geld der Touristen ist der Schatz, der unter der Kruste schlummert.

„Lithium ist das neue Erdgas“, sagt Boliviens linker Präsident Evo Morales. Der dienstälteste Staatschef Südamerikas ist schon seit 2006 im Amt und hat mit den Erdgasmilliarden die Armen mit Sozialprogrammen beschenkt. Nach jahrelanger Forschung und Abwägung will Bolivien nun verstärkt mit ausländischen Partnern zusammenarbeiten, um den Schatz im Salar de Uyuni zu heben. Denn Lithium wird für Batterien von Elektro-Autos benötigt.

Der Salzsee ist so riesig, dass die Touristen das nicht mitbekommen sollen. Aber Anwohner fürchten, dass am Ende die Förderung immer weiter ausgeweitet werden könnte. Der politische Direktor des Lithium-Programms, Juan Carlos Montenegro, hat in Heidelberg Mineralogie studiert und betont: Nur 0,4 Prozent des Salzsees würden zunächst industriell ausgebeutet, das sind etwa 40 Quadratkilometer.

Er ist auch nach Deutschland gereist zu einer Vertragsunterzeichnung am Mittwoch in Berlin, auch der Außen-, und der Energieminister sind dabei, sowie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Kanzlerin Angela Merkel hatte Morales schon vor längerem eine Lithiumpartnerschaft vorgeschlagen. Das Unternehmen ACI Systems Alemania aus dem baden-württembergischen Zimmern ob Rottweil

(ACISA) und das bolivianischen Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) werden eine Gemeinschaftsfirma bilden. Ab 2021 wollen sie jährlich 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid über 70 Jahre in dem größten Lithiumvorkommen der Welt fördern.

„Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht-heimische Rohstoffe“, sagt ACISA-Chef Wolfgang Schmutz. „Dies ist insbesondere

für die deutsche Automobilindustrie von Bedeutung.“ Denn die Diesel-Krise zeigt: Die deutsche Automobilindustrie muss umsteuern.

Bis 2023 will VW rund 44 Milliarden Euro für Zukunftstechnologien ausgeben; Audi plant mit 14 Milliarden Euro für die Entwicklung von Elektroautos, Digitalisierung und autonomes Fahren. Doch ohne Lithium, dem Schmierstoff für Batterien mit möglichst langer Reichweite von 300 Kilometern und mehr, geht nichts bei der geplanten E-Auto-Offensive. Daher hat sich auch der Preis je Tonne seit 2016 auf zeitweise weit über 13.000 US-Dollar verdoppelt. Die deutsche Bundesregierung will für die Förderung einer Batteriezellenfertigung bis zu eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern bereitstellen. Und das Lithium für die Batterien könnte eben künftig aus Uyuni kommen.

Gerade in Argentinien, Chile und Bolivien liegen riesige Vorkommen - weil die sogar größer als vermutet sein könnten, waren viele Lihiumwerte an den Börsen stark unter Druck geraten. Aber das dürfte sich schon bald ändern. „Wenn man sich die Pläne etwa von VW, Audi und in China anschaut, ist die Lithiummenge sicher nicht zu klein, sagt Heiner Marx, Vorstandschef des Thüringer Unternehmens K-Utec, das seine Ursprünge im Kali- und Steinsalzbergbau der DDR hat und für die salzverarbeitende Industrie weltweit Projekte plant.

So auch eine erste Anlage im Salar de Uyuni, die rund 15.000 Tonnen Lithiumkarbonat im Jahr fördern soll. Und man setzt auf einen Zuschlag für die Planung der Anlage, mit der ACISA bis zu 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid fördern will. Beide Lithiumverbindungen werden für die Batterieherstellung benötigt, wobei der Anteil von Lithium bei Lithiumhydroxid etwas höher ist. Mit einer Menge von 50.000 Tonnen im Jahr lassen sich Batterien für rund eine Million Elektroautos mit einer Reichweite von über 300 Kilometern fertigen.

Doch der Deal zeigt auch die Probleme im Ringen um einen Zugriff auf das „weißes Gold“. Wer den Aufbau der Produktionsstätten im Salzsee besucht, fühlt sich hier, auf 3600 Metern Höhe, mitten in China. Schriftzeichen, Karaoke, Hühnchen süß-sauer - in der Containersiedlung arbeiten fast nur Chinesen. Ein Unternehmen hat sich schon den Zugriff auf eine riesige Kaliumchlorid-Anlage für Düngemittel mit 350.000 Tonnen Produktionsvolumen pro Jahr gesichert.

Und chinesische Firmen buhlen weiter auch auf einen Zugriff auf die Lithiumvorkommen - wobei Morales bei jedem Gemeinschaftsunternehmen, auch mit ACISA, dafür sorgen will, dass ein satter Teil der Umsätze in Bolivien bleibt. Zudem wurden Anforderungen mehrfach geändert, die Investitionsbedingungen sind nicht gerade stabil. Mangels Geld wurden die Planungen stark verkleinert. „Sie wollten einen weißen Elefanten, herausgekommen ist jetzt erstmal nur eine weiße Maus“, sagt ein Kenner der Planungen. Daher muss sich erst noch zeigen, ob hier für deutsche Unternehmen tatsächlich ein Schatz im Salzsee schlummert.

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–dpa–

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Moderat fairtrade! Ich habe den Artikel überflogen. Technisch ok, auch wenn im Meerwasser mehr...  lesen
posted am 13.12.2018 um 13:04 von Unregistriert

Die Brennstoffzelle hat mehr Zukunft als der Lithiumakku. In ganz normalem Meerwasser ist genügend...  lesen
posted am 12.12.2018 um 18:44 von Unregistriert

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posted am 12.12.2018 um 09:38 von Unregistriert

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posted am 12.12.2018 um 08:02 von Unregistriert


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