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Gedankenspiel – Ein Volk von veganen Radfahrern?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Angesichts des politischen Versprechens, die EU bis 2050 CO2-neutral wirtschaften zu lassen und die Rede von Ursula von der Leyen nach ihrer Wahl zur Präsidentin der EU-Kommission noch im Ohr, wird klar: Es geht ums Klima – nicht zuletzt um jenes in unserer Gesellschaft.

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Hohe Nachfrage: Der Absatz an Fahrrädern und E-Bikes lag 2018 mit 4,18 Mio. Einheiten 8,6% über dem Vorjahr.
Hohe Nachfrage: Der Absatz an Fahrrädern und E-Bikes lag 2018 mit 4,18 Mio. Einheiten 8,6% über dem Vorjahr.
(Bild: Pressedienst Fahrrad)

„Wir werden alle zu veganen Radfahrern, die in ihrem Jahresurlaub beim Wandern im deutschen Wald Plastikmüll sammeln“ – Vor ein paar Wochen in ländlicher Umgebung noch Satire, könnte derselbe Satz vor einem städtischen Publikum heute schon zustimmenden Applaus auslösen. So groß ist die moralische Wucht, mit der moderne Helden wie Greta Thunberg ihre Sache vertreten, mit freundlicher und dankbarer Unterstützung der gesamten Infotainment-Branche.

Polarisieren geht vor analysieren

Die Zukunft wird vermutlich zeigen, wie viel Zeit wir (ungenutzt) verstreichen ließen, seit der Begriff Klimawandel auf die Tagesordnung drängte. Heute leben wir mit der vermeintlichen Gewissheit, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt. Besonders die Europäer sind überzeugt, dass sie sich keine falschen Entscheidungen mehr leisten können.

Lebten wir in einer idealen Gesellschaft, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zusammenzusetzen, gemeinsam zu analysieren, zu diskutieren und zu entscheiden. Aber wir agieren in einem durch und durch polarisierten Umfeld, in dem auch gestandene politische Parteien in populistischen Positionen verfallen. Gerade ist dieses Sentiment wieder bei dem Gerangel um eine CO2-Steuer, die CO2-Grenzwerte an sich und bei der Frage zu erleben, wer eigentlich am besten für die Rolle des Schwarzen Peter geeignet ist.

Demokraten handeln anders

Eine Folgenabschätzung zu den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgewirkungen des Klimaschutzes findet meist nach den am lautesten öffentlich vertretenen Gesichtspunkten statt. Schon lange hält sich das Auto bei den politisch unkorrekten Themen ganz oben, seltenst nur noch übertrumpft vom Fleisch, dem Fliegen und nach Bedarf auch andere Bereiche unseres persönlichen Lebens.

Wie die Debatten heute laufen, lässt sich getrost als Hinweis darauf werten, dass wir doch nicht die guten Demokraten sind, für die wir uns gehalten haben. Wir befassen uns nicht mit den Argumenten der Gegenseite. Wir bekämpfen sie – und das nicht nur im Hinblick auf die Umwelt: Killerphrasen schlagen jeden Diskussionsbeitrag.

Und dann wäre da doch die innere Zerrissenheit. Wir sehen uns gerade bei Umweltthemen gern in der Position des Vorbilds. Und natürlich wollen wir gute Nachbarn sein. Wobei viele dann doch hin- und hergerissen sind. Denn die Geschichte hat uns gelehrt, dass wir uns unseren Nachbarn gegenüber nicht zu dominant verhalten sollten.

Und natürlich bauen wir die besten Autos, aber gut finden wir das nicht. Das schlechte Gewissen sitzt so tief, dass wir uns sogar immer wieder unwidersprochen sagen lassen, die deutsche Automobilindustrie hinke technologisch hinterher. Wir haben es sogar zugelassen, dass der Staat gleich zwei Mal unsere Autos teilenteignete – erst bei der Feinstaubplakette, dann bei den Fahrverboten. Was wohl noch kommt? –ampnet

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