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Elektromobilität – Das Übertrumpfen geht schon los

| Autor / Redakteur: Joachim Becker / Benjamin Kirchbeck

"Wir wurden von den Seltene-Erden-Preisen sehr gebeutelt"

Was das für die "Freude am Fahren" genau bedeutet, können die Zuhörer auf dem Wiener Kongress nur ahnen. Momentan entwickeln und bauen die deutschen Autohersteller ihre Elektromaschinen noch selbst, weil sie sich davon strategische Vorteile versprechen. Metallverarbeitung gehört zu ihren traditionellen Stärken. Doch die Materialexpertise, das Produktions-Knowhow, die etablierten Lieferketten und die Recycling-Kreisläufe für Verbrennungsmotoren lassen sich nur bedingt auf Elektroantriebe übertragen. Am ehesten gilt das noch für Kupfer, das für die elektrischen Maschinen und Hochvolt-Leitungen gebraucht wird. Bei Magnetwerkstoffen wie Seltenen Erden liegt die Recyclingquote aber nur bei rund einem Prozent; die Preise schwanken daher bedenklich.

Diese Erfahrung musste BMW 2013/14 machen. "Wir wurden von den Seltene-Erden-Preisen sehr gebeutelt", berichtet Stefan Juraschek: "Bei der nächsten Generation der E-Maschinen reden wir über 500.000 bis 600.000 Einheiten. Jeder Euro, den wir in das Antriebssystem packen, ist also richtig viel Geld", so der BMW-Hauptbereichsleiter: "Angesichts des Risikos haben wir uns bei der fünften Generation für Elektroantriebe entschieden, die völlig frei von seltenen Erden sind." Die Entwicklungssprünge sind größer als bei den ausgereiften Verbrennern: Leistung und Drehmomentdichte der E-Maschinen stiegen gegenüber der vierten Generation um 40 Prozent, das Gewicht sank dank der hochintegrierten Bauweise um 20 Prozent und die Kosten schrumpften sogar um 30 Prozent.

Es fehlt an Schnelllade-Stationen

"Mit der fünften Generation unseres Elektroantriebs sind wir führend bei Energiedichte und Effizienz", stellt Juraschek in Wien selbstbewusst fest. Doch vergleichbare Kennzahlen der deutschen Wettbewerber sind noch gar nicht bekannt. Am ehesten lassen sich allgemeine Daten wie der Anschluss an Schnellladestationen im Autoquartett abfragen: Der Audi e-tron auf Basis des Q5 und der BMW iX3 lassen sich an Schnellladestationen mit bis zu 150 kW Ladeleistung innerhalb von 30 Minuten auftanken.

Ein Tesla mit maximal 120 kW Ladeleistung braucht ungefähr dieselbe Zeit für den Hub von 20 auf 80 Prozent. Für den Kunden wirklich spürbar ist aber etwas ganz anderes: Die Kalifornier verfügen schon heute über knapp 10 000 Supercharger rund um den Globus. Dagegen gibt es erst 200 Schnelllade-Stationen mit dem CCS-Standard, den die deutschen Marken verwenden.

Teslas Supercharger sind für die Deutschen bisher tabu. Mit der Ionity-Initiative wollen sie bis 2020 immerhin 400 eigene Superlader aufbauen. Selbst dann wird sich das Blitztanken mit einem Stromer von Audi, BMW oder Mercedes auf ein dünnes Netz entlang der Autobahnen beschränken.

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Der Beitrag erschien im Original auf SZ.de.

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