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Elektromobilität – (K)ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für Energieversorger?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

80 Prozent der Energieversorger (EVU) in Deutschland und Österreich sind bereits im E-Mobilitätssektor aktiv oder planen den Einstieg. Drei von vier EVUs haben schon Ladesäulen installiert – oftmals jedoch als Imageprojekt. Und auch die Bereitschaft für weitere Investitionen ist gering.

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Den 100.000 Ladepunkten, die in Deutschland bis 2020 errichtet werden sollen, stehen aktuell 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte als Ist-Zustand gegenüber.
Den 100.000 Ladepunkten, die in Deutschland bis 2020 errichtet werden sollen, stehen aktuell 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte als Ist-Zustand gegenüber.
(Bild: Clipdealer)

Auch Energieversorger (EVU) wollen vom Trend zur Elektromobilität profitieren: Fast drei Viertel sind bereits im Bereich Elektromobilität aktiv, zeigt eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 184 deutschen und österreichischen EVU. Das Engagement steht im Einklang mit einer klaren Prognose: Rund 95 Prozent der Befragten erwarten, dass die Bedeutung für ihr Unternehmen und ihre Branche wächst.

Allerdings hat die eindeutige Prognose vielerorts noch nicht zu entsprechend entschlossenem Handeln geführt. „Einerseits messen Verantwortliche der Elektromobilität hohe Bedeutung zu – andererseits engagieren sich viele nur verhalten und haben noch keine konsistenten Strategien entwickelt“, sagt Henry Otto, Partner und Leiter Beratung Energiewirtschaft bei PwC Deutschland. Entsprechend glaubt etwa die Hälfte der Befragten, dass Wettbewerber einen Vorsprung im Bereich Elektromobilität haben.

60 Prozent der EVU planen keine weiteren oder nur geringe Investitionen

Klarer Schwerpunkt der Aktivitäten von EVU ist der Aufbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur: Drei Viertel der Befragten sind in diesem Segment aktiv. Das gilt für Versorger in städtischen und ländlichen Gebieten gleichermaßen – und ist deshalb eine grundsätzlich gute Nachricht für Elektroautokäufer jenseits der Ballungsräume. „Energieversorger investieren auch in Regionen, in denen sich andere Marktteilnehmer bislang eher zurückhalten. Damit tragen sie dazu bei, dass sich die Ladeinfrastruktur flächendeckend verbessert“, so Otto.

Allerdings zeigt die Studie, dass sich viele EVU mit ersten Erfahrungen und Imageprojekten zufriedengeben. Etwa die Hälfte der Befragten hat maximal fünf Ladesäulen in Betrieb. Rund 60 Prozent der EVU planen keine weiteren Investitionen oder wollen maximal 100.000 Euro investieren. Diese Zahl muss man laut Henry Otto zwar einordnen: „Für 100.000 Euro Summe bekommt ein EVU immerhin rund 20 Ladesäulen. Für viele kleine Unternehmen kann das ein bedeutender Teil der zur Verfügung stehenden Investitionsmittel sein. Das muss sich dann auch rentieren.“ Trotzdem ist die Bereitschaft für weitere Investitionen insgesamt nicht besonders hoch.

Befragte, die der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen, begründen dies häufig mit niedrigen Gewinnaussichten (80 Prozent) oder einem zu geringen Marktvolumen (60 Prozent). Und auch abseits der Ladeinfrastruktur sind Aktivitäten rund um Elektromobilität bislang überschaubar: So beschäftigen sich knapp vier von zehn deutschen EVU mit Datenmanagement und Abrechnungen. Bei sogenannten „Smart Services“ – also zum Beispiel Apps, die Fahrer zur nächsten Ladesäule lotsen – und beim E-Car-Sharing sind die Quoten mit 23 beziehungsweise 15 Prozent sogar noch deutlich niedriger.

EVU könnten echter Treiber sein – unter bestimmten Bedingungen

Aus Sicht der PwC-Experten könnten EVU als Betreiber der Verteilnetze und durch ihren Kontakt zu vielen Endkunden ein echter Treiber der Elektromobilität sein. Um diese eigentlich gute Ausgangslage zu nutzen, müsste das derzeitige Regulierungsregime aber weiterentwickelt werden. „Der Aufbau von Ladeinfrastruktur in größerem Umfang ist unter den derzeitigen Bedingungen oft nicht rentabel“, so Henry Otto.

Durch einen pragmatischeren Einsatz der Fördermittel oder die Übertragung entstehender Kosten auf die Netzentgelte könnten auch die Ziele der Bundesregierung erreichbar werden, denn: Den 100.000 zusätzlichen Ladepunkten, die in Deutschland bis 2020 errichtet werden sollen, stehen aktuell gerade einmal bereits errichtete 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte gegenüber.

Die Österreicher expandieren entschlossener

Einen Schritt weiter sind die befragten österreichischen Versorger: Sie expandieren deutlich entschlossener ins Geschäft mit der Elektromobilität als ihre deutschen Pendants. So betreiben rund drei Viertel von ihnen bereits mehr als 50 Ladesäulen. Auch bei innovativen Dienstleistungen wie „Smart Services“ oder dem E-Car-Sharing sind sie weitaus aktiver.

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