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Future Readiness Index – Wie stellt sich die Automobilindustrie dem Wandel?

| Autor / Redakteur: KMPG / Benjamin Kirchbeck

Lediglich 40 Prozent der Automobilunternehmen sehen ihre Daten- und Systemsicherheit bedroht und bewerten diesen Umstand als große Zukunftsherausforderung.
Lediglich 40 Prozent der Automobilunternehmen sehen ihre Daten- und Systemsicherheit bedroht und bewerten diesen Umstand als große Zukunftsherausforderung. (Bild: Clipdealer)

Neue Geschäftsmodelle für eine neue Art der Mobilität werden der Motor der Automobilbranche sein. Doch wie sieht sich die Automobilbranche für die Zukunft gerüstet? Welche Maßnahmen ergreift sie, um sich dem Wandel zu stellen?

Dieselproblematik, Elektromobilität, drohende Importzölle, Connected Cars, Autonomes Fahren, neue Stadt- und Mobilitätskonzepte sowie neue Konkurrenz durch Technologiekonzerne: Der zukünftige Erfolg der Automobilbranche verlangt eine weitreichende Änderung des Geschäftsmodells vom heute technologieorientierten Produkt zu einem kundenorientierten Servicemodell.

Optimistisch in ein neues Mobilitätszeitalter

Die Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der OEMs und Zulieferer die Veränderungen im Blick hat und sich diesbezüglich gut aufgestellt sieht. Die Zukunftsfähigkeit der Automobilindustrie ist gemäß der Selbsteinschätzung der Unternehmen vergleichsweise gut. Die Branche liegt mit einem Zukunftsindex von 6,3 auf Platz 4 der von uns untersuchten zwölf Sektoren. Ein Überblick über die einzelnen Kategorien:

  • In der Branche herrscht ein ausgeprägter Optimismus: Rund 70 Prozent der deutschen Automobilunternehmen blicken optimistisch oder sehr optimistisch in die Zukunft.
  • Anpassungsfähigkeit an globale Veränderungen: Nur rund die Hälfte der Automobilunternehmen sieht sich gegenüber globalen Trends und Herausforderungen (Weltwirtschaft, Geopolitik, Ökologie) gut und zukunftssicher aufgestellt.
  • Investitionsschwerpunkte: Neue Produkte und Technologien gehören zu den Top-Investitionsprioritäten der Branche in den kommenden Jahren.
  • Nachhaltigkeit: Umweltschutz, Emissionsreduktionen, alternative Mobilitätskonzepte und Antriebsformen zählen zu den größten Zukunftsherausforderungen. Knapp 50 Prozent der Automobilunternehmen sehen sich in diesem Bereich allerdings nicht gut aufgestellt.
  • Gesellschaftlicher Wandel: Das Mobilitätsverhalten der Kunden ist stark durch Demografie, Urbanisierung und Kultur geprägt. 50 Prozent der Unternehmen sehen sich hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit an den gesellschaftlichen Wandel nicht gut aufgestellt.
  • Cyber Security: Lediglich 40 Prozent der Automobilunternehmen sehen ihre Daten- und Systemsicherheit bedroht und bewerten diesen Umstand als große Zukunftsherausforderung. Die Ergebnisse unserer Trendanalyse zeigen aber, dass dieses Thema in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Turbulenzen im globalen Marktumfeld

Die internationalen Verflechtungen (zum Beispiel Zuliefer- und Vertriebsnetze) in der Automobilindustrie sind komplex und nur rund 50 Prozent der befragten Automobilunternehmen sehen sich gegenüber weltwirtschaftlichen, geopolitischen oder ökologischen Herausforderungen gut und zukunftssicher aufgestellt.

Investitionen, um diesen Entwicklungen zu begegnen, sind relativ gering, wie das Investitionsniveau in der nachfolgenden Matrix zeigt. Aktuell hat die Verbesserung der Anpassungsfähigkeit an globale Entwicklungen (zum Beispiel Weltwirtschaft, Klimawandel, inter-nationale Krisen) für viele Automobilunternehmen keine Priorität. Angesichts der aktuellen Lage auf dem Welt-markt ist die relativ geringe Priorisierung globaler Entwicklungen bemerkenswert: Schon heute gefährden Importzölle, die Abhängigkeit von China (als Absatzmarkt oder Investor) oder der Brexit die Geschäftsentwicklung. Die KPMG-Trendanalyse zeigt zudem, dass geopolitische Themen wie beispielsweise Protektionismus oder der Kampf um Ressourcen sich außerordentlich dynamisch entwickeln und in den nächsten fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Vergleich von Reifegrad und Investitionen in der Automobilindustrie.
Vergleich von Reifegrad und Investitionen in der Automobilindustrie. (Bild: KMPG)

Turbulenzen und Unsicherheiten im globalen Marktumfeld werden in Zukunft weiter zunehmen. Daraus resultierende Herausforderungen wie Protektionismus, Sanktionen, politisch-gesellschaftliche Instabilität, Konjunktureinbrüche und Inflation werden die globalisierte Automobilindustrie noch stärker treffen als heute. Wer sich frühzeitig darauf einstellt, verbessert seine Zukunftschancen. Ein aktuelles Beispiel für vorausschauende Anpassung liefert ein deutscher Autobauer: Er stellte zu Beginn des Jahres zusätzliche Zoll- und Steuerexperten ein, um auf die drohenden Strafzölle der US-Regierung besser reagieren zu können.

Investitionen in zukunftsfähige Produkte

Laut den Ergebnissen konzentrieren sich die Investitionen und Aktivitäten der deutschen Automobilunternehmen derzeit auf neue Produkte, die Verbesserung der Kundenausrichtung und innovative Technologien. Mit neuen Modellen, fortschrittlichen Antrieben, individuelleren Konfigurationsmöglichkeiten und erweiterten Serviceleistungen soll die Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden – entsprechend hoch sind die Investitionen etwa in Elektromobilität, Carsharing-Dienste und Assistenzsysteme. Bei der Adaption innovativer Technologien (zum Beispiel Sensorik und vernetztes Auto) sehen sich die deutschen Automobilunternehmen nicht nur gut aufgestellt, an dieser Stelle sehen sie auch weiterhin starke Investitionen.

Alternative Antriebsformen und Mobilitätskonzepte noch entschlossener angehen

In Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit besteht weiter Handlungsbedarf: 60 Prozent der befragten Automobilunternehmen haben dieses Thema als sehr große Zukunftsherausforderung identifiziert. Jedoch sieht sich die Hälfte der Befragten mit Blick auf die ökologischen Veränderungen nicht gut aufgestellt.

CO2-Emissionen, Luftverschmutzung, Rohstoffknappheit, Energieverbrauch, Recycling – ökologische Aspekte gewinnen in der Automobilproduktion kontinuierlich an Bedeutung. Der jüngste Dieselskandal ist nur ein Beispiel von vielen – auch die Lieferkette und die verwendeten Materialien rücken weiter in den Fokus des öffentlichen Diskurses. Der Grundsatz „Make better use of resources“ gehört auch in den nächsten Jahren auf die Agenda der Automobilbranche.

Anteil der Automobilunternehmen, die sich in diesem Bereich gut oder sehr gut aufgestellt sehen für die Zukunft (n=50).
Anteil der Automobilunternehmen, die sich in diesem Bereich gut oder sehr gut aufgestellt sehen für die Zukunft (n=50). (Bild: KMPG)

Neue Mobilitätsbedürfnisse, neues Wachstum

50 Prozent der Automobilunternehmen sehen sich gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen nicht gut aufgestellt für die Zukunft. Das Mobilitätsverhalten der Kunden ist aber stark gesellschaftlich geprägt. Nicht nur Demografie spielt eine Rolle, sondern auch Urbanisierung sowie ein grundlegender Kultur- und Wertewandel. Das Auto verliert nicht nur als Statussymbol an Bedeutung. Für Stadtbewohner hat der Besitz eines Autos heute grundsätzlich weniger Relevanz. Sie nutzen zunehmend alternative Mobilitätsformen wie Mietwagen, Carsharing, den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad. Auf diesen Wandel müssen Automobilunternehmen reagieren. Kundenorientierung heißt heute, Lösungen für zunehmend individuelle und anlassbezogene Mobilitätsbedürfnisse, die sich am Zeitaufwand und den entstehenden Kosten sowie der Qualität des Angebots ausrichten, anzubieten. „Mobility as a Service“ ist ein wichtiges Thema in der Automobilbranche.

„Die Zukunft der Automobilindustrie liegt nicht nur im klassischen Verkauf von Autos, sondern vielmehr im Verkauf erweiterter Mobilitätsdienstleistungen. Das Geschäft mit Fahrzeugen ist Teil eines offenen und dynamischen Ökosystems, bestehend aus Produkt, Dienstleistungen und Content. Eine zentrale Herausforderung für Hersteller und Zulieferer besteht darin, die richtige Balance aus Wettbewerb und Kooperation mit den am Ökosystem beteiligten Akteuren zu finden“, analysiert Dieter Becker, Partner und Head of Automotive bei KPMG in Deutschland.

Globale Trends richtig im Blick?

Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen bemisst sich auch daran, inwieweit sie wichtige Megatrends und globale Entwicklungen richtig einschätzen können (Trend-Sensitivität). In der nachfolgenden Tabelle sind fünf wichtige und dynamische Trends entsprechend ihrer Bedeutung aufgelistet. Dabei werden die Ergebnisse der Unternehmensbefragung, die die Branchenperspektive repräsentieren, mit den Resultaten der KPMG-Trendanalyse verglichen, der eine unabhängige Big Data-Analyse zugrunde liegt. Für Automobilunternehmen in Deutschland werden in den nächsten fünf Jahren vor allem jene Themen wichtig bleiben, die schon heute die Branche stark bewegen. Die KPMG-Trendanalyse weist darüber hinaus auf Entwicklungen hin, die in Zukunft zusätzlich an Bedeutung gewinnen werden – auch für die Automobilindustrie.

Trend-Sensitivität der Automobilbranche
Trend-Sensitivität der Automobilbranche (Bild: KMPG)

Für das vernetze Auto gilt: better safe than sorry

Sicherheit ist das Thema der Branche. Mit zunehmen-der Technologiedurchdringung und Vernetzung gewinnen Sicherheitsaspekte eine erweiterte Bedeutung in der Automobilindustrie. Attacken auf vernetzte oder selbstfahrende Autos können für Fahrer, Halter und Hersteller existenzbedrohend sein. Die klassische Fahrzeugsicherheit wird ergänzt um Datenschutz, Netz- und Systemstabilität sowie Sicherheit vor fremden Zugriffen. Die Fähigkeit, Sicherheitssysteme parallel zu den neu eingesetzten Technologien und Fahrzeug-Features aufzubauen, wird immer erfolgskritischer.

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