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Kündigungswelle bei Tesla: Druck auf Elon Musk steigt

| Autor / Redakteur: Hannes Breustedt, dpa / Michael Eckstein

USA, Fremont, 2017: Tesla-Chef Elon Musk stellt auf dem eigenen Fabrikgelände den Wagen Model 3 vor. Damit Tesla endlich Geld verdient, feuert er jetzt etliche Mitarbeiter.
USA, Fremont, 2017: Tesla-Chef Elon Musk stellt auf dem eigenen Fabrikgelände den Wagen Model 3 vor. Damit Tesla endlich Geld verdient, feuert er jetzt etliche Mitarbeiter. (Bild: Andrej Sokolow/dpa)

Schocknachricht für Tesla-Mitarbeiter: Mitten in der Startphase des neuen Model 3 hagelt es Kündigungen. Obwohl Firmenchef Elon Musk betont, dass ihn Gewinne nicht motivieren, will er die Kosten senken und profitabel werden. Anders sei Teslas „Mission“ nicht zu erfüllen.

Der Produktionsstart von Teslas Hoffnungsträger „Model 3“ läuft alles andere als glatt. Offenbar damit die Kosten nicht vollends aus dem Ruder laufen, verordnet Unternehmenschef Elon Musk dem Elektroauto-Hersteller nun eine Verschlankungskur: Fast jeder zehnte Mitarbeiter soll gehen. Die Entscheidung sei „schwierig, aber notwendig“, heißt es in einer E-Mail an die Tesla-Kollegen, die Musk am Dienstag per Twitter teilte. Der Firmenchef begründete den Schritt mit der „Notwendigkeit, Kosten zu senken und profitabel zu werden“. Noch in dieser Woche würden die betroffenen Mitarbeiter informiert.

Wie viele Kündigungen es konkret gibt, ist bislang nicht ganz klar. Aus dem letzten Jahresbericht von Tesla geht hervor, dass das Unternehmen Ende 2017 rund 37 500 Mitarbeiter hatte. Damit wären weit über 3000 Jobs betroffen. Angesichts der rasanten Expansion und der Einstellungsoffensive im Zusammenhang mit dem Model 3 dürfte die Beschäftigung in diesem Jahr jedoch noch kräftig gestiegen sein, so dass es auch um deutlich mehr Stellen gehen könnte.

Mitarbeiter in der Produktion angeblich nicht betroffen

Laut Musk betreffen die Kündigungen insbesondere doppelt besetzte und überflüssig gewordene Jobs, die während des rasanten Wachstums der vergangenen Jahre entstanden seien. Stellen in der Produktion würden nicht gestrichen, die Fertigung des Model 3 bleibe unberührt. Der Tech-Milliardär sagt zudem, dass Gewinn für ihn und Tesla keine Motivation sei. Aber ohne gehe es langfristig eben auch nicht: „Wir werden unsere Mission niemals erfüllen können, wenn wir nicht irgendwann demonstrieren, dass wir dauerhaft profitabel sein können.“

Mit seiner Mission, „den Wandel der Welt zu nachhaltiger, sauberer Energie beschleunigen“, wurde Musk zum Fahnenträger der Elektromobilität und gewann viele Anhänger. Doch letztlich muss bei Tesla auch die Wirtschaftlichkeit stimmen, denn derzeit finanzieren die Aktionäre das Unternehmen. Die Firma aber verdient bislang, von einzelnen Quartalen abgesehen, kein Geld. In der fast 15-jährigen Tesla-Geschichte wurde noch kein einziger Jahresgewinn gemacht. „Das ist ein zulässiger und fairer Kritikpunkt“, gibt Musk jetzt zu.

Klingt paradox: Rasantes Wachstum führt zu massiven Verlusten

In den vergangenen zwei Jahren bezahlte Tesla sein rasantes Wachstum mit immer größeren Verlusten. 2017 stand unter dem Strich ein Minus von fast zwei Milliarden Dollar. Die Firma investierte massiv, um mit ihrem ersten günstigeren Wagen, dem Model 3, den Sprung von der Luxusnische in den Massenmarkt in die Wege zu leiten. Attraktive und erschwingliche E-Autos für die breite Bevölkerung waren von Anfang an fester Bestandteil von Musks Masterplan – die Masse soll das Geschäft trotz relativ geringer Gewinnspannen irgendwann profitabel machen.

Doch ausgerechnet beim Hoffnungsträger Model 3 misslang der Start gründlich - die Produktion kam bislang trotz riesigen Aufwands nur langsam voran. Bis Ende Juni will Tesla pro Woche 5000 Stück herstellen, dieses Ziel hätte eigentlich schon Ende 2017 erreicht sein sollen. Zuletzt lag die wöchentliche Produktion bei rund 3500 Model 3. In den vergangenen Monaten stieg der Druck auf Musk beträchtlich. Doch der Tesla-Chef tat wenig, um Bedenken zu zerstreuen. Im Gegenteil: Musk wirkte teilweise ungewohnt dünnhäutig und reagierte auf Kritik mitunter so unsouverän, dass selbst an der Wall Street Sorgen aufkamen und die Aktie zeitweise deutlich litt.

Immer mehr Kunden springen ab

Der Druck auf Musk ist auch deshalb so enorm, weil Tesla bei seinen Kunden in der Kreide steht. Im April 2016 hatte das Unternehmen damit begonnen, Vorbestellungen für das Model 3 entgegenzunehmen. Um auf die Warteliste genommen zu werden, müssen Interessenten eine Anzahlung in Höhe von 1000 US-Dollar leisten. Inzwischen fordern etliche der über 400.000 Vorbesteller ihr Geld zurück, weil sie nicht länger auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet werden möchten, an dem das Auto dann doch noch vor der Türe stehen soll.

Es ist zu früh, um sagen zu können, ob Tesla sich mit dem Model 3 übernommen hat. Gelingt es Musk, die Startschwierigkeiten zu beheben und die Produktion kräftig hochzufahren, kann das Großprojekt mit Verzögerung durchaus noch der ersehnte Erfolg werden. Doch die vielen Kündigungen – ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt – zeigen, wie groß der Druck inzwischen sein muss. Musk hat nicht nur beim Model 3 viel versprochen: Im April kündigte er an, dass Tesla im dritten und vierten Quartal Gewinn machen wird. Analysten sehen indes eher Kapitalbedarf, das weist der Tesla-Chef aber energisch zurück. (dpa)

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