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IAA 2019 – Zwischen Krise und Innovation

| Autor / Redakteur: Günter Weigel / Benjamin Kirchbeck

Schlechte Aussichten: Rund 16 Prozent weniger Aussteller und Fläche und viele fehlende Auto-Hersteller dürften 2019 auch weniger Besucher anziehen.
Schlechte Aussichten: Rund 16 Prozent weniger Aussteller und Fläche und viele fehlende Auto-Hersteller dürften 2019 auch weniger Besucher anziehen. (Bild: IAA)

Proteste, Absagen, Klimakrise, Handelskriege: Es gab schon einfachere Zeiten, um eine Automobilausstellung zu organisieren. Die IAA reagiert auf die Krise und will zeitgemäßere Schwerpunkte setzen, auch jenseits neuer Autos.

Die IAA will sich neu erfinden. Statt allein eine klassische Automesse zu sein, soll sie sich zu einem Forum für Diskussionen rund um Mobilität, zu einer Erlebniswelt und einer Jobbörse wandeln. „In den vergangenen Jahrzehnten waren Autoausstellungen Orte, die zu Marketingzwecken genutzt wurden, heute müssen sie immer stärker zu einem Treffpunkt für Dialog, Networking, Integration und Kooperation, neue Verbindungen und Zukunftsgedanken werden“, so Bernhard Mattes, Präsident des VDA.

Tatsächlich stellen die Veranstalter vom Verband der Autoindustrie diese IAA auf vier Säulen. Neben der klassischen Ausstellung, (Exhibition) gibt es „Conference“, Experience“ und „Career“. Die beiden letzten waren unter dem Stichwort „IAA zum Mitmachen“ und „Karriere“ schon bei den vorangegangenen IAAs im Programm, aber eben nicht als tragende Elemente. Neu ist der Konferenz-Gedanke, wenngleich auch die IAA 2017 bereits Diskussionsforen angeschoben hat.

„Es geht nicht mehr allein um Modellpremieren, es geht um das ganze Ökosystem der Mobilität“, stellt Mattes fest und formulierte die Aufgabe für die IAA in der Frage: „Erreichen wir die relevanten Entscheider, Gestalter und Macher künftiger individueller und nachhaltiger Mobilität?“ Unter dem Motto „Beyond Mobility“ sollen mehr als 200 Redner die Möglichkeiten der Mobilität von morgen erörtern, zum Teil auch mit dem Publikum. Mit dem öffentlichkeitswirksam vollzogenen Wechsel von der reinen Autoshow, dem „größten Autohaus der Welt“ zu einer Diskussionsmesse reagiert der VDA natürlich auf gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck.

Der Veranstalter der IAA spürt auch die Folgen der Digitalisierung. Jeder Hersteller kann zu jeder Zeit auf seinen digitalen Kanälen neue Produkte seinen Fans und Kunden vorstellen. Dazu benötigt man nicht mehr unbedingt eine Messe. Gleichzeitig stellen die „Fridays für Future“-Bewegung und zahllose NGOs die Nutzung des Autos unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes in Frage. Als Verfechter individueller Mobilität will sich der VDA dieser Herausforderung stellen. Und dies sogar offensiv.

Bernhard Mattes lud nicht nur in dieser Woche zu einem Gespräch zwischen NGOs, Politik und Autoindustrie in Berlin ein, sondern ebenfalls alle Kritiker am 13. September, einen Tag nach der offiziellen Messeeröffnung, zu einer Diskussion im Rahmen der IAA, ein. „Außerhalb der Messe deshalb, damit man teilnehmen kann, ohne sich eine IAA-Eintrittskarte kaufen zu müssen“, erklärt der VDA-Chef und verspricht einen offenen Dialog.

Im Gepäck hat er die Zusage, bis 2050 den Verkehr klimaneutral zu gestalten und die ehrgeizigen Flottengrenzwerte der EU umzusetzen. Für letzteres müssen nach Berechnungen des VDA bis 2030 in Deutschland 7 bis 10 Millionen E-Autos im Bestand sein. Dafür investiert die Industrie 40 Milliarden Euro und verfünffacht bis 2023 ihr Angebot an E-Fahrzeugen von jetzt 30 auf dann 150 Modelle. Allerdings sieht Mattes an dieser Stelle auch die Politik gefordert, in die Infrastruktur zu investieren und Gesetze zu ändern. Zur Umsetzung der E-Mobilität sind laut VDA bis 2030 rund eine Million öffentlicher und mehrere Millionen privater Ladepunkte nötig. Derzeit gibt es 20.650 öffentliche. Zurzeit arbeitet man mit Politik und Gewerkschaften an einem Masterplan.

Wirtschaftlich findet die IAA 2019 in turbulenten Zeiten statt. Die Folgen des Handelskrieges zwischen China und den USA und des drohenden Brexits sind unter anderem an den Neuzulassungen auf den wichtigsten Märkten ablesbar. Europa wird 2019 mit 15,5 Millionen Einheiten etwa ein Prozent unter dem allerdings guten Vorjahresergebnis liegen. Auch der US-Markt gibt nach und wird auf 16,9 Millionen Einheiten (-2 %) kommen. China, der weltweit größte Einzelmarkt, wird sieben Prozent unter dem Vorjahresergebnis liegen, 21,6 Millionen Neuzulassungen werden prognostiziert.

Was die IAA angeht lassen die nackten Zahlen auf ein schlechtes Ergebnis nach klassischer Zählweise schließen. Rund 16 Prozent weniger Aussteller und Fläche und viele fehlende Auto-Hersteller dürften auch weniger Besucher anziehen. Zuletzt kamen 2017 rund 810.000 Menschen nach Frankfurt. Ihre Rolle als Leitmesse für Mobilität will die IAA mit dem neuen Konzept aber auf jeden Fall gerecht werden.

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