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Kommentar – Immer schön in der Spur bleiben

| Autor / Redakteur: Günter Weigel / Benjamin Kirchbeck

US-Forscher haben ermittelt, dass es im Schnitt etwa alle 6.000 Kilometer mit selbstfahrenden Autos zu Störfällen kommt, auf die ein Mensch am Steuer besser reagieren würde als das autonome Auto.
US-Forscher haben ermittelt, dass es im Schnitt etwa alle 6.000 Kilometer mit selbstfahrenden Autos zu Störfällen kommt, auf die ein Mensch am Steuer besser reagieren würde als das autonome Auto. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Der Mensch an sich ist phantasiebegabt, der Ingenieur muss diese Begabung ausleben. Das führt schon mal zu skurrilen Lösungen - und ganz neuen Problemen.

Gemeinhin ist es ja nicht so, dass sich ein ganz normaler Entwicklungsingenieur in der Autoindustrie langweilen würde. Es gilt schließlich, die Zukunft zu meistern und dabei jede Menge Probleme zu lösen, von denen man manche gar nicht hätte, wenn man nicht so emsig entwickeln würde. Die Techniker von Ford beispielsweise haben uns dieser Tage mit einem ausgeklügelten System zur Spurhaltung erfreut und damit zugleich einen - sagen wir mal - sehr praktischen Sinn von Romantik offenbart.

Wir vermuten, ohne genauere Details zu kennen, dass die/der eine oder andere Entwickler*innen (hach, was sind wir modern) des Nachts schon mal geweckt wird, weil der Partner im Schlaf die meist mittig angelegte unsichtbare Grenze überschreitet. Zwar können derlei Grenzverletzungen ja durchaus auch der Beginn neckischen Zeitvertreibs sein, aber eben auch gestresste Entwickler*innen um den Schlaf bringen. Das könnte schlimme Folgen haben. Nicht auszudenken, man würde als Folge von mangelndem oder zu unruhigem Schlaf fehlerhafte Dieselsoftware entwickeln oder versehentlich gar freigeben. Aber das waren andere Techniker.

Um jedenfalls derlei schon im Ansatz zu bekämpfen, ersannen die Ford-Techniker, basierend auf dem bewährten Spurhalteassistenten, ein System, das den grenzverletzenden Schlafpartner sanft wieder in die Spur bringt, auf dass das schlafende Gegenstück nicht durch zu viel übergreifende Nähe gestört werde. Wir sind einerseits ganz gerührt von so viel Fürsorge, befürchten aber einen deutlichen Verlust an Romantik bei so viel Technikeinsatz. Was, wenn beide wach würden und sich mittig aufeinander zubewegten? Unterbinden dann beide Betthälften weitere Annäherungen? Aber die Geschichte hat ein Happy End. Die Romantik siegt und das Bett bleibt ein Einzelstück.

Keine Einzelstücke sondern gleich eine ganze Flotte Autos hat die Basler Polizei bestellt und fürchtet sich jetzt vor zu viel Annäherung. Nicht, dass die Schweizer an sich unromantisch wären, aber sie mussten dann doch feststellen, dass die bestellten und natürlich auch gelieferten Teslas für den Einsatz als Polizeiwagen nicht ganz so toll geeignet sind. Die Batterien groß genug, die Reichweite passt und die Fahrleistungen sind ohnehin ausreichend, um jedem Schweizer Kriminellen auf der Spur zu bleiben. Das Problem steckt im Detail. Alle Teslas können ferngewartet werden. Im Katastrophenfall ist der Hersteller in der Lage, wie bereits in Florida bewiesen, zusätzliche Batteriekapazität freizuschalten. Man kann das Fahrzeug zudem von außen stilllegen. Gesteuert werden auch Updates per Sprache. Das heißt, alles was im Polizeiauto gesprochen wird, landet auch auf dem Tesla-Server und kann mitgehört werden. Das ist zwar Theorie, aber man weiß ja nie. Man stelle sich nur mal eine Verfolgungsjagd vor, bei der die verfolgten Bösewichter das Polizeiauto hacken und einfach ausschalten. Das Thema bietet reichlich Stoff für künftige Krimis und Actionfilme. Die Basler Polizei ist da lieber vorsichtig und nutzt die Autos erst gar nicht, bevor noch was passiert.

Und es passiert immer was, wenn man nicht aufpasst. Aber auch, wenn man aufpasst oder dafür aufwendige Technik installiert. US-Forscher haben nun festgestellt, dass es zum Beispiel im Schnitt etwa alle 6.000 Kilometer mit selbstfahrenden Autos zu Störfällen kommt, auf die ein Mensch am Steuer besser reagieren würde als das autonome Auto. Weil nun mal ein selbstfahrendes Auto mit einem Fahrer an Bord ziemlich sinnlos ist und vor allem jegliche fahrerlose Geschäftsmodelle von Shuttlediensten und Taxis zunichtemachen würde, soll der helfende Eingriff menschlicher Art zentralisiert werden.

Die Wissenschaftler schlagen über das Land verteilte Leitzentralen mit lebendigen Helfern vor, die den Roboter im Notfall unterstützen. Rund 50.000 bis 100.000 solcher Verkehrs-Profis müsste es ihren Berechnungen zufolge allein für die USA geben, sollte das autonome Auto Standard werden. Da entstehen jede Menge neuer Jobs für arbeitslose Fahrer oder nerdige Computerspieler. Die haben dann jeweils 10 bis 30 Sekunden Zeit, um eine drohende Gefahr zu erkennen, die das Auto ihnen meldet, und adäquat zu reagieren. Kann man so machen. Aber wir schätzen, auch diese Idee wird ein Einzelstück bleiben. Wobei wir noch gar nicht darüber nachgedacht haben, wer eigentlich haftet, wenn der PC-Helfer den Unfall letztlich verschlimmbessert. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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