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Fazit CES 2019 – Die Highlights aus dem Mobilitätssektor

| Autor/ Redakteur: Matthias von Alten / Julia Schmidt

Matthias von Alten, Automotive Strategy Lead bei Publicis Sapient, berichtete exklusive für next-mobility.news über die CES-Highlights aus den Bereichen Automotive und Transportation. Sein Fazit und alle Einzelheiten lesen Sie hier.

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Auf der CES 2019 in Las Vegas rückte die Mobilität von morgen stärker in den Fokus.
Auf der CES 2019 in Las Vegas rückte die Mobilität von morgen stärker in den Fokus.
(Bild: Matthias von Alten)

Die Tore der CES 2019 sind geschlossen und es ist Zeit, ein Fazit zu diesem inspirierenden Jahresauftaktevent zu ziehen: Die Messe war sehr gut besucht und der Facettenreichtum überwältigend. Insbesondere für den Automotive-Bereich habe ich einmal mehr festgestellt, dass ein rein industriespezifischer Blick für die Zukunft der Branche nicht mehr ausreicht. Die Grenzen zwischen Unterhaltungselektronik, Smart Home, technischer Infrastruktur wie 5G sowie Mobilität vermischen sich zunehmend. All das bildet die CES ab. Zudem bietet die Konferenz neuen Playern in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie eine Bühne, an die man vor ein paar Jahren noch nicht gedacht hätte.

Besucher erhielten zahlreiche neue Impulse aus den unterschiedlichsten Bereichen, die zum Nachdenken anregen werden. Zudem fiel auf, dass zwar sehr viele CES-Teilnehmer aus China anreisten, aber kaum Aussteller aus dem Reich der Mitte anwesend waren. Das wird sich aus meiner Sicht im nächsten Jahr sicher ändern. Es ist ein Fehler, die Innovationskraft dieses Landes nicht auf der CES darzustellen. Für die Zukunft sollte gelten, sich die Stärken Chinas durch Kooperationen zu Nutze zu machen.

Neben all den wirklich spannenden Innovationen glänzte der Event aber auch mit zahlreichen Exponaten, die zwar aus technischer Sicht interessant sind, aber keinen wirklichen Kundennutzen stiften – geschweige denn ein echtes Problem lösen. Ist es wirklich erforderlich, einen selbstfahrenden, mir folgenden Koffer zu besitzen? Will ich ein Feuerzeug, das mir das Rauchen abgewöhnen soll? Und ist ein Flaschenöffner sinnvoll, der mir mittels iBeacon-Technologie getränke-individuelle Werbung zuspielt? In diesen Fällen stellt sich mir die Frage, ob Investitionen hier nicht überflüssig sind.

Lässt man die CES als Ganzes Revue passieren, wundert man sich doch darüber, warum Konferenzen wie die (ehemalige) weltweite IT-Leitmesse Cebit keinen Platz mehr im Terminkalender der Unternehmen finden sollten. Die Entscheidung gegen die Fortführung der Cebit ist meines Erachtens ein Fehler – auch im Hinblick auf den zunehmenden Rückzug der OEMs von den reinen Automobilmessen. Um die Innovationskraft Deutschlands und Europas zu stärken, benötigen wir genau diese Art von Technologie- und Start-Up-Messen, um neue Ideen zu erproben bzw. zu entwickeln und neue Partner identifizieren zu können. Daher sollten wir die Diskussion um den Messestandort Deutschland schnellstmöglich wieder anregen.

Rückblick CES 2019

Endlich sind die Tore der CES 2019 geöffnet. Und gleich zu Beginn wird eines klar: Die Konferenz hat sich von einer reinen Consumer Electronics-Messe zu einem deutlich breiter aufgestellten Event entwickelt. Das geht sogar soweit, dass sich die Veranstalter über eine Umbenennung des Veranstaltung Gedanken machen.

Die neue thematische Breite lässt sich insbesondere an den Präsentationen einer Branche darstellen: der Automobilindustrie. Wie schon in den vergangenen Jahren sind zahlreiche Vertreter der Branche anwesend. Im Vergleich zur IAA oder dem Genfer Automobilsalon geht es aber weniger darum, die Fahrzeuge in den Mittelpunkt zu rücken, sondern vielmehr sollen spezifische Themengebiete und Trends mit attraktiven Kundennutzen sowie Innovationsstärke präsentiert werden. Mercedes-Benz etwa stellt dem Publikum den neuen CLA mit einer überarbeiten Version des MB UX vor. Byton zeigt mit einer großen Show seinen neuen M-Byte, der mit einem verfeinerten Human Machine Interface glänzt. Das neue Byton-Modell, das ab Ende 2019 in Produktion gehen wird, soll dann bereits über autonomes Fahren Level 3 verfügen. Und auch Audi präsentiert mit seinem neuen In-Car-Entertainment-Angebot „Holoride“ eine Neuigkeit: ein neues VR-Gadget für die Fondpassagiere, um lange Fahrstrecken unterhaltsam zu überbrücken.

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Die starken Auftritte der Automotive-Player zeigt eines: Auch wenn sie unter den über 3.000 CES-Austellern noch in der Minderzahl sind, rücken sie immer stärker ins Blickfeld der klassischen CE-Anbieter. Dazu mehr in den kommenden Tagen.

Tag 2 auf der CES: Die autonome Mobilität

Ein absolutes Highlight im Bereich autonomer Mobilität kam aus einer ganz anderen Ecke als von den typischen Automarken und Zulieferern: nämlich vom Traktorbauer John Deere. Mit seinem „Farming Digital“-Angebot verfolgt das Unternehmen eine ganzheitliche Strategie: Mit autonomen Funktionalitäten in Kombination mit künstlicher Intelligenz sowie einem weitreichenden Serviceangebot unterstützt das System den bereits heute schon sehr hohen Grad der Automatisierung in der Agrarwirtschaft – von der Saateinbringung über pflanzenindividuelle Düngung bis hin zur Ernte. John Deer hat sehr eindrucksvoll seine holistische Vision dargelegt und bewiesen, warum das Unternehmen ein globaler Marktführer mit einem Marktanteil von nahezu 20 Prozent ist. Basis dieses Erfolgs ist die enge Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Händlern und den Kunden. Von John Deer können Automobilhersteller noch viel lernen.

Weiterhin geht es in diesem Jahr auf der Messe sehr stark um die Unterhaltung in einem autonomfahrenden Umfeld. Zum Beispiel haben Kia und auch Hyundai verschiedene Ansätze mit Entertainmentfunktionalität vorgestellt, die Features wie Informationsvermittlung, Quiz-Spiele oder auch sportliche Aktivitäten etwa in Form eines Ruderwettbewerbs beinhalten. Der Clou: Die Konzepte machen durch eine große Anzahl an Displays, innovative, berührungsfreie Interfaces sowie konzerthallenartige Akustik auf sich aufmerksam.

Generell steht bei der autonomen Mobilität das reine Raumkonzept im Zentrum. Mit Herstellern wie Bosch, Continental, Daimler, Kia, Hyundai, Rinspeed oder auch ZF sind einige der großen Player auf der Konferenz am Start. Ihre Konzepte ähneln sich. Im Prinzip handelt es sich um ein Standardantriebsmodul, auf dem verschiedene Aufbauten aufgesetzt werden können, um eine flexible Nutzung zu ermöglichen – etwa für klassische Personen- oder Logistikbeförderung. Genauso ist aber auch vorstellbar, daraus mobile Shop-Konzepte zu realisieren. Es bleibt spannend.

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Über Matthias von Alten

Matthias von Alten unterstützt als Automotive Strategy Lead bei Publicis.Sapient globale Automobil- und Mobilitätskunden in ihrer Weiterentwicklung und dem Ausbau ihrer Geschäftsmodelle. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der Identifikation und Transformation von kundenzentrierten Geschäftsfeldern mit der Zielsetzung, ein profitables Wachstum der Kunden nachhaltig zu steigern.

Von Alten hat über 25 Jahre Branchenerfahrung und war für globale Automobil- und Luftfahrtunternehmen wie Audi, Ford, Skoda und Lufthansa tätig. Wesentliche Stationen seiner beruflichen Laufbahn: Senior Manager bei Monitor Deloitte Strategy, Leiter Marken- und Produktstrategie für die PKW-Marken der VW Group und Leiter Marken- und Produktstrategie BMW bei der BMW Group. Der gebürtige Kanadier ist diplomierter Elektrotechnik- und Wirtschaftsingenieur.

Display-Technologien

Die CES zeigt in diesem Jahr einmal mehr ihre branchenübergreifende Relevanz. Neben Innovationen wie autonomes Fahren und Raumdesign im Fahrzeug beweisen sich auch weitere Trends aus dem CE-Sektor als äußerst relevant für die Automobilindustrie. Ganz vorne dabei: neue Display-Technologien und die aus ihnen entstehenden Möglichkeiten.

Samsung etwa beschäftigt sich nicht nur mit Home-Entertainment und Smartphones, sondern zeigt auf der CES, dass auch die Visualisierung und Konnektivität im Fahrzeug ein wichtiger Geschäftsbereich der Zukunft werden wird. Die Verknüpfung vom Menschen, seinem Zuhause, seiner Mobilität und seinem weiteren Umfeld steht klar im Fokus. Als Beweis dafür zeugen die neu entwickelten Displays, die mit 8K-Technologie die nächste Generation des Fernsehens einläuten – und auf der CES (gemeinsam mit den 8K-Modellen von LG) die Aufmerksamkeit des internationalen Publikums auf sich ziehen. Die Inszenierung des aufrollbaren 8K-TVs sorgte für besondere Begeisterung bei den Konferenzbesuchern. Wäre die Infrastruktur zur Übertragung der 8K-Auflösung heute schon verfügbar, hätte Samsung auf der CES die Bestellbücher schnell voll gehabt.

Auch der Chip-Hersteller Intel setzt mit seiner Strategie „Experience Intel Outside“ neue Akzente in Las Vegas. Eine Entwicklung, die weit über das ursprüngliche Kerngeschäft des Unternehmens hinausgeht. Etwa die Präsentation eines großen, hochauflösenden und leistungsstarken In-Car-Fernsehers zur Unterhaltung von Fondpassagieren zeigt, dass das Unternehmen seinen Fokus nun klar auf kundenorientierte Lösungen setzt. Intel kooperiert dabei mit Warner Brothers, um etwa einen Entertainment-Service aufzubauen. So entsteht ein Service-Ökosystem mit echtem Mehrwert für die Kunden.

Welche technischen Möglichkeiten mit Displays mittlerweile noch realisierbar sind, stellt Royole eindrucksvoll unter Beweis: Die Nutzung von falt- und biegbaren Displays für Smartphones oder Handtaschen ermöglicht die Entwicklung völlig neuer Produkte. Auch für die Automobilindustrie ergeben sich hier ganz neue Ansatzpunkte und Möglichkeiten, wie Displays im Fahrzeug künftig genutzt werden können.

Immersive Experiences

Bisher kann man feststellen, dass die CES eindeutig unter dem Motto „Customer centricity is key“ läuft – Kunde und Nutzer stehen bei allen Exponaten klar im Mittelpunkt. Dabei spielt das Thema Experience eine tragende Rolle. In vielen Anwendungsfällen geht es um Vereinfachung und Komfort in bestimmten Lebenslagen. Richtig in die Business-Anforderungen der Automobilindustrie übertragen, können die gezeigten Innovationen auch für diese Branche große Potenziale erschließen.

Ein schönes Beispiel ist das Thema „Immersive Experiences“, das in diesem Jahr besonderes Interesse beim Publikum erregt. Wie VR-/AR-Anwendungen in den Fahrzeugen der Zukunft eingesetzt werden können, stellt das Unternehmen WayRay vor: Mit einem holografischen AR-Navigationssystem für Fahrzeuge, zeigt WayRay eine AR-gestützte Navigationsumgebung, die dem Fahrer zusätzliche situations- und standortspezifische Informationen liefert.

Zahlreiche Aussteller aus anderen Branchen zeigen zudem neue immersive Entwicklungen für die Bereiche Smart Home, Smart City oder Smart Health, die zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für den Automotive-Sektor eröffnen. Ein VR-Roller-Coaster etwa macht die Realität einer echten Achterbahnfahrt auf kleinstem Raum erlebbar. Adrenalin pur. Und auch das Münchner Unternehmen ICAROS präsentiert eine Neuheit: ein Virtual-Reality-Fitness-Trainer, der Spaß, Sport und Gesundheit in einer immersiven Anwendung vereint.

Neben dem Einsatz als Freizeitanwendungen lassen sich Technologien wie Virtual, Augmented und Mixed Reality auch sinnvoll in Unternehmensprozesse integrieren. Für den erfolgreichen Einsatz sind adäquate Ressourcen, eine hohe inhaltliche Qualität und eine einfache Handhabung für den Endanwender unabdingbar. Nach einem erfolgreichen monatelangen Pilotprojekt beginnt Walmart beispielsweise seine US-Handelsstandorte mit VR-Trainingsmodulen auszustatten. Unter anderem werden durch die Anwendungen die Mitarbeiter auf den kommenden „Black Friday“ Verkaufsmarathon vorbereitet.

Derartige Use Cases lassen sich auch sehr gut in der Automobilindustrie integrieren, etwa im Automobilhandel für den Vertrieb von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen, im After Sales-Bereich oder für Mobility Services.

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