Suchen

Ladetarife: Mehr Wettbewerber und steigende Kosten

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Bereits zum dritten Mal wurde der deutsche Markt für mobile Ladestromtarife untersucht. Im Gesamtfeld der knapp 300 Tarife zeigen sich erhebliche Preisunterschiede der Ladetarife für die analysierten E-Automodelle von BMW über Renault, Smart, Tesla bis hin zu VW. Zudem offenbart sich ein deutlicher Preisanstieg der pro Kilowattstunde.

(Bild: Clipdealer)

Die Zahl der Elektrofahrer steigt. Im gleichen Zuge geht der Ausbau der Ladeinfrastruktur stetig voran. Mit knapp 200 Anbietern und nahezu 300 unterschiedlichen Tarifen hat sich die Angebotsseite binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt, wie eine aktuelle Studie zeigt. Immer mehr Anbieter von Autostromtarifen wollen sich auf dem Markt profilieren. Vor allem unterscheiden diese sich im Zugang zur Ladesäule, Vertragslaufzeiten, Bezahlwegen, Verfügbarkeiten und Kosten. Für Verbraucher gestaltet es sich schwierig den Überblick zu behalten, vor allem weil einige Anbieter keine transparente Übersicht über die entstehenden Kosten geben. Zudem hängt die Wahl des Autostromtarifes stark vom jeweiligen Fahrzeugmodell und dem Fahrverhalten ab.

Die angebotenen Tarife reichen von komplett kostenloser Ladekarte im Stadtgebiet bis hin zu kostenintensiven Tarifen an Schnellladesäulen. Manche Anbieter rechnen noch immer nicht nach Kilowattstunde ab, sondern erheben Standzeitgebühren, meist pro Minute, oder Pauschalpreise pro Ladung. Zusätzlich können Kombinationen der drei Abrechnungsmodelle auftreten. Darüber hinaus gibt es ad hoc Ladepreise oder zusätzlich anfallende Roaming-Gebühren, die entstehen können und berücksichtigt werden müssen. Die jährlichen Ladekosten setzen sich demnach aus den Abrechnungskosten und meist auch aus einer monatlichen Grundgebühr zusammen.

Auch in diesem Jahr zeigt sich, dass sich die Preisspanne pro Kilowattstunde und Automodelle sehr individuell gestaltet. Bei einem Renault ZOE kann mit durchschnittlichen Ladekosten von 30 Cent pro Kilowattstunde gerechnet werden. Wobei beim VW e-Golf bis zu vier Mal höhere Ladekosten von 1,25 Euro pro Kilowattstunde bei einem Anbieter entstehen können. Im Durchschnitt liegen die Kosten aller untersuchten Modelle im Bereich zwischen 30 und 35 Cent pro kWh.

Die Variation der Ladekosten hängt zusätzlich stark von den technischen Gegebenheiten der Modelle ab. Es zeigt sich, dass vor allem beim Smart fortwo durch die hohe AC-Ladenutzung Flat-Rate-Tarife oder günstige AC kWh-Preise von Vorteil sind. Beim Tesla hingegen sind vor allem Pauschalpreise interessant, da das Model 3 eine hohe Batteriekapazität aufweist und mit Pauschalpreisen sehr günstig laden kann. Der Arbeitspreis ist darüber hinaus auch mit der Ladeleistung der Säule zu betrachten. Daher kann ein sehr günstiger Tarif auch an eine geringe Ladeleistung gekoppelt sein, was die Ladezeit extrem verlängern kann.

Im Vergleich zum Vorjahr wird ersichtlich, dass die durchschnittlichen Kosten pro Kilowattstunde ansteigen. Jüngstes Beispiel zeigt sich beim Ladesäulenanbieter IONITY, welcher die Preise auf 79 Cent pro Kilowattstunde angehoben hat. Ein stärkerer Ausbau, vor allem in der Schnellladeinfrastruktur bringt hohe Kosten mit sich. Somit muss die wachsende Infrastruktur auch wieder refinanziert werden.

Beim Renault ZOE und VW e-Golf ist dies schon erkennbar, daher steigt der durchschnittliche Ladepreis um 30% bei Renault ZOE und neun Prozent bei VW e-Golf im Vergleich zum Vorjahr an. Wobei darauf hingewiesen werden muss, dass das neue Modell Renault ZOE in diesem Jahr auch mit DC-Lademöglichkeit in die Bewertung eingeflossen ist, wohingegen im letzten Jahr noch ein älteres Modell mit nur AC-Ladung berücksichtigt wurde. Beim VW e-Golf bleiben die teuersten Tarife bei über einem Euro pro Kilowattstunde.

Bildergalerie

„Steigende Ladepreise werden auch in Zukunft zu verzeichnen sein, da vor allem die Schnellladeinfrastruktur ausgebaut wird und höhere Kosten mit sich bringt. Der Markt befindet sich noch am Anfang und bis sich die Kosten einpendeln, wird es noch eine Weile dauern. Dennoch wird deutlich, dass auch die Höhe der Kilowattpreise im Zusammenhang mit Ladezeit und Ladeleistung steht“, erläutert Christine Koch, Projektleiterin der Studie bei EUPD Research.

(ID:46635762)