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Flying-V – 20 Prozent weniger Kerosinverbrauch

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Bei herkömmlichen Jets sind Rumpf und Flügel getrennt. Bei einem neuen Flugzeugtyp namens Flying-V verschmelzen hingegen beide Elemente. Die Bauform soll helfen, kräftig CO2 zu sparen. Ein erster skalierter Prototyp soll schon im Oktober 2019 starten.

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Noch in diesem Jahr soll das Flying-V abheben
Noch in diesem Jahr soll das Flying-V abheben
(Bild: KLM)

Als er 2015 seine Abschlussarbeit an der TU Berlin schrieb und ein Praktikum bei Airbus in Hamburg absolvierte, hatte TU-Student Justus Benad eine „verrückte Idee“: Das „Flying V“ – ein futuristisch anmutendes und energiesparendes Flugzeug in V-Form mit der Kapazität eines Airbus A350, bei dem die Passagiere direkt in den Flügeln sitzen. Der Airbus-Konzern war so begeistert, dass er für diese neue Flugzeugkonfiguration sofort ein Patent einreichte, mit Justus Benad als Erfinder. Nun wird das Flugzeug gebaut.

Realisieren will ihn die TU Delft mit finanzieller Unterstützung der Fluggesellschaft KLM. Der im Bau befindliche Prototyp soll bereits im Herbst erstmalig abheben. Das Engagement von KLM hat einen einfachen Grund: Wie andere Fluggesellschaften stehen auch die Holländer unter Druck, effizientere Alternativen zu finden, um Vorgaben zur Dekarbonisierung erfüllen zu können.

So könnten die Passagiersitze - genauso viele wie im Airbus A350 - und das Cockpit verteilt sein.
So könnten die Passagiersitze - genauso viele wie im Airbus A350 - und das Cockpit verteilt sein.
(Bild: TU Berlin/Justus Benad)

Bereits ab nächstem Jahr will die im stetigen Wachstum befindliche Branche ihren CO2-Ausstoß auf Vorjahresniveau einfrieren. Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen gegenüber dem Wert im Jahr 2005 um 50 Prozent sinken. Unter anderem hat deshalb Easyjet Ende 2018 angekündigt, ab 2030 elektrisch getriebene Jets für den Kurzstreckeneinsatz einsetzen zu wollen. Das Flying-V könnte hingegen für Einsparungen im Langstreckeneinsatz sorgen.

Das „Flying V“ hat mit 65 Metern die gleiche Spannweite wie der Airbus A350, ist aber kleiner. Dennoch bietet es Platz für ebenso viele Passagiere, nämlich 314, sowie ein Frachtvolumen von 160 Kubikmetern. Wegen der geringeren Oberfläche bietet es weniger Windwiderstand und verbraucht auf diese Weise 20 Prozent weniger Treibstoff. Die Triebwerke sitzen ganz hinten auf dem Flugzeug, die Passagierkabinen, Frachträume und Tanks sind in den Flügeln integriert.

Das hat eine spektakuläre V-Form zur Folge. Bis das neue Flugzeug aber in Serie gehen kann, wird es noch etwas dauern. Noch ist viel an Forschung und Testungen notwendig. Die Luftfahrt, so Projektleiter Dr. Roelof Vos, trage zu etwa 2,5 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei und die Branche wachse stetig weiter. Deshalb müssten nachhaltigere Flugzeuge entwickelt werden.

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