Suchen

Gedankenspiel: Die Psyche der deutschen Autofahrer

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Wie war 2019 und wie wird 2020 werden? Wir halten es an dieser Stelle wie eine gute Studie – und überlassen Ihnen die Interpretation.

(Bild: Clipdealer)

Eine erste Vorweihnachtsmüdigkeit scheint sich schon jetzt über Deutschland breitzumachen. Mit fortschreitendem Dezember wandern wohl immer häufiger die Gedanken der am Schreibtisch sitzenden Bruttosozialproduktsteigerer Richtung heimisches Sofa oder zum nächstgelegenen Glühweinstand.

So ist es an der Zeit der Rückblicke aufs ablaufende Jahr, verbunden mit erstem Vorausschauen auf 2020. Und da wird sich so mancher Leser die Augen reiben. So läuft der Automarkt im ach so krisengeschüttelten Deutschland – man verzeihe das allzu naheliegende Wortspiel – einfach rund. Schon bis Ende November hatten sich 3,3 Millionen Autofahrer einen Neuen zugelegt, es wird wohl am Ende sogar das beste Jahr in diesem Dezennium werden.

Dies wiederum sagt letztlich wohl weniger über den Stand der deutschen Wirtschaft aus, dafür umso mehr über die Psyche der deutschen Autofahrer. Diese muss klar und deutlich als „stabil“ bezeichnet werden. Wer sich angesichts der ständigen Katastrophenmeldungen zu Wirtschaft, Umwelt, Sicherheit und Parteienlandschaft nicht aus der Ruhe bringen lässt und einfach mal in ein neues Autos investiert, der muss entweder nicht ganz bei Trost sein, oder ganz im Gegenteil viel cleverer, als es die Politiker wahrhaben wollen.

Und was kauft der Deutsche dann so? Auch hier gilt: Er erweist sich als würdiger Vertreter des ja oft verunglimpften Prototyps wirtschaftlichen Handelns, also als echter Homo Oeconomicus, der nach überwiegend rationalen Kriterien handelt. Was in unserem Fall heißt: Ganz viel Benziner, immer noch ein knappes Drittel Diesel und auch ein paar Prozentchen sogenannte alternative Antriebe. Aber auch hier: Lieber ein Hybrid oder ein Plug-in-Hybrid, als sich in der derzeitigen Situation ein reines E-Autos zuzulegen. Da wartet man lieber mehr Lade-Infrastruktur, die kommenden E-Autos und die erhöhten Prämien ab.

Die Entscheidung für ein Elektroauto wird einem zudem alles andere als einfach gemacht. Und von der Wissenschaft sind leider keine Hilfestellungen zu erwarten. Es gibt praktisch zu jeder Meinung eine passende Studie. Und hat man eine schöne solche Studie gefunden, die richtig gut zur eigenen Meinung passt, wird sie in ein paar Monaten neu aufgelegt, weil sich die Bedingungen ja schon wieder geändert haben.

So wird innerhalb relativ kurzer Zeit zum Beispiel aus einer dem E-Auto und seinem ökologischen Beitrag eher skeptischen schwedischen Studie, nach einer Neubewertung plötzlich eine, die dem Stromer einen leichten Vorteil einräumt. Wobei es natürlich immer auf den Strommix, die Fahrleistung, das Modell, die Größe der Batterie oder das jeweilige Land ankommt – versteht sich. Was einem als Autofahrer bei der Suche nach einem konkreten Modell aber auch nicht wirklich hilft. Dann doch gleich ein neuer Benziner, da weiß man vorerst was man hat.

Weltweit geht der Pkw-Absatz in diesem Jahr übrigens zurück, das liegt aber vor allem am schwächelnden chinesischen Markt, der wiederum vom Handelskonflikt mit den USA in Mitleidenschaft gezogen wird. Es könnte also auch bald wieder aufwärts gehen, je nachdem wie die Politik so agiert. Ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, müssen Sie selbst entscheiden. –spx

(ID:46280452)