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Elektrisch am Pikes Peak – Die Rückkehr der Gipfelstürmer

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

"Man muss sich bewusst sein: Am Ende der Straße wartet der Abgrund. Nur die Besten trauen sich das zu. Das Fahrzeug muss genau passen. Hervorragende Streckenkenntnis ist Pflicht. Am Pikes Peak wird jedes Risiko teuer bezahlt", sagt Hans-Joachim „Strietzel" Stuck.
"Man muss sich bewusst sein: Am Ende der Straße wartet der Abgrund. Nur die Besten trauen sich das zu. Das Fahrzeug muss genau passen. Hervorragende Streckenkenntnis ist Pflicht. Am Pikes Peak wird jedes Risiko teuer bezahlt", sagt Hans-Joachim „Strietzel" Stuck. (Bild: VW)

In wenigen Monaten klettert das Spannungsbarometer auf Wolkenhöhe und der Puls rast in 4.000 Metern über dem Meeresspiegel: Nach 30 Jahren geht Volkswagen Motorsport wieder beim Pikes Peak an den Start. Beim härtesten Bergrennen der Welt macht die Tradition einen Sprung in die Zukunft: Das legendäre „Race to the Clouds" wird VW mit einem Elektro-Rennfahrzeug bestreiten.

Als Klaus-Joachim „Jochi" Kleint am 11. Juli 1987 nach 12 Meilen (knapp 20 Kilometer) auf gut 4.000 Metern über dem Meeresspiegel aus seinem staubbedeckten Rennwagen steigt, könnte er vor Enttäuschung ins Lenkrad beißen.

Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Nur 400 Meter und die letzten drei von insgesamt 156 Kurven trennen Kleint und seinen von Volkswagen zur Power-Bergziege umgebauten Golf II vom „Gipfeltraum" – dem Triumph beim „Pikes Peak International Hill Climb".

Unter den neuen, elektrischen Vorzeichen soll der Klassensieg und eine neue Rekordzeit in der Kategorie für elektrisch angetriebene Prototypen herausgefahren werden. Gehalten wird die aktuelle Klassenbestzeit von Rhys Millen, der die Strecke 2016 mit einem batterieelektrischen Boliden vom Typ eO PP100 in 8:57.12 Minuten bewältigte.
Unter den neuen, elektrischen Vorzeichen soll der Klassensieg und eine neue Rekordzeit in der Kategorie für elektrisch angetriebene Prototypen herausgefahren werden. Gehalten wird die aktuelle Klassenbestzeit von Rhys Millen, der die Strecke 2016 mit einem batterieelektrischen Boliden vom Typ eO PP100 in 8:57.12 Minuten bewältigte. (Bild: VW)

Jener verrückten Motorsport-Veranstaltung im US-Bundesstaat Colorado also, die seit ihrer Erstauflage 1916 als das prestigeträchtigste Bergrennen der Welt gilt. In mittlerweile 22 Kategorien treten dort jedes Jahr 120 Fahrzeuge – vom Rennwagen über Straßen-Pkw und Motorräder bis hin zum Race Truck – an, um den „King of the Mountain" zu küren.

1980er-Jahre: VW greift drei Mal nach der Krone

Nachdem er es in den beiden Vorjahren bereits versucht hat, greift Volkswagen Pilot Jochi Kleint im Sommer 1987 zum dritten Mal nach der Krone. Nach der ersten Zwischenzeit noch in Führung liegend, hat er den Gesamtsieg vor Augen. Doch dann ist es ein defektes Kugelgelenk an der Radaufhängung, das ihn schon nach wenigen Kilometern ausbremst. Und Kleint? Ist ein Kämpfer. Aufgeben ist für den Norddeutschen keine Option. Er gibt weiter Gas. Kuppelt, schaltet, lenkt. Fightet verbissen, als ginge es um sein Leben.

In gewisser Weise tut es das auch. Denn die Ideallinie beim Pikes Peak International Hill Climb, das auf einem Startpunkt in luftiger Höhe von 2.800 Metern auf dem Pikes Peak Highway, der für den Rest des Jahres eine öffentliche Straße ist, seinen Ausgang nimmt, führt nur Zentimeter am ungesicherten Abgrund vorbei – und das mit einem aufgrund des Aufhängungsschadens alles andere als optimal arbeitenden Fahrwerk.

Als die tiefen Schluchten der Rocky Mountains immer näher rücken, wird Kleint die Sache schließlich zu heikel. Drei Kurven vor dem Ziel muss der Volkswagen Fahrer seinen Rekordversuch begraben.

Dabei hat er im Kampf gegen die Uhr zuvor so namhafte Konkurrenten und hochmotorisierte Gruppe-B-Fahrzeuge wie den Lancia Delta S4, den Ford RS200 oder den Peugeot 205 hinter sich gelassen. Zähneknirschend gibt er sich Rallye-Legende Walter Röhrl in seinem bärenstarken Audi Sport quattro S1 geschlagen, der den Kurs in 10:47.850 Minuten bewältigt. Und doch: „Ein unvergessliches Erlebnis und ein einzigartiges Auto", erinnert sich Kleint bis heute voller Stolz.

1.400 Höhenmeter bei 7 Prozent Steigung

Hinter Jochi Kleint und seinem hell lackierten Golf II liegen zu diesem Zeitpunkt 153 Kurven bei rund 7 Prozent Steigung und über 1.400 Meter Höhendifferenz. Rennfahrerlegenden wie der US-Amerikaner Bobby Unser haben hier bereits Motorsport-Geschichte geschrieben. Der heute 83-Jährige konnte das „Race to the Clouds", wie das Pikes Peak International Hill Climb auch genannt wird, zwischen 1955 und 1986 sage und schreibe 13 Mal gewinnen.

In Erinnerung geblieben sind außerdem die heißen Duelle aus der Ära der „Open Rally Category" zwischen Walter Röhrl und dem Finnen Ari Vatanen, der sich mit seinem Turbo-Peugeot in den 1980er-Jahren harte Kämpfe mit den Audi-Werksfahrern lieferte.

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