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Kein Platz für Emotionen: Warum die Jugend das eigene Auto verstößt

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Während für die mittlere und ältere Generation das Auto oftmals eine emotionale Angelegenheit darstellt, verliert der Privat-Pkw bei der Jugend (18-25 Jahre) stark an Bedeutung.
Während für die mittlere und ältere Generation das Auto oftmals eine emotionale Angelegenheit darstellt, verliert der Privat-Pkw bei der Jugend (18-25 Jahre) stark an Bedeutung. (Bild: Clipdealer)

Liebesentzug für den Liebling der Nation: Das eigene Auto büßt für junge Fahrer immer stärker an Wert ein. Ein Überblick über die Wünsche und Anforderungen der „Generation Z“.

Die Mobilität der Zukunft wird von der jungen Generation von Stadtbewohnern getrieben, deren Einstellungen zum Auto und deren Mobilitätsverhalten sich schon heute erheblich von Älteren unterscheidet. Wie schnell sich eine neue Mobilität durchsetzt, hängt jedoch wesentlich vom politischen Steuerungs- und Regulierungswillen ab. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Center of Automotive Management (CAM).

Danach geben in einer repräsentativen Befragung 73 Prozent der Deutschen an, dass für ihre derzeitige Mobilitätssituation ein eigener Pkw „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ ist. Bei den Einwohnern von Städten über 100.000 Einwohnern und bei Jüngeren unter 25 Jahren sinkt die Bedeutung des eigenen Pkws deutlich, jedoch gibt immer noch eine Mehrheit an, dass ein privater Pkw für sie wichtig ist. Anders verhält es sich in der Gruppe der jüngeren Stadtbewohner unter 25 Jahren: Nur für eine Minderheit (36%) ist ein eigener Pkw mindestens „wichtig“, d.h. im Umkehrschluss ist ein privater Pkw für 64% der jungen Stadtbewohner weniger wichtig oder sogar unwichtig.

Die nachlassende emotionale Bindung der jüngeren Generation zum eigenen Automobil ist in Deutschland und in anderen Ländern mit hohem Wohlstandsniveau bereits seit Jahren spürbar. Ein wichtiges Indiz für den Stellenwert des Statusobjekts Automobil bei der jungen Generation ist dabei der Faktor „Verzichtsbereitschaft“, also der Wille sich für den Kauf eines Pkw bei anderen Konsumgütern und Bedürfnissen einzuschränken. Für ein neues Auto würden immerhin 27 Prozent der Jüngeren am ehesten noch auf eine Urlaubsreise verzichten, 16 Prozent würden auf ihre Ersparnisse verzichten, 6 Prozent auf die Altersvorsorge und 4 Prozent auf eine größere Wohnung. Dagegen wollen 42 Prozent der Jüngeren für ein neues Auto auf keines dieser Dinge verzichten, in Städten steigt dieser Anteil sogar auf 52 Prozent.

Gebrauchsgut statt Statusobjekt

Studienleiter Stefan Bratzel analysiert: „Ein großer Teil der Generation Z hat praktisch keine emotionale Bindung zum Auto mehr. Für sie ist das Auto kein Statusobjekt, sondern allenfalls ein Gebrauchsgut. Die Tendenz einer Ent-Emotionalisierung des Pkw-Besitzes in der jungen Generation hat sich damit in den letzten Jahren signifikant beschleunigt.“ Recht eindeutig sind auch die wesentlichen Gründe für die jeweilige Einstellung zum Pkw. Für die Befragten, für die ein eigener Pkw mindestens wichtig ist, liegt dies vor allem an notwendigen Transportaufgaben (59%), an nicht passenden ÖPNV-Angeboten (56%) sowie daran, dass sie gerne selbst Autofahren (52%). Umgekehrt geben die Befragten, für die ein eigener Pkw weniger oder nicht wichtig ist, als Hauptgrund einen gut ausgebauten ÖPNV (60%) an.

Besonders wichtig bei der täglichen Mobilität sind den Befragten Flexibilität, niedrige Kosten, sicheres Ankommen und Zeitersparnis. Jüngere Stadtbewohner zeigen sich für neue Mobilitätskonzepte dabei sehr viel aufgeschlossener als der Durchschnitt. So haben mehr als ein Drittel bereits Car Sharing genutzt (alle Befragte: 15%). Auch die Nutzungsbereitschaft für zukünftige App-basierte „On-Demand Mobilitätsdienste“ wie Privat-Taxis/Shuttles auf Abruf ist bei Jüngeren weit höher als im Bundesdurchschnitt. Nahezu jeder Sechste unter 25 Jahren könnte sich vorstellen künftig autonom fahrende Robo-Taxis zu nutzen. Die Aussicht auf eine umfassende Mobilitäts-Flatrate innerhalb Deutschlands, die sowohl den öffentlichen Verkehr, Carsharing als auch zukünftige Robotaxis umfasst, würde dazu veranlassen auf den privaten PKW zu verzichten. Über 60 Prozent der jüngeren Stadtbewohner glauben unter diesen Umständen, dass sie keinen privaten PKW mehr benötigen würden.

Allerdings werden sich neue Mobilitätskonzepte und ein umweltverträglicheres Mobilitätsverhalten nicht automatisch durchsetzen. Wichtige Einflussfaktoren für einen Wandel des Mobilitätsverhaltens sind neben den Technologiedynamiken in den relevanten Zukunftsfeldern E-Mobilität, Autonomes Fahren und Digitalisierung vor allem die Qualität politischer Steuerung und Regulation.

Der Mobilitätswandel hat auch einen starken Einfluss auf die Finanzierungs- und Versicherungsbranche. Ab 2030 wird sich diese Entwicklung weiter beschleunigen – darauf müssen sich Autofinanzierer und -absicherer bereits heute einstellen. David Furtwängler, CEO von BNP Paribas Cardif Deutschland, blickt zuversichtlich nach vorne: „Insbesondere Mobilitäts-Flatrates sehen wir als großes Evolutionsfeld für die gesamte Branche. Versicherungen werden künftig zu Mobilitätsabsicherern. Gerade Zusatzversicherungen wie die Raten- und Wartungsversicherungen, aber auch Mobilitätsgarantien, gewinnen vor diesem Hintergrund signifikant an Bedeutung.“

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